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Ordnung für sämmtliche Städte der Preußischen Monarchie

 

Abbildung zu Ordnung für sämmtliche Städte der Preußischen Monarchie

 

Anonym / Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein u. a.:

Ordnung für sämmtliche Städte der Preußischen Monarchie. Nebst Instruktion Behufs der Geschäftsführung der Stadtverordneten bei ihren ordnungsmäßigen Versammlungen. d. d. Königsberg den 19ten November 1808.

Berlin: "gedruckt bei G. Decker, Königl. Geh. Oberhofbuchdrucker", [1808].

Octavo. 187 x 106 mm. 72 Seiten. ❦ Werden nach den Formatangaben Maße in Millimetern genannt, beziehen sich diese auf die Blattgrößen, Höhe vor Breite, i. A. gemessen in den Buchblockmitten.

Mit einem heraldischen Holzschnitt auf Seite 3. Späterer Pappeinband bezogen mit hellblauem Papier, Reste eines handschriftlichen Rückenschildes; mattblaue Originalumschläge miteingebunden. ❦ Werden innerhalb der Einbandbeschreibungen die Einbandgrößen angeführt, so steht Höhe vor Breite vor Dicke.
An dieser Stelle befindliche bibliographische Angaben beziehen sich auf den Buchbinder bzw. den Einband.

Erste Ausgabe. Die Textfassung der Preußischen Städteordnung wird u. a. dem Königsberger Polizeidirektor Johann Gottfried Frey (1762-1831) zugeschrieben, weitere Mitarbeiter waren Heinrich Theodor von Schön (1773-1856), Wilckens und Vinke. Steins herausragende Maßnahmen als leitender Minister in Preußen sind die sogenannte Bauernbefreiung und die Preußische Städteordnung von 1808, letztere ist Ausgangspunkt der modernen kommunalen Selbstverwaltung in Deutschland. Um jene Kräfte zu wecken, die durch das Untertanentums zur Passivität verurteilt sind - Stein nennt dies „Belebung des Gemeingeistes und des Bürgertums“ und „Teilnahme der Nation an Gesetzgebung und Verwaltung“ -, sollen von der Bürgerschaft gewählte Stadtverordnete einen Magistrat wählen; das Wahlrecht steht dabei jenen Bürgern zu, die über Grundeigentum bzw. ein Mindesteinkommen verfügen, „ohne alle Beziehung auf Zünfte, Stand, Korporation und Sekte“. Die Städte wurden dazu in Wahlbezirke aufgeteilt. Konstitutive Elemente der Preußischen Städteordnung sind Bürgerschaft, Stadtverordnetenversammlung, Magistrat, Deputationen (Ausschüsse oder Kommissionen), Universalität des gemeindlichen Wirkungskreises und Aufsichtswesen des Staates. Letzterer gibt somit seine bisherige Position, darunter auch die Steuerräte, auf und behält sich nur Justiz, Polizei sowie ein Aufsichtsrecht vor. Den Städten wird bei Steuern, Haushalt, Bau-, Schul-, Kirchen-, Armen- und Gesundheitswesen die Selbstverwaltung zugebilligt. Am 9. November 1808 überreichte Stein den Entwurf König Friedrich Wilhelm III., der am 19. November eine Kabinettsorder an die Minister Stein und Schroetter entließ: „Der Wunsch der Bürgerschaft nach einer gesetzlichen Repräsentation und der Teilnahme an dem städtischen Gemeinwesen ist gewiss allgemein. Beides wird auch den Bürgersinn und Gemeingeist beleben.“

Einbandrücken leicht nachgedunkelt, Kapitale etwas berieben, gedrucktes Exlibris von Bruno Schenck aus der Verlegerfamilie Schenck, den Nachfolgern der Drucker und Verleger Decker, auf vorderem Spiegel, Original-Umschlag etwas stockfleckig; innen im Schriftbild leicht gebräunt. Aus der Bibliothek des Diplomaten und Publizisten Karl August Varnhagen von Ense (1785-1858), mit dessen eigenhändigem Besitzvermerk „Varnhagen“ in Antiquakursiv auf dem Titel.

First edition. Later boards, original blue wrappers bound in, lightly browned. From the library of Karl August Varnhagen von Ense.

 

Dies Buch wurde zuerst von der Angestellten eines New Yorker Antiquars auf einer ‚Liber Berlin‘ erworben, dann von ihrem Chef zurückgesandt mit der Bemerkung, er besitze eine Visitenkarte Varnhagens mit dessen Signatur in deutscher Kanzleischrift, es könne sich also bei diesem Buch nicht um dessen Besitzvermerk handeln. Nur ließ der Herr Ex-Kollege, ein recht berühmter zumal, außer Acht, daß in Berlin ein gutes Teil der Bibliothek Varnhagens lagert, somit der bezweifelte Besitzeintrag sich vor dem Angebot durchaus verifizieren ließ: Varnhagen benutzte für Besitzeinträge erst zumeist die deutsche Kanzleischrift, später häufig die Antiquakursiv, diese dann auch z. B. für handschriftliche Rückenschildchen; der Duktus des Eintrags verweist diese Akquisition in seine späteren Lebensjahre.

Diese kleine Anmerkung zu Überheblichkeit und Unwissenheit mancher Antiquare.