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Henricus Cornelius Agrippa ab Nettesheim:
De incertitudine et vanitate scientiarum declamatio invectiva

 

Agrippa ab Nettesheim: De incertitudine et vanitate scientiarum, 1584

 

The happiest life is the life of the ignorant

Henricus Cornelius Agrippa ab Nettesheim:

HENRICI CORNELII | AGRIPPÆ | AB NETTESHEYM, | DE INCERTITVDINE ET | vanitate scientiarum declama-|tio inuectiua, ex postre-|ma Authoris reco-|gnitione.

Köln: Theodor Baum, 1584.

Duodecimo. 122 x 74 mm. [622], [2]w. Seiten. Lagenkollation: A-Z12, Aa-Cc12 (fol. Cc12 weiß). ❦ Werden nach den Formatangaben Maße in Millimetern genannt, beziehen sich diese auf die Blattgrößen, Höhe vor Breite, i. A. gemessen in den Buchblockmitten. Mit dem ovalen Holzschnittportrait Agrippas auf dem Titel.

Leinwandband um 1950, überzogen mit Manuskriptpergament von 1635. Titel von alter Hand auf Schnitt kalligraphiert.

Agrippa von Nettesheim (1486-1535), ein Anhänger des Neoplatonismus, der Kabbala und Magie, verteidigte in seiner Schrift ‚De occulta philosophia’ diese Ansichten, um sich im vorliegenden Werk skeptisch darüber zu äußern und den Wert menschlichen Strebens und Forschens allgemein als nichtig zu beurteilen: „In seiner ersten Schrift lehrt er die Schöpfung der Welt aus dem Nichts gemäß den göttlichen Ideen. Die Namen Gottes sind die von ihm ausgehenden Strahlen (‚Sephiroth’ der Kabbala). Es gibt drei Welten: das Elementarreich, die Welt der Gestirne und die intelligible Engelswelt. Eine allgemeine Sympathie verbindet alle Welten und Dinge und darauf beruht die Magie. Eine Weltseele (‚spiritus mundi’) wirkt in den Dingen. Der Mensch besteht aus Seele, Lebensgeist und Leib; die Seele besitzt einen Ätherleib und wirkt im ganzen Körper. Die Magie, welche die verborgenen Kräfte der Dinge erkennt, ist die höchste Wissenschaft.“ (Rudolf Eisler: Philosophen-Lexikon, p. 38) – Diese Topoi werden in ‚De incertitudine’ wieder aufgegriffen und vom Ansatz her der Kritik unterworfen: eine der radikalsten Verneinungen menschlichen Tuns, geordnet nach Wissenschaften, Künsten und Sitten.

Eine Marginalie mit hebräischen Buchstaben auf fol. B12 verso, anfangs wasserrandig, sonst schwächer wasserrandig, papierbedingt leicht gebräunt. Selten.

BM STC 11 – Adams A383 nur gleich kollationierende Ausgabe 1575 – cf. Ziegenfuß I,11 – Bibliographien.

 

Die „De occulta philosophia libri tres“ besaß ich nur mehrmals in der reichbebilderten Grazer Ausgabe der Akademischen Druck- und Verlagsanstalt, 1967, eine Fundgrube unnützen Wissenschaos. Leider blieb auch Agrippas Kritik menschlichen Forschungsstrebens folgenlos, die Ignoranten erfinden weiterhin Gegenstände, deren Nutzen und Folgen sie nicht überschauen.