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Jean Jacques Pauvert: Estampes érotiques révolutionnairesAbbildungenDeskriptionAnmerkungVerweise

Erotischer Manierismus

Jean Jacques Pauvert:

Estampes érotiques révolutionnaires. La Révolution Francaise et l'obscénité. Préface: Régine Deforges.

Paris: Henri Veyrier, 1989.

Quarto. 113, [13], [2 weiße] Seiten. Mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen.

Illustrierte Original-Broschur.

Satirische bis bösartige erotische Karikaturen. Opfer: Marie-Antoinette, Lafayette, Necker, u. v. a.

Leicht bestoßen, sonst gut.

First edition. Original wrappers. Good.

Erste Ausgabe.

 

Die Karikaturen zeigen einen manieristischen, dem Arcimboldos vergleichbaren Stil; solch erotischer Manierismus ist jedoch nicht eindeutig. Man bedient sich zwar der Mehrdeutigkeit von Sex und Liebe, sitzt dieser jedoch auf, kann sich nie sicher sein, ob die dargestellten Szenen abstoßend oder anziehend/erregend wirken.
 

Giambattista Marino: Adone, Canto sesto

Lince privo di lume, Argo bendato,
vecchio lattante e pargoletto antico,
ignorante erudito, ignudo armato,
mutolo parlator, ricco mendico,
dilettevole error, dolor bramato,
ferita cruda di pietoso amico,
pace guerriera e tempestosa calma,
la sente il core e non l’intende l’alma.
Volontaria follia, piacevol male,
stanco riposo, utilità nocente,
disperato sperar, morir vitale,
temerario dolor, riso dolente:
un vetro duro, un adamante frale,
un’arsura gelata, un gelo ardente,
di discordie concordi abisso eterno,
paradiso infernal, celeste inferno.
— 173-174.

Blinder Luchs,verbundener Argus,
säugender Greis und altes Kind,
gebildeter Ignorant, gepanzerter Nackter,
stummer Sprecher, reicher Bettler,
beglückender Irrtum, gesuchter Schmerz,
grausame Wunde eines mitleidigen Freundes,
kriegerischer Friede und stürmische Ruhe;
es fühlt sie das Herz, und die Seele begreift sie nicht.
Willentlicher Wahn, vergnügliches Böses,
müde Ruhe, verderblicher Nutzen,
verzweifeltes Hoffen, lebendes Sterben,
kühne Angst, gequältes Lachen,
unzerstörbares Glas, fragiler Diamamt,
gefrorene Hitze, glühendes Eis,
Discordie Concordi pflichten dem ewigen Abgrund bei,
höllisches Paradies, himmlische Hölle.
— Gustav René Hocke: Die Welt als Labyrinth.
Manier und Manie in der europäischen Kunst.
Von 1520 bis 1650 und in der Gegenwart
.
Hamburg; Rowohlt, 1957. p. 183.
(Die letzten vier Zeilen von mir korrigiert. rfm)