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Guilelmus Peraldus:
Summa de vitiis

 

Guilelmus Peraldus: Summa de vitiis, zweite Hälfte des 13. Jh.

 

Guilelmus Peraldus: Summa de vitiis, zweite Hälfte des 13. Jh.

 

Guilelmus Peraldus:

Summa de vitiis.
Incipit fol. i1v: Dicturi de singulis vitiis.
Explicit fol. xiv13v: ... tacere uero nunquam. Explicit summa de uitiis.
Folgen drei bzw. zweispaltig: Register der Kapitel fol. xiv13v-xiv14v; eine Predigt „Sermo in epiphania domini“ fol. xiv15r-xiv16v; weitere Zusätze in brauner Tinte auf fol. xiv16v-xiv17r; und drei weiße Seiten fol. xiv17v-xiv18v.

Nordfrankreich, zweite Hälfte des 13. Jh.

Lateinische Handschrift auf feinem Pergament; frühgotische Minuskel in schwarzbrauner Tinte, meist einspaltig zu 31 Zeilen, Schriftspiegel 95 x 56 mm. Lagensignaturen und Reklamanten an den Lagenenden und -anfängen. Zwischentitel am äußersten Unterrand. Rot rubriziert, rote Kapitelüberschriften, 134 rote und blaue, bzw. rot/blaue, zwei bis dreizeilige Initialen, teils mit rot/blauem Federwerk im Rand. Von einer fast zeitgenössischen – im Duktus älteren – Hand mit zahlreichen, sehr feinen Marginalien in brauner Tinte versehen und von einer etwas späteren in fast schwarzer Tinte mit Zählung der cxxxiii Kapitel in margine sowie im Register.
Blattgröße 146 x 97 mm. [155] Blätter. Lagenkollation: i7, ij-vi8, vij10, viij12, ix-x10, xi12, xij14, xiij10, xiv18, xv2.

Geheft der Zeit auf vier Lederdoppelbünden, ohne Einband. In dunkelblauer, gefütterter Maroquinbox mit goldgeprägter Titelei auf Vorderdeckel.

Der Dominikaner und Theologe Wilhelm Peraldus (Guillaume Peyraut, geb. um 1200 in Ardèche, gest. 1271 in Lyon) war zwischen den Jahren 1261 bis 1266 Prior des Dominikaner-Klosters zu Lyon. Sein Hauptwerk bestehend aus „Summa de vitiis“, geschrieben um 1236, und „Summa de virtutibus“, geschrieben vor 1249, ist eine der populärsten moralischen Abhandlungen des Mittelalters. Es stellt eine Art moraltheologisches Handbuch dar, das im 14. und 15. Jh. auch in die Nationalsprachen übersetzt und im 15. bis 16. Jh. in zahlreichen Editionen gedruckt wurde. Quellen für diese Summe sind neben der Bibel und den Kirchenvätern auch die lateinischen Klassiker. Noch für Geiler von Kaisersberg war es eine Fundgrube für Predigt und Askese.

Fehlt das erste Blatt. Kustoden, Lagensignaturen und Zwischentitel teils beschnitten. Erste zehn Blatt mit diminuierender, kreisförmiger brauner Sengspur, dadurch auf den ersten Seiten Textverlust. Sonst von wenigen Fleckchen abgesehen sauber und frisch. – Schöne, frühe und insgesamt wohlerhaltene Handschrift.

Cf. A. Dondaine: Guillaume Peraut. Vie et oeuvres. 1948, pp. 162-236.
Die Abbildungen stammen aus meiner Liste 94, sind bearbeitet und geben nicht den Originalzustand wieder.

 

“The sin which is unpardonable is knowingly and wilfully to reject truth, to fear knowledge lest that knowledge pander not to thy prejudices.” — Aleister Crowley: Liber Libræ, 15.