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Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling: Bruno oder über das göttliche und natürliche Prinzip der Dinge

Schelling: Bruno oder ueber das goettliche und natuerliche Prinzip der Dinge. München: Rupprecht-Presse, 1928

„Se non è vero, è molto ben trovato.“ — De gli eroici furori, II,iii

Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling:

Bruno oder ueber das goettliche und natuerliche Prinzip der Dinge.

München: Rupprecht-Presse, 1927-28.

Quarto. ca. 264 × 194 mm. [6 weiße], 160, [2], [4 weiße] Seiten.

Handgefertigter Original-Pappeinband, bezogen mit braun gestreiftem Kleisterpapier, Rückenschildchen; vorn und unten unbeschnitten. Originalschuber.

Eins von nur 150 im Druck numerierten Exemplaren. Gesetzt in der Mittel Ehmcke-Elzevir, die hier erstmals in einem Buche der Rupprechtpresse verwandt wurde. Gedruckt im Auftrage von Heinrich Beck unter der Leitung von F. H. Ehmcke auf handgeschöpftes Zanders-Bütten mit dem Wasserzeichen der Presse und „J.W.Z“. Die Elzevier entstand gegen Ende 1924 im Auftrage der Schriftgießerei Ludwig Wagner in Leipzig; 1927 erschien eine Probe.

Rücken wie stets leicht ins Bräunliche verfärbt; innen neuwertig. Sehr schönes Exemplar des seltenen Druckes.

Original boards, uncut, original slipcase. One of 150 numbered copies printed. Spine darkened, otherwise fine.

41. Buch der Rupprechtpresse. Backe 41 – Rodenberg: Nachtrag 60,41 – Schauer II,22. Cf. Jost 39. – BibliographienText.

 

Brunos Bücher zierten den Index Librorum Prohibitorum bis zu dessen Abschaffung 1966.
„Maiori forsan cum timore sententiam in me fertis quam ego accipiam.“
Giordano-Bruno-Stiftung
Giordano Bruno Denkmal

 

Schelling

„BRUNO. Das reine Subjekt-Objekt aber, jenes absolute Erkennen, das absolute Ich, die Form aller Formen, ist der dem Absoluten eingeborne Sohn, gleich ewig mit ihm, nicht verschieden von seinem Wesen, sondern eins. Wer also diesen besitzt, besitzt auch den Vater, nur durch ihn gelangt man zu jenem, und die Lehre, die aus ihm ist, ist dieselbe welche aus jenem.

Jene Indifferenz also im Absoluten, daß nämlich in Ansehung seiner die Idee die Substanz, das Reale schlechthin, die Form auch das Wesen, das Wesen die Form ist, eins von dem andern untrennbar, jedes des andern völlig gleichendes Ebenbild nicht nur, sondern das andere selbst – diese Indifferenz erkennen heißt den absoluten Schwerpunkt und gleichsam jenes Urmetall der Wahrheit erkennen, dessen Stoff alles einzelne Wahre legiert, und ohne welchen nichts wahr ist.

Dieser Schwerpunkt ist derselbe im Idealismus und Realismus, und wenn beide sich entgegengesetzt sind, fehlt es nur an der Erkenntnis oder vollkommenen Darstellung desselben in dem einen oder in beiden.

Was aber die Form der Wissenschaft betrifft, und die Forderung, den gedrungenen Keim jenes Prinzips zur höchsten Entwicklung und bis zur vollkommenen Harmonie mit der Gestalt des Universums auszubilden, von der die Philosophie der getreue Abdruck sein soll, so können wir zu diesem Zweck keine vortrefflichere Regel weder uns selbst noch andern vorschreiben, die wir beständig vor Augen haben, als welche ein Philosoph vor uns in den Worten hinterlassen hat: Um in die tiefsten Geheimnisse der Natur einzudringen, muß man nicht müde werden, den entgegengesetzten und widerstreitenden äußersten Enden der Dinge nachzuforschen; den Punkt der Vereinigung zu finden, ist nicht das Größte, sondern aus demselben auch sein Entgegengesetztes zu entwickeln, dieses ist das eigentliche und tiefste Geheimnis der Kunst.

Diesem folgend werden wir erst in der absoluten Gleichheit des Wesens und der Form die Art erkennen, wie sowohl Endliches als Unendliches aus ihrem Inneren hervorquillt, und das eine notwendig und ewig bei dem andern ist, und wie jener einfache Strahl, der vom Absoluten ausgeht und es selbst ist, in Differenz und Indifferenz, Endliches und Unendliches getrennt erscheine, begreifen, die Art aber der Trennung und der Einheit für jeden Punkt des Universums genau bestimmen, und dieses bis dahin verfolgen, wo jener absolute Einheitspunkt in die zwei relativen getrennt erscheint, und in dem einen den Quellpunkt der reellen und natürlichen, in dem andern der ideellen und der göttlichen Welt erkennen, und mit jener zwar die Menschwerdung Gottes von Ewigkeit, mit dieser die notwendige Gottwerdung des Menschen feiern, und indem wir auf dieser geistigen Leiter frei und ohne Widerstand auf und ab uns bewegen, jetzt herabsteigend die Einheit des göttlichen und natürlichen Prinzips getrennt, jetzt hinaufsteigend und alles wieder auflösend in das Eine, die Natur in Gott, Gott aber in der Natur sehen.

Dann, nachdem wir zu dieser Höhe gelangt sind und das harmonische Licht jenes wundervollen Erkennens angeschaut, dieses aber zugleich als das Reale des göttlichen Wesens erkannt haben, wird es uns verstattet sein, die Schönheit in ihrem höchsten Glanze zu sehen, ohne von ihrem Anblick geblendet zu werden, und in der seligen Gemeinschaft mit allen Göttern zu leben. Dann werden wir die königliche Seele des Jupiter begreifen; sein ist die Macht; unter ihm aber ist das formende und das formlose Prinzip, welches in der Tiefe des Abgrunds ein unterirdischer Gott wieder zusammenknüpft: er aber wohnt in unnahbarem Äther. Auch die Schicksale des Universums werden uns nicht verborgen bleiben, die Zurückziehung des göttlichen Prinzips von der Welt, und wie die mit der Form vermählte Materie der starren Notwendigkeit überliefert worden, noch werden uns die Vorstellungen von den Schicksalen und dem Tode eines Gottes dunkel sein, die in allen Mysterien gegeben werden, die Leiden des Osiris und der Tod des Adonis. Vor allem aber werden unsere Augen auf die oberen Götter gerichtet sein, und jenes seligsten Seins Teilnahme durch Anschaun erlangend, werden wir wahrhaft, wie die Alten sich ausdrückten, vollendet werden, indem wir nicht nur als der Sterblichkeit Entflohene, sondern als solche, die die Weihe unsterblicher Güter empfangen haben, in dem herrlichen Kreise leben. Jedoch, o Freunde, schon mahnt uns die sinkende Nacht und das Licht einsam funkelnder Sterne. Lasset uns also von hinnen gehen.“ — Friedrich Wilhelm Joseph Schelling: Bruno oder über das göttliche und natürliche Prinzip der Dinge. Berlin: Unger, 1802.

 

Bayle

«BRUNUS (Jordanus) nâtif de Nole au Royaume de Naples, étoit un homme de beaucoup d’esprit, mais il employa mal ses lumières; car non seulement il attaqua la Philosophie d’Aristote dans un tems où on ne le pouvoit faire sans exciter mille troubles, & sans s’exposer à mille persecutions, mais il attaqua aussi les veritez les plus importantes de la foi. On l’avoit chassé d’Italie, & il s’étoit retiré dans un païs moins dangereux pour les Philosophes de son caractere. Il avoit couru l’Allemagne, la France &c. & il auroit bien fait de continuer, car étant retourné en Italie, il y fut brûlé, dit-on, comme un impie l’an 1600. Nous donnerons le titre de quelques-uns de ses Ouvrages. Il y a d’habiles gens qui pretendent que M. Descartes a pris de lui quelques-unes de ses idées. » — Pierre Bayle: Dictionnaire historique et critique, I, p. 679. Rotterdam: Reinier Leers, 1697.

 

Jacobi

„Die erste Beilage ist ein Auszug des äußerst seltenen Buches: De la causa, principio, et Uno, von Jordan Bruno. Dieser merkwürdige Mann wurde zu Nola im Königreich Neapel, man weiß nicht in welchem Jahre, geboren; und starb den 17. Februar 1600 zu Rom auf dem Scheiterhaufen. Brucker hat mit großem Fleiße über ihn gesammelt, aber doch nur Bruchstücke liefern können. Seine Schriften wurden lange Zeit, teils wegen ihrer Dunkelheit vernachlässigt,teils wegen der darin vorgetragenen neuen Meinungen aus Vorurteil nicht geachtet, teils wegen gefährlicher Lehren, die sie enthalten sollten, verabscheut und unterdrückt. Ihre gegenwärtige Seltenheit läßt sich hieraus leicht begreifen. Brucker konnte nur die Schrift De Minimo zu sehen bekom-men; la Croze hatte nur das Buch de Immenso et Innumerabilibus vor sich, wenigstens gibt er nur von diesem Auszüge, sowie Heumann nur von den physischen Lehrsätzen; selbstgelesen hatte auch Bayle von den metaphysischen Schriften des Bruno nur die Einzige, wovon ich den Auszug liefre.

Alle klagen über die undurchdringliche und mehr als Heraklitische Dunkelheit des Mannes. Brucker vergleicht sie mit Cimmerischer Finsternis; und Bayle versichert, des Bruno vornehmste Lehrsätze wären tausendmal dunkler und unbegreiflicher, als das unbegreiflichste, was je von den Nachfolgern des Thomas von Aquin und des Johann Scotus sei vorgebracht worden.

Gleichwohl sollen mehrere berühmte Weltweise: Gassendi, Cartesius, auch unser Leibniz, diesen dunkeln Mann benutzt, und wichtige Teile ihrer Lehrgebäude aus ihm gezogen haben. Ich lasse dieses unerörtert, und bemerke nur in Absicht der großen Dunkelheit, welche man dem Bruno vorwirft, daß ich sie weder in dem Buche de la Causa, noch dem De l’Infinito Universo et Mondi, von dem ich bei einer andern Gelegenheit umständlich reden werde, gefunden habe. Was das erste Buch angeht, so können meine Leser selbst aus der Probe, die ich ihnen vorlege, davon urteilen. Ein wenig faßlicher könnte mein Auszug dadurch geworden sein, daß ich nur das System des Bruno selbst, die philosophia Nolana, wie er sie nennt, ununterbrochen darin vortrage. Dagegen aber habe ich auch, was er zuweilen viel ausführlicher sagt, und auf eine mannigfaltige Weise ins Licht zu stellen bemüht ist, nur Einmal, und oft sehr kurz gesagt.“ — Friedrich Heinrich Jacobi: Über die Lehre des Spinoza, 1789. pp. vii-x.

 

Hegel

„Jordan Bruno ist eben ein in ähnlicher Weise unruhiges und gärendes Gemüth. Wir sehen in ihm ein kühnes Wegwerfen alles katholischen Autoritäts-Glaubens. In neueren Zeiten ist er durch Jacobi in Erinnerung gebracht. Seinen Briefen über Spinoza hing er einen Auszug aus einer Schrift desselben an und parallelisirte ihn mit Spinoza; dadurch ist er zu einem Ruhm gekommen, der über sein Verdienst geht. Er war ruhiger als Cardanus; aber auf der Erde hatte er keinen festen Sitz. (...)

Aber der Haupt-Charakter seiner Schriften ist eigentlich einer Seits eine schöne Begeisterung eines Selbstbewußtseyns, das den Geist sich inwohnen fühlt und die Einheit seines Wesens und alles Wesens weiß. Es ist etwas Bacchantisches in diesem Ergreifen dieses Bewußtseyns; es fließt über, diesen Reichthum auszusprechen und sich so zum Gegenstande zu werden. Aber es ist nur das Wissen, in welchem der Geist sich als Ganzes ausgebähren kann. Wenn er diese wissenschaftliche Bildung noch nicht erreicht hat, so greift er nur nach allen Formen herum, ohne sie gehörig zu ordnen. Einen solchen ungeordneten, mannigfaltigen Reichthum zeigt Bruno, und dadurch gewinnen seine Expositionen häufig ein trübes, verworrenes, allegorisches Aussehen, – mystische Schwärmerei. Der großen inneren Begeisterung opfert er seine persönlichen Verhältnisse auf; so ließ sie ihn nicht ruhig. Es ist gleich gesagt, »ein unruhiger Kopf, der sich nicht habe vertragen können«. Woher diese Unruhe? Nicht mit dem Endlichen Schlechten, Gemeinen konnte er sich vertragen; – dadurch seine Unruhe. Er hat sich erhoben zu der einen, allgemeinen Substantialität, – diese Trennung, Erniedrigung des Selbstbewußtseyns ebenso als der Natur aufgehoben. Gott war wohl im Selbstbewußtseyn, doch von Außen und zugleich ein ihm Anderes, eine andere Wirklichkeit: die Natur von Gott gemacht, Geschöpf, kein Bild seiner. Die Güte Gottes war nur äußerlich in Endursachen, endlichen Zwecken: die Bienen machen Honig für die Nahrung des Menschen; der Korkbaum wächst, um Stöpsel auf den Bouteillen zu haben.

Was seine Gedanken selbst betrifft, so hat Jacobi neuerlich große Aufmerksamkeit auf ihn erregt, indem die Summe seiner Lehre das spinozistische Eins und Alles oder im ganzen der Pantheismus sey, und dieß unter der Form aufgestellt, als ob dieß etwas den Bruno besonders Auszeichnendes sey, daß Ein lebendiges Wesen, eine Weltseele das Ganze durchdringe und das Leben von Allem sey. Bruno stellte α) die Einheit, Allgemeinheit der Weltseele, des Lebens auf, β) die gegenwärtige, inwohnende Vernunft. Allein in der Tat ist diese Lehre nichts anderes als ein Widerhall der alexandrinischen, und Bruno ist darin nichts weniger als original. Aber am Inhalt seiner Schriften heben sich zwei Seiten heraus: 1) die eine Seite ist die seines Systems, seinen Hauptgedanken nach, seine philosophischen Prinzipien überhaupt, – die Idee, als substantielle Einheit; 2) die Unterschiede in derselben, das, was er besonders geltend machen wollte; die andere, mit jener jedoch zusammenhängende Seite ist seine Lullische Kunst, auf die er eigentlich gereist ist und auf die er auch immer das Meiste gehalten hat.

1. Philosophische Gedanken. Es sind zum Theil aristotelische Begriffe, die er gebraucht. In den vielerlei Schriften des Bruno zeigt sich vornehmlich die Begeisterung des Gedankens und seines ganzen Lebens; seine Philosophie zeugt von einem eigentümlichen, überlebendigen und sehr originellem Geiste. Der Inhalt seiner allgemeinen Gedanken ist die Begeisterung für die schon erwähnte Lebendigkeit der Natur, Göttlichkeit, Gegenwart der Vernunft in der Natur. So ist seine Philosophie im Allgemeinen Spinozismus, Pantheismus. Diese Trennung der Menschen von Gott oder der Welt, alle diese Verhältnisse der Aeußerlichkeit sind hineingeworfen in seine lebendige Idee der Einheit von allem. Die Einheit des Lebens, wegen deren Aussprechen Bruno so bewundert worden, ist die absolut allgemeine Einheit. Die Hauptformen seiner Vorstellung sind diese, daß er einer Seits die allgemeine Bestimmung der Materie, anderer Seits die der Form giebt.

a) Diese allgemeine Einheit bestimmt er also als »den allgemeinen, tätigen Verstand (νοῦς), der sich als allgemeine Form des Weltalls offenbart, alle Formen in sich faßt: und, wie der Verstand des Menschen eine Menge Begriffe bildet, so auch bildet und systematisirt. Er verhält sich zur Hervorbringung der Naturdinge, wie der Verstand des Menschen; er ist der innerliche Künstler, der von innen die Materie bildet und gestaltet. Aus dem Innern der Wurzel oder des Samenkorns sendet er die Sprosse hervor; aus dieser treibt er dann die Aeste, aus diesen die Zweige, aus dem Innern der Zweige die Knospen, Blätter, Blumen u. s. f. Es ist alles innerlich angelegt, zubereitet und vollendet.« Dieses ist der formale Verstand, der Endursache, Zweckbestimmung ist; er ist aber ebenso wohl auch wirkender Verstand (causa efficiens), eben dieß Hervorbringende. Der Unterschied von Mittelursache und Endursache ist sehr wichtig. Die innere Form ist als Form nach Bruno Begriff, Endursache, aristotelischer Zweck, aber ebenso auch Mittelursache. Natur und Geist sind nicht getrennt; – formaler Verstand, in welchem der Begriff nicht als gewußter enthalten, sondern für sich freier: als Einheit, in sich bleibender; – als wirkender, außer sich gehender.

»Ebenso ruft er von innen auch seine Säfte aus den Früchten und Blüthen zu den Zweigen zurück« u. s. f. – So ist bei Proklus der Verstand als Substantielles, das Alles in seinem Eins in sich hält: das Leben das Herausgehende, Produzierende: der Verstand als solcher eben dieß Umkehrende, alles in die Einheit Zurücknehmende. – Jene Form des Dings ist sein inneres Verstandes-Prinzip, sein Hervorbringendes Ursache; aber beides ist nicht verschieden, sondern die Form selbst Ursache, eben dadurch Endursache, – bei Aristoteles das Unbewegte, das Prinzip, der reine Begriff, Entelechie. Das Weltall ist ein unendliches Thier, in welchem Alles auf die mannigfaltigste Weise lebt und webt. Der nach einem Zweck wirkende Verstand ist, der eine Form ist: was immer produzirt wird, ist dieser Form gemäß und unter ihr enthalten; was hervorkommt, das ist so, wie die Form an sich bestimmt ist. Bei der Kantischen Philosophie werden wir diese Zweckbestimmung auch zu erwähnen haben. Das organisch Lebendige, dessen Prinzip die Lebendigkeit ist, das Bildende, das in sich seine Wirksamkeit hat und in derselben nur bei sich bleibt, sich erhält, das ist Zweck. Zweck ist die Thätigkeit, aber die in sich bestimmte Thätigkeit, die in ihrem Verhalten zu anderem nicht als bloße Ursache sich verhält, sondern in sich zurückgeht, sich erhält. Das ist nun diese Form.

b) Bruno, der die Endursache unmittelbar als wirkend und als immanentes Leben des Universums setzt, setzt sie dann ferner auch als seyend, als Substanz. (Er ist also gegen die Vorstellung eines bloß außerweltlichen Verstandes gerichtet.) Insofern unterscheidet Bruno Form und Materie an der Substanz; sie ist jene Einheit der Thätigkeit und des Verstandes (der Idee), – zusammen Form und Materie. Die Hauptsache bei ihm ist, daß er die Einheit der Form (des Thätigen) und der Materie festhält, daß die Materie an ihr selbst lebendig ist. An diesem Seyenden sehen wir unendliche Verwandlungen. Das Bleibende dieser sich Verwandelnden in diesen Unterschieden des Formirens ist nun die Materie; sie ist die erste, absolute Materie. Dieß abstrakt gesagt, ist sie nur das Formlose, aber die Mutter aller Formen und das aller Formen Fähige. Die Form ist ihr immanent, ist identisch mit ihr, so daß sie selbst diese Veränderungen, Umbildungen setzt, selbst hervorbringt; sie geht durch alle hindurch. Eins ist aber schlechthin nicht ohne das Andere. Weil die Materie nicht ohne die erste allgemeine Form ist, so ist sie selbst Princip oder Endursache an ihr selbst. Nur an den endlichen Dingen und in den endlichen Verstandesbestimmungen ist dieser Unterschied von Form und Seyn (Materie) vorhanden. Dieselbe Materie geht alle Verwandlungen durch: »Was erst Same war, wird Gras, hierauf Aehre, alsdann Brodt, Nahrungssaft, Blut, thierischer Saame, ein Embryo, ein Mensch, ein Leichnam, dann wieder Erde, Stein oder andere Masse« u. s. f.; aus Sand und Wasser werden Frösche. »Hier erkennen wir also Etwas, welches, obwohl es sich in alle diese Dinge verwandelt, doch an sich immer ein und dasselbe bleibt.« – »Weil sie Alles ist, ist sie nichts in’s Besondere«: nicht Luft, Wasser, – eben das Abstrakte. »Materia nullas habet dimensiones, ut omnes habeat.« – »Diese Materie kann weder Körper seyn, denn die sind geformt: noch zu dem gehören, was wir Eigenschaften, Beschaffenheit, Qualitäten nennen; denn diese sind veränderlich. – Hiermit scheint nichts ewig und des Namens eines Princips würdig als die Materie. - Viele haben darum auch die Materie für das allein Reale und alle Formen für zufällig gehalten.« Aber diese Eine absolute Form ist identisch mit der Einen allgemeinen Materie, die daher in ihr selbst das Princip des Wirkens und der Endursache hat. Sie ist also eben das Vorausgesetzte aller Körperlichkeit und daher selbst intelligibel, ein Allgemeines oder eben das Verständige wieder selbst, die Endursache an ihr selbst; sie ist die Ursache und die Endursache von Allem. Der präformirende Verstand ist identisch mit der Materie, einem Intelligiblen, wovon die als unterschieden erscheinenden Dinge Modifikationen sind; beide sind intelligibel. Die Formen der Materie sind die innere Macht der Materie selbst; sie ist, als Intelligibles, selbst die Totalität der Form. – Dieses System des Bruno ist so ganz objektiver Spinozismus; man sieht, wie tief er eingedrungen ist.

Er macht die Frage: »Aber die erste allgemeine Form und die erste allgemeine Materie, wie sind sie vereinigt, unzertrennlich? verschieden und doch Ein Wesen?« Er sagt: »Die Materie ist zu betrachten als Potenz; so fallen alle möglichen Wesen auf gewisse Weise unter ihren Begriff.« Da gebraucht er denn aristotelische Formen von δύναμις, potentia, Möglichkeit und Wirklichkeit. Er sagt: »Die Passivität der Materie muß rein und absolut betrachtet werden. Nun ist es unmöglich, einer Sache Daseyn beizumessen, welcher das Vermögen (Kraft) da zu seyn gebräche. Dieses letztere bezieht sich aber so ausdrücklich auf den aktiven Modus, daß hieraus sogleich erhellt, wie der eine ohne den anderen nicht seyn kann, sondern beide sich einander gegenseitig voraussetzen. Wenn also von jeher ein Vermögen, zu wirken, hervorzubringen, zu erschaffen, da war, so mußte auch von jeher ein Vermögen, bewirkt, hervorgebracht und erschaffen zu werden, daseyn.« Die Materie als der Form entgegengesetzt, ist sie nur die potentia, δύναμις, Möglichkeit. Ist die Materie das Unbestimmte, wie kommt man zum Bestimmten? Diese Identität, Einfachheit der Materie ist selbst nur Eine Bestimmung, Ein Moment der Form. Indem man also die Materie der Form entreißen wollte, hat man sie zugleich in Einer Bestimmung der Form gesetzt; damit ist aber auch sogleich das Andere gesetzt. »Die vollkommene Möglichkeit des Daseyns der Dinge (die Materie) kann vor ihrem wirklichen Daseyn nicht vorhergehen und ebensowenig nach demselben übrigbleiben. – Das erste und vollkommenste Princip faßt alles Daseyn in sich, kann alles seyn und ist Alles. Thätige Kraft und Potenz, Möglichkeit und Wirklichkeit sind in ihm also Ein unzertrenntes und unzertrennliches Princip.« Es ist eine sehr wichtige Bestimmung, die darin liegt: wenn eine wirkende Kraft gesetzt wird, so liegt darin die Bestimmung eines Bewirktwerdens, Erschaffens der Materie. Diese Materie ist aber nichts ohne die Wirksamkeit; die Form ist das Vermögen und das innere Leben der Materie.

So ist ihm das Absolute bestimmt, »nicht so die anderen« – endlichen – »Dinge, welche seyn und auch nicht seyn, so oder anders bestimmt seyn können. Der einzelne Mensch ist in jedem Augenblicke, was er in diesem Augenblick seyn kann, aber nicht alles, was er überhaupt und der Substanz nach seyn kann. – Das Universum, die unerzeugte Natur ist aber Alles, was sie seyn kann, in der That (wirklich) und auf Einmal, weil sie alle Materie nebst der ewigen, unveränderlichen Form ihrer wechselnden Gestalten in sich faßt. Aber in ihren Entwickelungen von Moment zu Moment, ihren besonderen Theilen, Beschaffenheiten, einzelnen Wesen, überhaupt ihrer Aeußerlichkeit, ist sie nicht mehr, was sie ist und seyn kann, sondern ein solcher Theil ist nur ein Schatten von dem Bilde des ersten Prinzips.« So schrieb er auch ein Buch De umbris idearum.

c) Dieß ist seine Haupt-Idee. Diese Einheit von Form und Materie in Allem zu erkennen, dieß ist das Bestreben der Vernunft. Aber um zu dieser Einheit durchzudringen, »alle Geheimnisse der Natur zu erforschen, müssen wir den entgegengesetzten und widerstreitenden äußersten Enden der Dinge, dem Maximum und dem Minimum nachforschen«. Eben in diesen Extremen ist es, daß sie intelligibel sind, und in dem Begriff sich vereinigen; und diese Vereinigung ist die unendliche Natur. Er sagt nun: »Aber den Punkt der Vereinigung zu finden, ist nicht das Größte, sondern aus demselben auch sein Entgegengesetztes zu entwickeln; dieses ist das eigentliche und tiefste Geheimniß der Kunst.« – Dieß ist ein großes Wort, die Entwickelung der Idee so zu erkennen, daß sie eine Nothwendigkeit von Bestimmungen ist. Wir werden nachher sehen, wie Bruno darauf gegangen, dieß zu tun.

Ueber diesen Gegensatz des Minimum und Maximum hat Bruno mehrere eigene Werke geschrieben: De triplici Minimo et Mensura, libri V, Francofurti apud Wechelium et Fischer. 1591, 8, der Text sind Hexameter mit Noten und Scholien (bei Buhle ist der Titel De Minimo libri V); De Monade, Numero et Figura liber: Item de Innumerabilibus, Immenso et Infigurabili: seu de Universo et Mundis libri VIII, Francof. 1591, 8. Er stellt das Ur-Prinzip (oder was anderswo die Form heißt) unter dem Begriff des Kleinsten vor, das zugleich das Größte ist, Eins, das zugleich Alles. Das Universum ist dieses Eins in Allem. »Im Universum,« sagt er, »ist der Körper nicht vom Punkte, das Centrum nicht von der Peripherie, das Endliche nicht vom Unendlichen, das Größte nicht vom Kleinsten unterschieden. Es ist lauter Mittelpunkt; oder sein Mittelpunkt ist Überall und in Allem. Die Alten drückten dieß so aus, indem sie sagten von dem Vater der Götter, daß er wesentlich in jedem Punkte des Weltalls seinen Sitz habe.« Es giebt den Dingen erst wahre Wirklichkeit, ist die Substanz aller Dinge, Monas, Atom, der allenthalben ausgegossene Geist, die ganze Essenz u. s. f., reine Form. – Dieß ist nun die Grund-Idee des Bruno, die die Begeisterung einer edlen Seele und tiefes Denken ausdrückt. Diese Lebendigkeit der Natur wird mit der größten Begeisterung vorgetragen. Viele Schriften sind in Versen; da ist Phantastisches, Allegorisches. Ein Buch heißt Vom triumphierenden Tiere. Er sagt, an die Stelle der Sterne müßte etwas Anderes gesetzt werden.

2. Das Zweite nun, was damit zusammenhängt, worauf er besonders herumreiste, war die sogenannte lullische Kunst, von ihrem ersten Erfinder, dem Scholastiker Raimund Lullus, so genannt. Bruno hat dieß aufgefaßt, ein Aehnliches gethan und dieß weiter vervollkommnet. Diese Kunst ist von einer Seite dem ähnlich, was wir bei Aristoteles als Topik sahen, – eine Menge von Oertern, Bestimmungen, die man als eine Tafel mit ihren Eintheilungen in der Vorstellung befestigte, um diese Seiten bei allem Vorkommenden anzuwenden. Die Alten gebrauchen eine solche Kunst für die Mnemonik, die damit verwandt ist, von der auch in neueren Zeiten wieder die Rede gewesen ist; und diese nahm Bruno auch auf, sie ist eine Kunst des Gedächtnisses. Man findet beim Auctor ad Herennium (Libr. III, c. 17 sqq.) nähere Ausführung davon. Man macht sich eine bestimmte Menge von unterschiedenen, nach Belieben zu wählenden Fächern in der Einbildungskraft fest (z.B. Zwölf, zu drei untereinandergereiht), so Aaron, Abimelech, Achilles, Berg, Baum, Herkules u. s. f., worein man das im Gedächtnisse zu Behaltende gleichsam einstellte und es zu einer Reihe von Bildern machte und so beim Hersagen, nicht wie wir es gewohnt sind, wenn wir sagen, aus dem Gedächtnisse sprechen, nicht aus dem Kopfe ohne Vorstellung heraus, sondern gleichsam von einer Tafel nur ablas. Die auswendig zu lernenden Worte müssen nun mit diesem Tableau in Verbindung gebracht werden. Die Schwierigkeit liegt nur darin, irgend einen Witz, eine Verbindung zu machen zwischen dem Inhalt, den ich habe, und dem Bilde; das gibt die heillosesten Kombinationen, es ist dieß auch eine schlechte Kunst. – Die Topik ist nicht sowohl zu diesem Behufe, sondern zum Auffassen und Bestimmen von verschiedenen Seiten.

Auf dieselbe Weise arbeitete Jordanus Bruno, und verfaßte auch viele Schriften darüber; er hat sie auch seine ars combinatoria genannt. Die ältesten topisch-mnemonischen Schriften des Bruno sind: Philotheus Jordanus Brunus Nolanus De compendiosa architectura et complemento artis Lullii, Paris. ap. Aeg. Gorbinum, 1582. 12. – J. Brunus Nol. De Umbris idearum, implicantibus Artem quaerendi etc., Paris. ap. eund. 1582. 8. Der zweite Theil hat den Titel: Ars memoriae. – Ph. Jord. Bruno Explicatio XXX sigillorum etc. Quitus adjectus est Sigillus sigillorum etc. Aus der Dedikation erhellt, daß es Bruno in England herausgab, also zwischen 1582 und 1585. – Jordanus Brunus De Lampade combinatoria lulliana, Vittebergae 1587. 8. Ebendaselbst schrieb er: De Progressu et lampade venatoria Logicorum, Anno 1587, dem Kanzler der Universität Wittenberg dedicirt. – Jordanus Brunus De Specierum scrutinio et lampade combinatoria Raym. Lullii, Pragae exc. Georg Nigrinus 1588. 8; auch abgedruckt in Raymundi Lullii operibus. – Auch De imaginum, signorum et idearum compositione libri III, Francofurti ap. Jo. Wechel. et Petr. Fischer. 1591. 8. – Bruno ist bald davon zurückgekommen. Die Sache des Gedächtnisses wurde Sache der Einbildungskraft; jenes ist aber höher. Mit dieser Mnemonik hängt die Lullische Kunst zusammen: aber so, daß bei Bruno das Tableau nicht nur ein Gemälde von äußerlichen Bildern ist, sondern ein System von Gedankenbestimmungen, all gemeinen Vorstellungen; Bruno hat der Kunst eine tiefere innere Bedeutung gegeben.

a. Bruno geht zu dieser Kunst über von den allgemeinen Ideen, die gegeben sind. Weil nämlich Ein Leben, Ein Verstand Alles ist: so hat er die dunkle Ahnung gehabt, diesen allgemeinen Verstand in der Totalität seiner Bestimmungen aufzufassen, und Alles darunter zu subsumiren, – eine logische Philosophie darin aufzustellen und sie anwendbar auf Alles zu machen. »Der Gegenstand der Betrachtung« in ihr »ist das Universum, sofern es unter das Verhältnis des Wahren, Erkennbaren und Vernünftigen tritt.« Er unterscheidet, wie Spinoza, das intelligible Ding der Vernunft und das wirkliche. »Wie die Metaphysik das allgemeine Ding, das sich in Substanz und Accidenz theilt, zum Gegenstande macht: so ist die Hauptsache, daß es eine einzige und allgemeinere Kunst giebt, die das Ding der Vernunft mit dem wirklichen Dinge so verknüpfe und umfasse« und als übereinstimmend mit einander anerkenne, »wodurch die Menge, sie sey, welcher Art sie wolle, zur einfachen Einheit zurückgeführt werde.«

b. Das Prinzip hierbei ist dem Bruno der Verstand überhaupt: einmal »der außer sich thätige Verstand« (die Sinnlichkeit zum Daseyn entfaltend, er ist die sinnliche Welt); »er verhält sich zur Erleuchtung des Geistes wie die Sonne zum Auge«, – er bezieht sich auf eine scheinende Menge, erleuchtet sie, nicht sich selbst. Das Andere ist »der thätige Verstand an sich selbst, der sich zu den denkbaren Arten verhält wie das Auge zu den sichtbaren Dingen«. Die unendliche Form, der thätige Verstand ist das Erste, die Grundlage; dieser entwickelt sich. Er ist, wie die Neuplatoniker diese Form haben; er geht zum Theil in Proklos’ Manier fort. Der Verstand ist also inwohnend mit der Materie. – Es ist nun dem Bruno wesentlich darum zu thun, die Organisirungen dieses thätigen Verstandes näher aufzufassen und nachzuweisen.

c. Näher ist dieses auf folgende Weise dargestellt: »Der reinen Wahrheit selbst, dem absoluten Lichte, nähert sich der Mensch nur; sein Seyn ist nicht das absolute Seyn selbst, das nur das Eine und Erste ist. Er ruht nur unter dem Schatten der Idee; – eine Idee, deren Reinheit das Licht ist, die aber zugleich Theil an der Finsterniß hat. Das Licht der Substanz emanirt aus diesem reinen Urlichte, das Licht der Accidenz aus dem Lichte der Substanz.« Diese war auch bei Proklos das Dritte im Ersten – Dieses absolute Princip in seiner Einheit ist ihm die materia prima, und den ersten Akt dieses Princips nennt er das Urlicht (actus primus lucis). »Die« vielen »Substanzen aber und Accidenzen können nicht das volle Licht aufnehmen, sie sind also nur im Schatten des Lichts enthalten; ebenso sind die Ideen davon Schatten.« Die Entwicklung der Natur geht fort von Moment zu Moment; die erschaffenen Dinge sind nur ein Schatten des ersten Princips, nicht mehr dieses selbst.

d. »Von diesem superessentiale (ύπερουσία bei Proklos) geschieht der Fortgang zu den Essenzen, von den Essenzen zu dem, was ist, von dem, was ist, zu ihren Spuren, Bildern und Schatten«, und zwar in doppelter Richtung: »zum Theil gegen die Materie, um in ihrem Schooße erzeugt zu werden«, – diese sind dann auf natürliche Weise vorhanden; »zum Teil gegen die Empfindung und Vernunft, um durch ihr Vermögen erkannt zu werden.« Ferner: »Die Dinge entfernen sich von dem Urlicht zur Finsterniß. Da aber alle Dinge im Universum genau zusammenhangen, das Untere mit dem Mittleren, und dieses mit dem Oberen, das Zusammengesetzte mit dem Einfachen, das Einfache mit dem Einfacheren, das Materielle mit dem Geistigen, damit Ein Universum, Eine Ordnung und Regierung desselben, Ein Prinzip und Zweck, Ein Erstes und Letztes sey: so kann nach dem Tone der Leier des allgemeinen Apollo« – Ausdruck des Heraklit – »das Untere stufenweise zum Oberen zurückgeführt werden, wie das Feuer in Luft, Luft in Wasser, Wasser sich in Erde verdichtet und umgekehrt, daß Aller Ein Wesen ist. Jener Fortgang herab ist derselbe als dieser Rückgang« und ist ein Kreis. »Die Natur innerhalb ihrer Grenzen kann Alles aus Allem hervorbringen und so der Verstand auch Alles aus Allem erkennen.«

e. Die Einheit der Entgegengesetzten wird näher erörtert: »Die Verschiedenheit der Schatten ist kein wahrer Widerstreit. In demselben Begriffe werden« die Entgegengesetzten, »das Schöne und Häßliche, das Schickliche und Unschickliche, das Vollkommene und Unvollkommene, das Gute und Böse erkannt. Unvollkommenes, Böses, Häßliches beruhen nicht auf besonderen eigenen Ideen; sie werden in einem anderen Begriffe erkannt, nicht einem eigenthümlichen, der nichts ist. Denn das Eigenthümliche ist das nonens in ente, defectus in effecto.« »Der erste Verstand ist das Urlicht; er strömt sein Licht aus dem Innersten zu dem Aeußersten und zieht es vom Aeußersten wieder an sich. Jedes Wesen kann nach seiner Fähigkeit etwas von diesem Lichte auffassen.«

f. »Dieß reine Licht der Dinge ist nun ihre Erkennbarkeit, die vom ersten Verstande ausgeht, und nach ihm gerichtet ist, und was die Erkennbarkeit begleitet«; das nonens wird nicht erkannt. »Das Wirkliche an den Dingen ist« eben jenes Intelligible, »nicht das Sinnliche,« Empfundene, »oder das Individuelle«; was sonst wirklich genannt wird, Sinnliches, ist das Nichtseyn. »Was unter der Sonne geschieht, was die Region der Materie bewohnt, fällt unter den Begriff der Eitelkeit« (Endlichkeit). »Von den Ideen suche das Feste der Vorstellungen, wenn Du verständig bist.« »Was hier Kontrast und Verschiedenheit ist, ist im Urverstande Harmonie und Einheit. Versuche es also (tenta igitur), ob Du die empfangenen Bilder identificiren, übereinstimmend machen und einen könnest, so wirst Du Deinen Geist nicht ermüden, Dein Denken nicht trüben und das Gedächtniß nicht verwirren.«

Die Unterschiede, die hier so gegeben sind, sind keine; Alles ist Harmonie. Dieß zu entwickeln hat er also versucht, und die Bestimmungen, als natürliche in diesem, entsprechen dann denen, die im subjektiven Verstande erscheinen. »Durch die Idee, welche im Verstande ist, wird etwas besser begriffen als durch die Form des Naturdings an sich selbst, weil die letztere materieller ist; aber am höchsten durch die Idee vom Gegenstande, wie sie im göttlichen Verstand ist.« Und Brunos Kunst besteht nun darin, das allgemeine Schema der Form zu bestimmen, welches Alles unter sich begreift, und zu zeigen, wie seine Momente sich in den verschiedenen Sphären des Daseyns ausdrücken. Ein Hauptbemühen des Bruno war, das All und Eine nach der Lullischen Kunst als ein System von Klassen geordneter Bestimmungen darzustellen.

Da gibt er nun an die drei Sphären: »α) die Urform (ύπερουσία), Urheber aller Formen; β) die physische Welt, welche die Spuren der Idee der Oberfläche der Materie aufdrückt und das Urbild in zahllosen entgegenstehenden Spiegeln vervielfältigt; γ) die Form der vernünftigen Welt, welche die Schatten der Ideen für die Sinne numerisch individualisiert« (in das Eins bringt), »und für den Verstand zu allgemeinen Begriffen erhebt. Die Momente der Urform selbst (ύπερουσία) heißen Seyn, Güte« (Natur, Leben) »und Einheit«; dieß haben wir ungefähr gesehen bei Proklos. »In der metaphysischen Welt ist sie Ding, Gutes, Prinzip der Mehrheit (ante multa); in der physischen Welt offenbart sie sich in Dingen, Gütern, Individuen; in der vernünftigen Welt« (Erkennen) »entspringt sie aus Dingen, Gütern und Individuen.« Die Einheit ist das Zurückführende, und er hat dann die natürliche und metaphysische Welt; und er sucht das System dieser Bestimmungen aufzustellen und zu zeigen, wie dieß auf natürliche Weise erscheint, was auf andere Weise als Gedachtes ist.

Indem nun Bruno diesen Zusammenhang näher zu fassen suchte, »betrachtet er das Denken als eine« subjektive »Kunst der Seele« (Thätigkeit), »im Innern« (nach seiner Vorstellung) »gleichsam durch innere Schrift darzustellen, was die Natur äußerlich gleichsam durch äußere Schrift darstellt; und« das Denken ist Fähigkeit, »sowohl diese äußere Schrift der Natur in sich aufzunehmen, als die innere Schrift in der äußeren abzubilden und zu verwirklichen. Diese Kunst des inneren Denkens und äußeren Organisierens nach demselben und umgekehrt, wie sie die menschliche Seele hat, setzt Bruno in die innigste Verbindung mit der Kunst der Natur des Universums«, mit der Wirksamkeit »des« absoluten »Welt-Princips überhaupt, wodurch alles geformt und gebildet wird«; es ist eine Form, die sich entwickelt. »Es ist dasselbe Welt-Princip, das in den Metallen, Pflanzen, Thieren bildet und das in dem Menschen denkt und außer sich organisirt, nur daß es sich in seinen Wirkungen auf eine unendlich verschiedene Weise äußert« – in der ganzen Welt ausdrückt. Im Inneren und Aeußeren ist mithin eine und dieselbe Entwicklung eines und desselben Prinzips.

Diese »verschiedenen Schriftarten der Seele, durch welche sich auch das organisirende Welt-Princip offenbart«, hat Bruno systematisiren wollen. Diese Schriftarten sind es, die er zu bestimmen sucht. Diese verschiedenen Schriftarten darzustellen, darauf geht Bruno’s andere Thätigkeit, seine Ars Iulliana; und er nimmt darin zwölf Grundschriftarten, Gattungen der Naturformen an, von denen er ausgeht: »›Species, Formae, Simulacra, Imagines, Spectra, Exemplaria, Indicia, Signa, Notae, Characteres et Sigilli. Einige Schriftarten beziehen sich auf den äußeren Sinn wie die äußeren Formen, Bilder und Ideale (extrinseca forma, imago, exemplar), welche die Malerei und andere bildende Künste, indem sie die Mutter Natur nachahmen, darstellen. Einige beziehen sich auf den inneren Sinn, wo sie in Ansehung des Maaßes, der Dauer, der Zahl vergrößert in der Zeit ausgedehnt und vervielfältigt werden; dergleichen sind die Erzeugnisse der Phantasie. Einige beziehen sich auf einen gemeinschaftlichen Punkt der Gleichheit mehrerer Dinge; einige weichen von der objektiven Beschaffenheit der Dinge so ab, daß sie ganz erträumt sind. Einige endlich scheinen der Kunst eigenthümlich zu sein, wie die signa, notae, characteres et sigilli; – durch welche die Kunst so viel vermag, daß sie unabhängig von der Natur, über die Natur hinaus, und, wenn es die Sache mit sich bringt, sogar gegen die Natur handeln zu können scheint.‹«

So weit geht im Ganzen Alles gut; es ist die Ausführung desselben Schema’s in allen Polen. Alle Hochachtung verdient dieser Versuch, das logische System des inneren Künstlers des producirenden Gedankens so darzustellen, daß ihm die Gestaltungen der äußeren Natur entsprechen. Die Bestimmungen des Denkens werden aber zugleich (bei der sonst großen Weise des Bruno) dennoch hier oberflächlich, zu todten Typen, wie in neueren Zeiten die Schemata der Natur-Philosophie; an jeder Sphäre selbst absolut betrachtet, an ihr als solcher, wurde jene Dreiheit entwickelt. – Dann eben dieß Nähere oder die bestimmteren Momente sind von Bruno nur zusammengelesen; es geht in Verwirrung über, durch Figuren und Klassifikationen sucht er sie darzustellen. Zwölf Formen sind zugrunde gelegt, weder jede abgeleitet – und in Ein Ganzes zusammengeeint oder als ein System –, noch die fernere Vervielfältigung. Darüber hat er mehrere Schriften geschrieben (De sigillis); das Erscheinen der Dinge sind Buchstaben, Zeichen, die dann einem Denken entsprechen. Und in verschiedenen Schriften scheint auch diese Darstellung verschieden. Die Idee ist im Allgemeinen zu loben, gegen die aristotelische und scholastische Zerstreuung, die jede Bestimmtheit überhaupt nur fixirten. Aber er zählt die Gegensätze, Momente des Schema’s nur auf. Die Ausführung ist Theils an die pythagoräischen Zahlen angeknüpft, so kunterbunt und willkürlich, – metaphorische, allegorische Zusammenstellungen und Paarungen, wo man ihm gar nicht folgen kann; es läuft hier Alles, in diesem Versuche zu ordnen, auf’s Unordentlichste durcheinander.

Es ist ein großer Anfang, die Einheit zu denken; und das Andere ist dieser Versuch, das Universum in seiner Entwickelung, im System seiner Bestimmungen aufzufassen, und zu zeigen, wie das Aeußerliche ein Zeichen ist von Ideen. - Dieß sind die beiden Seiten, die von Bruno aufzufassen waren.“ — Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, Zweiter Teil. Philosophie des Mittelalters, Dritter Abschnitt. Wiederaufleben der Wissenschaften. In: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie. Dritter Band. Berlin: Duncker und Humblot, 1836. pp. 224-244.

 

Algernon Charles Swinburne: The Monument of Giordano Bruno

I
Not from without us, only from within,
Comes or can ever come upon us light
Whereby the soul keeps ever truth in sight.
No truth, no strength, no comfort man may win,
No grace for guidance, no release from sin,
Save of his own soul’s giving. Deep and bright
As fire enkindled in the core of night
Burns in the soul where once its fire has been
The light that leads and quickens thought, inspired
To doubt and trust and conquer. So he said
Whom Sidney, flower of England, lordliest head
Of all we love, loved: but the fates required
A sacrifice to hate and hell, ere fame
Should set with his in heaven Giordano’s name.
 
II
Cover thine eyes and weep, O child of hell,
Grey spouse of Satan, Church of name abhorred.
Weep, withered harlot, with thy weeping lord,
Now none will buy the heaven thou hast to sell
At price of prostituted souls, and swell
Thy loveless list of lovers. Fire and sword
No more are thine: the steel, the wheel, the cord,
The flames that rose round living limbs, and fell
In lifeless ash and ember, now no more
Approve thee godlike. Rome, redeemed at last
From all the red pollution of thy past,
Acclaims the grave bright face that smiled of yore
Even on the fire that caught it round and clomb
To cast its ashes on the face of Rome.
 

Giordano Bruno: Cantus Circaeus. The Incantations of Circe.