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Marcus Welser: Inscriptiones antiquae Augustae Vindelicorum

Die Hauptbedeutung Welsers beruht in seinen Leistungen auf dem Gebiete der Geschichtschreibung und Alterthumsforschung

Marcus Welser:

INSCRIPTIONES | ANTIQVAE | AVGVSTAE | VINDELICORVM. || Duplo auctiores quam antea editae, & | in tres partes tributae. || Cum notis | MARCI VELSERI | Matthaei F. Aug. Vind. || Signet || CVM PRIVILEGIO. | VENETIIS, M. D. XC. | Apud Aldum.

Venedig: Aldus II Manutius, 1590.

Quarto. 200 × 146 mm. [2] Bll., Bll. 3-42, [2] Bll. (Addenda, Corrigenda & „Libri de stampa d'Aldo, che si trouano | al presente.“). – Lagenkollation: A-L4.

Mit Kleisterpapier bezogener Pappband des späten 19. Jh. Alter Goldschnitt.

Marcus Welser (1558-1614) war von Herzog Maximilian mit der Abfassung einer bayerischen Geschichte beauftragt worden, wofür er pro Jahr 300 Gulden erhielt, cf. J. M. v. Welser: „Die Welser“, zwei Bände, 1917. 1594 erschien bei Aldus auch sein Werk „Rerum Augustanar. Vindelicar. l. octo“. - Cf. ADB XLI,687.

Titelblatt und letztes am Rand leicht fleckig, kleiner durchgehender Wurmgang im inneren weißen Rand unten.

Renouard 246,11 - Adams A 2151 - BM STC ital 714.
Die Abbildungen stammen aus meinem Katalog Nr. 7 und geben nicht den Originalzustand wieder!

 

Marcus Welser ist der Sohn des eben genannten Matthäus W., der seit 1550 mit Anna Bimlin vermählt war (s. der beiden Grabschrift bei Prasch, Epit. Aug. I, 88). Er ist von allen Mitgliedern seiner Familie, welche die gelehrte Laufbahn einschlugen, weitaus der bedeutendste und der berühmteste. Er wurde geboren zu Augsburg am 20. Juni 1558, begab sich in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre zu seiner wissenschaftlichen Ausbildung nach Italien, wo ihn in Rom namentlich der bekannte Muret anregte. Reich ausgestattet mit Kenntnissen in den verschiedenen Zweigen der Alterthumswissenschaften, kehrte er in die Heimath zurück; im J. 1583 vermählte er sich mit Anna Mayin, kam im J. 1584 in das Stadtgericht, im J. 1592 in den äußeren Rath, wurde im J. 1594 Bürgermeister, im J. 1598 Mitglied des geheimen Rathes und endlich im J. 1600 Stadtpfleger, womit er die höchste Staffel der städtischen Ehrenämter erreicht hatte. Er bekleidete diese Stelle bis zu seinem Tode, der am 23. Juni 1614 erfolgte. Er ist bestattet in der Kirche von St. Maria Magdalena (s. die Grabschrift bei Prasch, Epit. Aug. I, 323). Seine religiöse Gesinnung war eine streng katholische und dieser entsprechend auch seine politische Haltung, die er in seinen einflußreichen städtischen Aemtern einnahm. Die Hauptbedeutung Welser’s als Gelehrten beruht in seinen Leistungen auf dem Gebiete der Geschichtschreibung und Alterthumsforschung, von denen hier selbstverständlich nur die wichtigsten herausgehoben werden können. Im J. 1590 erschienen die „Inscriptiones antique Augustae Vindelicorum, duplo auctiores quam antea, editae et in tres partes tributae, cum notis Marci Velseri Matthaei F.“ Aug. Vind. In 4to. Venetiis, apud Aldum. [In neuer Ausgabe fügte er diese Inscriptiones den im J. 1594 erschienenen noch zu besprechenden „Rerum Augustanarum comment. libris VIII“ an mit dem Titel „Antiqua, quae Augustae Vindelicorum extant, Monumenta“. (S. über den Zusammenhang dieser Arbeiten mit denen Peutinger’s auf dem gleichen Gebiete Veith, Bibl. Aug. II, 201.) Schon im nächsten Jahre erschien eine deutsche Uebersetzung der Inscriptiones unter dem Titel „Antiqua Monumenta, Das ist, Alte Bilder, Gemälde und Schriften etc. Durch Den Edlen vnnd Ehrnvesten H. Marx Welsern etc. erstlich in Latein beschrieben: Jetzund aber derselben Burgerschafft zu Ehren vnd sonderm gefallen durch Engelbertum Wielichium (Engelbert Werlich), der Historien Liebhabern, in vnser teutsche Spraach gebracht.“ Getruckt zu Franckfort am Mayn. Angehängt ist diese Uebersetzung des Welserschen Werkes einer in deutscher Sprache herausgegebenen „Chronica Der Weitberuempten Keyserlichen Statt Augspurg in Schwaben etc. Getruckt zu Franckfurt am Mayn 1595“, die, aus drei Theilen bestehend, im ersten Theile eine Uebersetzung der schon genannten „Rer. Aug. Vind. libri VIII“ durch Engelb. Werlich, im zweiten und dritten Theile eine Verdeutschung der Gasserschen Annales civitatis ac reipublicae Augsburgensis von Wolfgang Hartmann enthält. (S. hierzu den Artikel Gasser im VIII. Bande dieses Werkes, S. 397 und Frensdorff in der Einl. zu den Augsb. Chron. in St.-Chron. IV, XLV.)] – Im nächsten Jahre (1591) veröffentlichte W. eine Copie der sog. Tabulae Peutingeriana, die er in Peutinger’s Bibliothek gefunden hatte, unter dem Titel „Fragmenta Tabulae antiquae, in quis aliquot per Romanas provincias itinera.“ Im J. 1598 erschien unter seinen Auspicien die Ausgabe des unterdessen gefundenen Originals, das nun in mehrere Werke überging, auch in die unten anzuführende Gesammtausgabe der Welser’schen Werke. Drei Jahre später, im J. 1594, erschienen Welser’s schon genannte „Rerum Augustanarum libri octo.“ In folio. Venetiis (s. über die deutsche Uebersetzung das oben bei Erwähnung der Inscriptiones etc. gesagte). Die Arbeit, auf einer ungemein ausgebreiteten und gründlichen Kenntniß aller einschlägigen Quellen beruhend, ist als eine der besten dieser Art zu bezeichnen, reicht aber leider nur bis zum Jahre 552. Als sein Hauptwerk erscheinen seine „Rerum Boicarum Libri quinque, Historiam a Gentis origine ad Carolum M. complexi. In 4to. Augustae Vindelicorum. Ad insigne pinus 1602.“ Der Veranlasser dieses Werkes war der Kurfürst Maximilian von Baiern, der dem Autor einen stattlichen Jahresgehalt auswarf, ihm die Bibliotheken und Archive des Landes öffnete und das Fortschreiten der Arbeit mit größtem persönlichen Interesse verfolgte. Das Werk reicht bis zum Sturze Thassilo’s und zeigt alle Vorzüge der Welser’schen Geschichtsschreibung im besten Lichte: Hervorragende Quellenkunde, eine zu seiner Zeit seltene Befähigung zu echter Kritik und ansprechende Gewandtheit in der Form. Auch diese Arbeit Welser’s wurde ins Deutsche übertragen, und zwar von seinem Bruder Paulus, von dem noch die Rede sein wird. Später stellte unser Autor noch ein sechstes Buch, bis zum Jahre 844 reichend, fertig, das der von Lippert im J. 1777 veranstalteten neuen Ausgabe der ersten fünf Bücher beigefügt wurde (s. den vollen Titel bei Veith, „Bibl. Aug. II“, 219). Ein siebentes Buch, das W. geschrieben haben soll, ist bis zur Zeit verschollen. Die Schwierigkeit bei den ihm von seinem Auftraggeber besonders ans Herz gelegten Untersuchungen über den Ursprung des Wittelbachischen Geschlechtes und den vermutheten Zusammenhang desselben mit den Karolingern verzögerten die Fortführung des Werkes, so daß es unvollendet blieb. – Eine andere Reihe seiner Arbeiten befaßt sich mit der Geschichte der Martyrer Augsburgs und anderer Heiliger, und aus diesen ist besonders die Biographie des hl. Ulrich hervorzuheben. Auch in der Behandlung solcher Stoffe zeigt er sich als den kritischen, geschulten Historiker, „der“, wie Wegele sich ausdrückt, „nicht zufällig seinen Fleiß auf solche Gegenstände wendete“. – Außerdem erschien, theils unter seinsr Mitwirkung, theils auf seine Veranlassung eine größere Anzahl lateinischer und griechischer Schriftwerke im Druck, zu deren Herstellung er im Verein mit seinen Brüdern auf Anregung des berühmten David Höschel eine eigene Druckerei, nach dem Fichtenzapfen auf dem Titelblatte „Ad insigne pinus“ genannt, begründete. Die aus dieser Officin hervorgehenden Erzeugnisse zeichneten sich durch besonders schöne Ausstattung, gutes Papier und feine Typen aus. Auch die von W. herausgegebene lateinische Fassung des im Mittelalter sehr weit verbreiteten Romans „Geschichte des Apollonius, Königs von Tyrus“, kam unter dem Titel „Narratio eorum, quae contigerunt Apollonio Tyrio, ex membranis vetustis“, Aug. Vind. 1595, aus dieser Druckerei. – Auch sonst war Marcus in jeder Weise bemüht, wissenschaftliche Bestrebungen mit Rath und That zu fördern; seine antiquarischen Sammlungen und seine vortreffliche Bibliothek standen jedem, der sich an ihn wandte, offen; die Bibliothek seiner Vaterstadt vermehrte er um manches werthvolle Werk, wie auch nach seinem Tode ein großer Theil seiner eigenen Büchersammlung derselben zufiel. Das Ansehen, dessen sich W. theils wegen seiner Gelehrsamkeit, theils wegen seines Mäcenatenthums bei den Zeitgenossen erfreute, war denn auch ein überaus großes, wie das ihm von dem bairischen Hofe entgegengebrachte Vertrauen, sein Briefwechsel mit den bedeutendsten Größen der Wissenschaft in Deutschland und Italien und die große Anzahl zum Theil recht überschwänglicher Verherrlichungen seiner Person bezeugen. Leider waren die letzten Lebensjahre des ausgezeichneten Gelehrten keine glücklichen. Er hatte die für seine wissenschaftlichen Neigungen und Bestrebungen ihm zu Gebote stehenden materiellen Mittel überschätzt und gerieth schließlich in ziemlich mißliche Verhältnisse; von seinen Brüdern, von denen zwei Inhaber der einst so mächtigen Welser’schen Firma waren, hatte er nichts mehr zu hoffen, denn der Fall des Hauses stand unmittelbar bevor; kaum hatte er die Augen geschlossen, brach es zusammen. — Friedrich Roth in: Allgemeine Deutsche Biographie, 1896, Band 41. pp. 687-689.