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Dante Alighieri: Le terze rime

 

Dante Alighieri: Le terze rime, 1502

 

Dante Alighieri: Le terze rime, 1502

 

Hölle u. a.

Dante Alighieri:

LE TERZE RIME | DI DANTE.
Verso: LO’NFERNO E’L PVRGATORIO | E’L PARADISO | DI DANTE ALAGHIERI.
Kolophon fol. H4r: VENETIIS IN ɅEDIB. ALDI. | ACCVRATISSIME. | MEN. AVG. | M. DII. || Cautum est ne quis hunc ímpune ímprimat, | uendát ue librum nobís inuitıs. Verso Signet 2.

Venedig: Aldus Manutius, 1502.

Oktavo. 159,5 x 95 mm. [244] Bll. (Mit dem weißen Blatt l2!) – Lagenkollation: a-z8, A-G8, H4. ❦ Werden nach den Formatangaben Maße in Millimetern genannt, beziehen sich diese auf die Blattgrößen, Höhe vor Breite, i. A. gemessen in den Buchblockmitten.
Inhalt: fol. a1r: Titel — fol. a1v: Inhalt — fol. a2r: Dante Alighieri: Inferno — fol. l2: weiß — fol. l3r: Dante Alighieri: Purgatorio — fol. x3v: weiß — fol. x4r: Dante Alighieri: Paradiso — fol. H4r: Kolophon — fol. H4v: Signet.

Karmesinrotes, etwas geglättetes italienisches oder französisches Maroquin des 19. Jh. auf fünf Bünden im Stile Lortics mit Titel und Verfasser im zweiten, Drucker und Jahr im dritten Feld in Goldprägung. Die Rückenfelder mit je einem Rahmen aus blindgeprägten Doppellinien; die Deckel mit ebensolchen Randrahmen. Stehkantenvergoldung aus einer feinen Doppellinie, Innenkantenvergoldung. Handgestochene Kapitale in grün/rosé/weißer Seide; grünes Lesebändchen. Goldschnitt auf Marmor. Die Spiegel intarsiert mit rotem Maroquin und reicher Vergoldung aus einem wiederholten ornamentalen Stempel miteinander verschlungener Doppellinien. Fliegende Blätter aus Marmorpapier.

Renouard: « Premiere edition de Dante en un format portatif, toutes celles du quinzieme siècle étant in-fol. Elle a été faite sur un manuscrit communique à Alde par P. Bembo, de qui il avoit eu pareillement ceux qui lui avoient servi, en 1501, pour Pétrarque. » - Die Auffassung, hier sei zum ersten Male die Aldinische Druckermarke verwendet worden, ist heute als irrig erkannt; jedenfalls ist ein Teil ohne den Anker gedruckt, ein anderer, zu dem dies Exemplar gehört, mit dem umgedrehten V im Kolophon trägt verso das Signet. Cf. Fletcher: New Aldine Studies, p. 45 für eine weitere in der Literatur angeführte Signetvariante. - Den meisten in den letzten Jahren in Erscheinung getretenen Exemplaren ist das fehlende Titelblatt gemein, das dem Handschriften und lncunabeln gewohnten Leser damaliger Zeit wohl als unnütz erschien und entfernt wurde.
¶ „Dantes Göttliche Komödie hätte zu keiner anderen Zeit geschrieben werden können als zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Es war dies seinem inneren Wesen nach ein Zeitalter der Freiheit, kühn in Gedanken und Rede, die in Versen auszudrücken damals ganz natürlich war. Dem fügte Dante eine gründliche Kenntnis des gelehrten Wissens seiner Zeit hinzu, er war selber ein profunder und originaler politischer Denker, dessen ideale dem Hader und den Fehden, welche Italien zerrissen, vorauseilten, wenngleich wir gerade diesen sein größtes Werk verdanken. (...) Dantes Thema, das größte, an dem sich Dichtkunst je versuchte, war, den christlichen Kosmos mittels der Allegorie einer Pilgerfahrt zu erklären und zu rechtfertigen. (...) Die Kühnheit seines Themas, seine gelungene Durchführung, die Schönheit und Erhabenheit seiner Verse haben bewirkt, daß das Gedicht zu keiner Zeit seinen Ruf verlor. Das Bild der göttlichen Gerechtigkeit ist völlig ungetrübt durch Dantes eigene politische Vorurteile, und seine Sprache bleibt nirgends hinter dem, was er schildert, zurück.“ (Carter/Muir)
¶ Selbst für eine Aldine ist die Schönheit von Typographie, Gestaltung und Druck außergewöhnlich. Gebunden in einen Meistereinband des neunzehnten Jahrhunderts.

Einband minimal fleckig. Vorderes fliegendes BIatt etwas berieben. Innen das Titelblatt recto und verso auf altem Papier unauffällig und sehr gekonnt, nur erkenntlich durch die andere Laufrichtung des Papiers, faksimiliert; Buchblock bis auf wenige Fleckchen frisch und breitrandig mit sehr angenehmen Seitenverhältnissen. Provenienz: Exlibris auf vorderem fliegendem BIatt verso: „Ex Libris Renato Rabaiotti“; sowie ein kleiner Sammlerstempel.

Renouard 34,5 – Adams D 83 (diese Variante) – Ebert 5694 („Selten, gesucht...“) – De Bure 3329 (« Ces deux éditions [1502 et 1515], données par les Aldes, sont fort estimées des Curieux, qui recherchent cependant davantage la premiere; aussi est-elle plus rare que l’autre. ») – Brunet II,500 sq. – Graesse II,329 – Gamba 385 – De Battiner I,60-62 – Biagi 23 sq. – Goldsmid I,43 – Mambelli I7 – Dibdin, Companion 752 sq. (“Get the first Aldine edition of 1502 - upon vellum, if you can: ...”) – Fock, Kat. 1933, p. 14 („... von großer Seltenheit“) mit einem schlechten Exemplar – BM STC ital 209 – Carter/Muir N° 8.
Die Abbildungen stammen aus Katalog 7, wurden bearbeitet und geben nicht den originalen Zustand wieder.

 

Ein Berliner „Kunde“ bot mir im Austausch einen nicht mehr völlig wohlerhaltenen (ich untertreibe) Folioband aus der Zeit des Paulus Manutius an, Geld war ihm dieses hervorragende Exemplar wohl nicht wert. Ein italienischer Antiquar erwarb es wenig später.

„Und da die Sprache auf keine andere Art ein nothwendiges Werkzeug für unsere Vorstellung ist als das Pferd für den Krieger, und den besten Kriegern die besten Pferde zukommen, so wird den besten Vorstellungen, wie gesagt ist, die beste Sprache zukommen; aber die besten Vorstellungen können nur die sein, wo Wissenschaft und Fähigkeit ist; also kommt die beste Sprache nur Denen zu, welche Fähigkeit und Wissenschaft besitzen; und so kommt nicht allen Versemachern die beste Sprache zu, da Viele ohne Wissenschaft und Fähigkeit Verse machen, und folglich auch nicht die erlauchte Volkssprache. Daher, wenn sie nicht Allen zukommt, dürfen sich nicht Alle derselben bedienen, weil Keiner ungeziemend handeln darf. Und wenn gesagt wird, daß Jeder seine Verse schmücken muß, so viel er kann, so bezeugen wir, daß dies wahr sei; aber wir werden weder einen gesattelten Ochsen noch ein gegürtetes Schwein geschmückt nennen, vielmehr es als verhäßlicht verlachen; denn Schmuck heißt Zusatz von etwas Geziemendem. Wenn nun gesagt wird, daß Höheres, dem Niederen zugemischt, einen Gewinn herbeiführe, so sagen wir, daß dies wahr ist, sofern keine Sonderung stattfindet, zum Beispiel, wenn wir Gold mit Silber verschmelzen; aber wenn eine Sonderung bleibt, so verliert das Niedere, zum Beispiel, wenn schöne Frauen zu häßlichen hinzukommen. Wenn daher die Meinung der Versemacher, vermischt mit den Worten, immer gesondert bleibt, so wird sie, sofern sie nicht sehr gut ist, vereinigt mit der besten Volkssprache, nicht besser, sondern schlechter erscheinen, wie eine häßliche Frau, wenn sie sich in Gold und Seide kleidet.
Nachdem wir gezeigt haben, daß nicht alle Versemacher, sondern nur die ausgezeichnetsten, sich der erlauchten Volkssprache bedienen dürfen, folgt nun zu zeigen, ob Alles darin zu behandeln sei oder nicht; und wenn nicht Alles, zu zeigen, was derselben gesonderterweise würdig sei.“ — Dante Alighieri: Über die Volkssprache. (De vulgari eloquentia.) Übersetzt von Karl Ludwig Kannegießer. Leipzig: F. A. Brockhaus, 1845. II,i & ii.

Wie eine Abbildung zu den ersten Versen der Divina Commedia erscheint uns noch heute dieser Holzschnitt auf fol. a3v zum ersten Kapitel von Francesco Colonna: Hypnerotomachia Polifili. Sicherlich war dies beabsichtigt, nicht um dadurch auf eine gleiche Werkintention hinzudeuten, eher um die Unterschiede bei Reise und Ziel zu betonen.