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Francesco Colonna: Hypnerotomachia Polifili

 

Francesco Colonna: Hypnerotomachia Polifili. Textkritische Ausgabe

 

Francesco Colonna: Hypnerotomachia Polifili. Textkritische Ausgabe

 

„Ut merito dici possit amor nodus perpetutis et copula mundi partiumque eius immobile substentaculum ac firmum totius machine fundamentum.“

Francesco Colonna:

Hypnerotomachia Polifili. Edizione critica e commento a cura di Giovanni Pozzi e Lucia A. Ciapponi. [2 Bände:] Testo. Commento.

Verona: Stamperia Valdonega für Padua: Editrice Antenore, 1963.

Quarto. ca. 325 × 215 mm. Mit allen Illustrationen des Originaldruckes sowie Vergleichabbildungen in Band zwei.

Original-Leinwandbände mit goldgeprägten Rückentiteln, Kopfgoldschnitt, vorn und unten unbeschnitten.

Druck der Stamperia Valdonega nach den Anweisungen Hans Mardersteigs auf Carta ventura de Cernobbio; Band 1 in Polifilo, Band 2 in Bembo gesetzt. Es wurden insgesamt nur 1300 Exemplare hergestellt, davon waren 600 nicht für den Handel bestimmt, wovon dies Nr. 270.
¶ Ein Neusatz, kein Faksimile, von unvergleichlicher Schönheit in Proportion und Gestaltung, und zugleich eine textkritische Ausgabe mit ausführlichem Kommentar in Band 2 sowie allen Holzschnittabbildungen der Erstausgabe des Inkunabeldruckes bei Aldus in Band 1.

Einbände etwas fleckig und an den Kanten wie stets leicht berieben. – Schönes, dekoratives Exemplar.

First critical edition. Two volumes, text and commentary. Original cloth, spines gilt with title, upper edges gilt. Bindings slightly rubbed and stained, else fine.

Erste kritische Ausgabe.

 

Einer meiner Professoren an der Freien Universität Berlin, Gerhard Goebel, Übersetzer von Pierre Klossowski, Le Baphomet, hatte diese kritische Ausgabe gelesen, sonst wohl einer der in der Gegenwart am wenigsten beachteten Romane europäischer Literatur; ich selbst habe mich mit Joscelyn Godwins englischer, wohlillustrierter Übersetzung zufriedengegeben.

Sie schreibt: “Poliphilo’s dream of mental strife in the pursuit of love transports him to a pagan and polytheistic world. Sin has not yet entered in there, much less been linked to sex. The reason for Poliphilo’s anguish is that his own tutelary divinities are Cupid and Venus, whereas Polia, with whom he has fallen in love, begins as a chaste votary of the goddess Diana. When Polia transfers her allegiance to the same goddess as he, his battle is won, and the rest of his dream is unmitigated delight. There are few passages of the book that are not to some degree erotic, ...” (Joscelyn Godwin: Hypnerotomachia Polifili. The Strife of Love in a Dream. London: Thames & Hudson, 2003. p. vii)

Aber: “The Hypnerotomachia is like a bible of this heretic religion, which used the prestige of classical learning to excuse its indulgence in eroticism and the celebration of an unfallen Nature.” (p. xvii) Solche Hieroglyphik der Renaissance enthält „eine reizvoll-verworrene Mischung aus agyptischer Bilderschrift und pythagoreischer Symbolik, antiker Mythologie und kabbalistischer Zahlenmystik, alttestamentlichen Motiven und mittelalterlicher Allegorese“ (Arthur Henkel & Albrecht Schöne: Emblemata. Handbuch zur Sinnbildkunst des XVI. und XVII. Jahrhunderts. Stuttgart: Metzler, 1976. p. XI)

Diese Zusammenhänge waren den Renaissanceautoren bewußt, so lautet der Titel einer französischen Übersetzung: Le Tableau des riches inventions Couvertes du voile des feintes Amoureuses, qui sont representees dans le Songe de Poliphile Desvoilees des ombres du Songe, & subtilement exposees Par Beroalde. Paris: Matthieu Guillemot, 1600. — Die Welt erschloß sich demnach in Träumen, Symbolen, Hieroglyphen und Bildern, der Text folgte später und fließt quasi begleitend wie erstmals im Druck der Aldus-Ausgabe oder dieser kritischen um diese, respektive formt sich selbst als Bild, τεχνοπαíγνια, carmen figuratum.

Und diese Bilder benötigen Interpretation auf mehreren Ebenen: „The woodcuts of the Hypnerotomachia alone show more than eighty variations of festina lente, each one of them giving a new twist to the theme. Some of the designs are frankly comical, like the image of the elefants turning into ants, and of the ants into elefants, which demonstrates, on the authority of Sallust X, vi, a discordia concors between maximum and minimum. Others are solemn, for example the obelisk of three facets, which bears triadic images and inscriptions relating the Holy Trinity to the three parts of Time. Still others are puzzles for the eye ...“ (Edgar Wind: Pagan Mysteries in the Renaissance. New and enlarged edition. London: Faber and Faber, 1968. p. 103) — Es handelt sich also um eine komplexere als die gewöhnliche Sprache, die mehrschichtiges, bezugreiches Denken voraussetzt.

Die obigen Abbildungen zeigen den Holzschnitt auf fol. a3v zum ersten Kapitel, offensichtlich eine bildliche Anspielung auf die ersten Verse von Dantes Divina Comedia, die andere den häufig unterdrückten oder übermalten Holzschnitt auf fol. m6r.

Eine lesenswerte Schrift zur Originalausgabe von 1499: The Dream of Poliphilo. A talk by Robin Raybould at the Grolier Club on 9/30/2010.
Das obige Zitat stammt aus Marsilio Ficino: In Convivium, III, iii: „Somit mag die Liebe mit Recht als einigendes, beständiges Band der Welt, aller ihrer Teile unerschütterliche Stütze sowie dauerhaftes Fundament des gesamten Werkes bezeichnet werden.“

Elektronische Faksimiles der Erstausgabe führt der ISTC ic00767000 an. Ein befreundeter Sammler stellte mir freundlicherweise ein Photo seines Exemplars der späteren Aldus-Ausgabe zur Verfügung:

Colonna: Hypnerotomachia 1545
 

 

Titelaufnahmen aus Katalog 7:

GIOVANNI POZZI | FRANCESCO COLONNA UND | ALDO MANUZIO | Bild aus der Hypnerotomachia | SETZMASCHINEN-FABRIK MONOTYPE GESELLSCHAFT m. b. H. | FRANKFURT AM MAIN UND BERLIN-NEUKÖLLN | MCMLXII.
Frankfurt/Berlin: Monotype, 1962.
Octavo. 230 × 153 mm. [1] w.Bl., [1] Bl., Ss. 5-35, [1] Bl., [1] w.Bl.
Rot und schwarz bedruckter Original-Umschlag aus grau-braunem Maschinenbüttenkarton.

Diese Veröffentlichung ging der kritischen Ausgabe der Hypnerotomachia Poliphili voraus und erschien gleichzeitig in deutscher, französischer und italienischer Sprache, wobei die deutsche Übersetzung von Ricarda Liver rührt. Gedruckt in der Monotype Polophilus-Antiqua und der Blado-Kursive auf Maschinenbütten.

THE | STRIFE OF LOUE IN A DREAM | BEING | THE ELIZABETHAN VERSION | OF THE FIRST BOOK OF THE | HYPNEROTOMACHIA | OF | FRANCESCO COLONNA | A NEW EDITION | BY | ANDREW LANG, M.A. | Signet | LONDON | PUBLISHED BY DAVID NUTT IN THE STRAND | MCCCCXC.
Kolophon S. (249): Signet, dann: CHISWICK PRESS:-C. WHITTINGHAM AND CO., | TOOKS COURT, CHANCERY LANE.

London: Nutt, 1890.
Quarto. ca. 264 × 175 mm. [2] Bll., Ss. v-xvii; [4] Bll., 248 Ss.; [1] Bl.
Original-Pappband mit Rückentitel und Titel auf dem Vorderdeckel in Mattgoldprägung.

Neudruck der einzigen englischen Übertragung aus dem Jahre 1592, die nur den ersten Teil der Hypnerotomachia umfaßte, hier jedoch um die Holzschnitten der italienischen Originalausgabe vermehrt; anderes ist in englischer Übersetzung bislang nicht erschienen. - Von der Chiswick Press auf Bütten mit ihrem Wasserzeichen gedruckt. Auf dem Verso des Vortitels: “Five hundred copies of this Edition are printed”.

HYPNEROTOMACHIE, | OV || Discours du songe | DE POLIPHILE, | Déduisant comme Amour le combat | à l’occasion de Polia. | Traduit de langage italien en français | par Jean Martin et Jacques | Gohorry, et decoré de des-|sins de Mantegna | Graves sur bois par Jean Cousin et | Jean Goujon. | PUBLIE par Bertrand Guégan, d’après | l’édition Kerver. [1546] || PAYOT, PARIS.
Kolophon S. (321): Justification du Tirage | CE VOLUME A ETE ACHEVE D’IMPRIMER LE | mardi XXII juin MCMXXVI, sur les presses des Artisans | Imprimeurs. L’impression a été dirigée par Fernand Lefèvre, | l’exécution des gravures par Serge Czerefkow. Le tirage est limité | à mille trois cent trente-cinq exemplaires dont trente cinq sur papier impérial | du Japon chiffrés de I à XXXV et mille trois cents sur papier | Hollande vergé de Rives chiffrés de 1 à 1300. Il a été tiré en outre | vingt-cinq exemplaires hors commerce numérotés de A à Z. || Le present exemplaire est chiffré: | 1172.

Paris: Payot, 1926.
Quarto. 232 × 180 mm. [1] w.Bl., [3] Bll.; 311 Ss.; [5] Bll., [1] w.Bl.
Dunkelblaues Halbmaroquin auf acht echten Bünden und Holzdeckeln. Handgestochene Kapitale in hellbrauner Seide, Schnitt hellbraun gesprenkelt.

Eins von 1300 Exemplaren auf Rives-Bütten, Gesamtauflage 1360. Der Text der Hypnerotomachia liegt hier komplett auf Französisch vor.

HYPNEROTOMACHIA | POLIPHILI | Venice 1499 || Francesco Colonna || Garland Publishing, Inc., New York & London | (Signet) | 1976.
New York: Garland, 1976.
Quarto. 254 × 177 mm. [3] Bll.; [234] Bll. (Faksimile).
Originalleinwand mit Silberprägung auf dem Rücken.

Der etwas verkleinerte Nachdruck folgt dem Exemplar der Bodleian Bibliothek. Erster Band der Reihe “The Renaissance and the Gods”.
 

 

Die Stamperia Valdonega wurde 1948 von Giovanni Mardersteig gegründet. Sie nahm ihre Geschäftstätigkeit basierend auf den Erfahrungen der 1922 in Lugano entstandenen Officina Bodoni im Stadtteil Valdonega von Verona auf. Zuvor hatte Mardersteig Aufträge, die er gestaltete, bei Mondadori in Verona drucken lassen. In der neuen Firma installierte er zusammen mit seinem technischen Leiter Walter Leonhardt aus Leipzig eine Handsetzerei, sowie eine Monotype-Setz- und Buchdruckmaschine, später folgten zwei Einfarben-Offsetmaschinen. 1952 wurde das Werk erweitert und Verträge mit großen Verlagen abgeschlossen: Riccardo Ricciardi, Editrice Antenore, Adelphi, Sansoni, im Ausland Collins Publishers, Folio Society, Tauchnitz Edition, Hoffmann & Campe, Hanser Verlag, Propylän Verlag, Limited Editions Club und New Directions. Sein Sohn Martino trat 1968 in die Stamperia ein und übernahm 1977 nach dem Tod seines Vaters sowohl diese wie auch die Officina Bodoni. Bis 1990 befanden sich drei Monotype-Setz- und drei Johannisberger Buchdruckmaschinen regelmäßig im Einsatz. 1984 widmete das New Yorker Metropolitan Museum der Firma eine bedeutende Ausstellung: The Mardersteig’s Work in the Stamperia Valdonega; 1991 organisiert der Grolier Club eine weitere. 1995 bis 1996 wurde das Unternehmen nach Arbizzano in einem größeren und funktionaleren Betrieb verlegt. Auf der einen Seite kam dort der spezialisierte Textsatz insbesondere durch die digitalisierten Typen der Valdonega Aesthetic Line (VAL) zur Geltung, dies umfaßte die Schrifttypen Dante, Baskerville, Bembo, Bodoni, Centaur, Garamond, Garamond Simoncini, Gill Sans, Impressum, Janson, Times, Van Dijck und Greco; auf der anderen konzentrierte man sich nicht nur darauf, Faksimiles und Kunstbücher in kleinen, sondern auch Kataloge in größeren Auflagen herzustellen. Anfang 2007 wurde die Stamperia Valdonega von der SIZ-Gruppe übernommen, um deren Angebot auf dem Markt für hochwertigen Buchdruck zu stärken. Seit Anfang 2008 stehen sowohl die Buchdruckpressen der Stamperia wie die Handpressen der Officina still.