Startseite

Prosper Stellartius: De coronis et tonsuris paganorum, Iudaeorum, ChristianorumAbbildungenDeskriptionAnmerkung

Religiöse Moden — „Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde“

Prosper Stellartius:

DE CORONIS ET TONSVRIS PAGANORVM, IVDÆORVM, CHRISTIANORVM. LIBRI TRES, Ad Lucem Hiſtoriæ Sacrae & Profanæ.

Douai: Balthasar Beller, 1625.

Octavo. 145 × 95 mm. [16], 262, [2 weiße] Seiten. - Lagensignaturen: +8, A-Q8, R4. Mit drei ganzseitigen Kupfern auf den Seiten 92, 95 und 98; zwei Holzschnitten auf den Seiten 257 und 258, zwei gefalteten Tabellen nach Seite 232.

Handgefertigter brauner Kalbledereinband der Zeit mit etwas Blindprägung auf den Deckeln und dem Rücken, Rotschnitt.

Erste Ausgabe. Stellartius, ein niederländischer Augustiner-Mönch und Doktor der Theologie, war Prior des Convents zu Tournay, Visitator der niederländischen Klöster und erster Prior des Klosters zu Douai; er starb 1626, cf. Jöcher IV,804. Beschreibt die antiken Tonsuren und entsprechenden Haartrachten, jene der barbarischen Völker, der Frauen, weitere Bräuche bei den Türken, Mexikanern sowie in Peru. Das zweite Buch behandelt die Entstehung des kirchlichen Brauches aus den israelitischen Sitten; das dritte widmet sich den klerikalen und monastischen Kopfbedeckungen und Tonsuren. Die Tafeln zeigen u. a. einen recht grimmig dreinschauenden Mexikaner, der sich tiefe Schnitte in Arme und Beine beibringt.

Einband leicht berieben, Gelenke berieben, Kapitale und Vorderdeckel mit kleinen restaurierten Fehlstellen. Innen papierbedingt leicht gebräunt, wenig fleckig. Die Kupfer in guten Abdrucken. Selten.

First edition. Contemporary calf, worn, hinges rubbed. Some browning due to quality of paper. The plates illustrate three striking, though rather grim persons, one of whom is a Mexican, dressed in cowhides, about to make deep incisions in his legs and arms. The author was an Augustine monk, later prior at the Tournay convent, visitator to the Low Countries, and finally the first prior of Douai, where he died 1626.

Lipperheide Na5 – Bibliographien.

 

Ein anderes Buch dieses Autors, Augustinomachia id est pro s. Angustino et Augustinianis vindiciae tutelares von 1622, landete auf dem Index der Kirche.
 

„At vero (quod nefas dicere, ne quid sit ullum huius rei tam dirum exemplum) si cuiuslibet eximiae pulcherrimaeque feminae caput capillo spoliaveris et faciem nativa specie nudaveris, licet illa caelo deiecta, [p. 62] mari edita, fluctibus educata—licet, inquam, Venus! ipsa fuerit, licet omni Gratiarum choro stipata et toto Cupidinum populo comitata et balteo suo cincta, cinnama fragrans et balsama rorans, calva processerit, placere non poterit nec Vulcano suo.

Quid cum capillis color gratus et nitor splendidus illucet et contra solis aciem vegetus fulgurat vel placidus renitet, aut in contrariam gratiam variat aspectum, et nunc aurum coruscans in lenem mellis deprimitur umbram, nunc corvina nigredine caeruleos columbarum collis flosculos aemulatur, vel cum guttis Arabicis obunctus et pectinis arguti dente tenui discriminatus et pone versum coactus amatoris oculis occurrens ad instar speculi reddit imaginem gratiorem? Quid cum frequenti subole spissus cumulat verticem vel prolixa serie porrectus dorsa permanat? Tanta denique est capillamenti dignitas, ut quamvis auro, veste, gemmis, omnique cetero mundo exornata mulier incedat, tamen, nisi capillum distinxerit, ornata non possit audire.“ — Apuleius: Metamorphoses, II,viii-ix.

„Allein (Frevel ist’s, es nur zu sagen, und niemals müsse sich ein Beispiel einer so abscheulichen Untat ereignen) entblößet das Haupt des schönsten Mädchens seines Haares, Ihr raubt zugleich auch dem Gesicht all seine Liebenswürdigkeit! Und käme sie von dem Himmel hernieder, wäre sie aus dem Meere geboren und von den Wellen erzogen, ja wäre sie Venus selbst, umtanzt von den drei Huldgöttinnen, gefolgt von dem ganzen Volke der Amoretten, mit ihrem Gürtel geschmückt, duftete sie Zimmet und tröffe von Balsam, ginge aber kahlköpfig einher, – gefallen könnte sie ihrem Vulkane selbst nicht.

Im Gegenteil, was kann bezaubernder sein, als ein Haar von schöner Farbe und blendendem Glanze, das hell in der Sonne blitzt oder nur einen sanften Wiederschein von sich gibt und durch wechselnde Anmut seinen Anblick vervielfältigt; das jetzt wie Gold schimmernd, sanft zur Farbe des Honigs sich verdüstert, jetzt bei Rabenschwärze mit der Täubchen blauspielenden Hälsen wetteifert oder, gesalbt mit arabischem Wohlgeruch, von künstlicher Hand geteilt und glatt zurückgebunden, wie ein Spiegel des gegenüberstehenden Liebhabers Bild verschönert zurückwirft? Was kann man Edleres sehen, als wenn die Fülle desselben, in einem Schopf gewunden, den Scheitel krönt oder ringelnd über den Rücken hinabfließt? Kurz, die Würde des Haares ist so groß, daß, geht eine Schöne auch noch so geschmückt mit Gold, Stoff, Edelgesteinen und allem übrigen Staate und hat nur nicht für die Zierlichkeit ihrer Haare gesorgt, sie deswegen allein von niemand für angeputzt gehalten wird.“ — Übersetzt von August Rode.