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Gedächtnishilfe mittels angeordneter Bilder

Johannes Paepp:

Schenckelivs detectus: | Seu, | MEMORIA | ARTIFICIALIS | HACTENVS OCCVLTATA, | ET A MVLTIS QVAM DIV | Desiderata: | IN GRATIAM OPTIMARVM | artium, ac ſapientiæ ſtudioſorum luce donata | à I. A. P. G. S. P. D. | Nunc primum poſt Lugdunenſem editio-|nem in Germania edita. | Hanc artem Principes & alij nobiles, cum Eccle-|ſiaſtici, tum ſeculares addidicerunt, exercuerunt, | & mirifice probarunt, vt ex ſequnenti-|bus notum fiet. | Tantum ſcimus quantum memoria tenemus.

Köln: Conrad Butgen, 1617.

Duodecimo. 122 × 71 mm. 200, [2] Seiten. - Lagensignaturen: A-H12, I6 (-fol. I6 weiß). Mit Holzschnittinitialen.

Moderner hellbrauner Halbledereinband mit fünf erhabenen Bünden auf dem Rücken, die durch vergoldete Doppellinien abgesetzt sind, auf zweitem Feld ein dunkelblaues Titelschildchen, unten Ort und Jahr. Rücken und breite Ecken mit hellem Kalbleder, die Deckel mit Marmorpapier bezogen. Am Ende des Buchblockes zusätzlich einige weiße Lagen eingefügt.

Erste in Deutschland gedruckte Ausgabe, im gleichen Jahr wie die Lyoner Erstausgabe erschienen, doch wesentlich seltener als diese. Der Text entspricht genau dem der Lyoner Erstausgabe, welche ebenfalls nach dem Finis noch zwei Seiten mit „Clauicula ...“ aufweist.
¶ Lambert Schenkel (1547-1603) „had a disciple and imitator, one Johannes Paepp. The works on memory of this Paepp are deserving of rather careful attention because he plays a rôle which may be vulgarly described as letting the cat out of the bag. He, as he describes it, detects Schenkel or reveals the secret of the occult memory hidden in Schenkel’s books. This purpose is stated in the title of his first book (...) The tell-tale Paepp mentions a name which Schenkel never mentions, Jordanus Brunus, and the secret which he reveals seems to be somewhat of a Brunian nature. Paepp has been a careful student of Bruno’s works, particulary of Shadows from which he quotes several times. And his long lists of magic images to be used as memory images are very reminiscent of those in Images. Arcane philosophical mysteries, says Paepp, are contained in the art of memory.“ Yates: „The Art of Memory“, p. 301. Zu Schenkel siehe ebenda p. 300 sqq. und Jöcher IV,252-3.
¶ Schenkels hier dargelegtes System beeinflußte sogar noch Descartes, cf. dessen „Cogitationes privatae“ und Yates p. 374.

Durchgehend papierbedingt gebräunt. Ohne das letzte weiße Blatt. Provenienz: Exlibris von Robert J. Hayhurst auf dem vorderen Spiegel.

Young 265 & 266 nur mit der Lyoner Ausgabe von 1617. Nicht bei: Caillet, Ackermann, Rosenthal, Krivatsy, NUC, Paisey – Bibliographien.

 

Mnemonik

Mnemonik (μνᾶσθαι, erinnern; μνήμον, achtsam; τὸ μνημονικόν, sc. τέχνημα, was das Gedächtnis mechanisch unterstützt, ars memoriae), die allgemeine Bezeichnung für Methoden zur Unterstützung des Gedächtnisses. Das Prinzip besteht darin, den Geist in die Lage zu versetzen, eine relativ ungewohnte Idee und insbesondere eine Reihe dissoziierter Ideen zu reproduzieren, indem er sie mittels eines künstlichen Ganzen verbindet, dessen Teile sich gegenseitig andeuten. Zu den bekannten Beispielen für metrische Mnemonik gehören die „Geschlechterreime“ der lateinischen Grammatik, die von Logikern erfundenen Hexameterlinien, der Vers zum Erinnern der Anzahl von Tagen in den Monaten. Die Methoden sind zahlreich. Das Gedächtnis wird von Psychologen üblicherweise danach klassifiziert, wie es (a) mechanisch, durch Aufmerksamkeit und Wiederholung trainiert wird; (b) umsichtig, durch sorgfältige Auswahl und Koordination; und (c) mittels künstlicher Methoden, i. e. Mnemotechnik, Mnemonik. Es muß beachtet werden, daß nur Mnemonik mit den Eigenschaften (a) und (b) irgendeinen Wert besitzt. Es handelt sich im Wesentlichen darum, Aufmerksamkeit und Wiederholung zu verwenden, zudem ist eine sorgfältige Auswahl erforderlich. Im technischen Sinne beschränkt sich das Wort auf jene Anwendungssysteme, die von verschiedenen Schriftstellern, Philosophen und Wissenschaftlern ausgearbeitet wurden.

Mnemonische Systeme wurden von griechischen Sophisten und Philosophen gepflegt und finden sich bei Platon und Aristoteles wiederholt erwähnt. In späteren Zeiten wurde deren Erfindung dem Dichter Σιμωνίδης ὁ Κεῖος, Simonides von Keos (557/556 – 468/467) zugeschrieben, vielleicht aus keinem anderen Grund als dem, daß die Kraft seines Gedächtnisses berühmt war. Cicero, der dieser Kunst Bedeutung beimißt, aber mehr dem Ordnungsprinzip als bester Erinnerungshilfe, spricht von Καρνεάδης, Karneades von Athen (214/213 – 129/128), einem Skeptiker, und Μητρόδωρος ὁ Σκήψιος, Metrodorus von Skepsis (um 145 – 70) als Vorbilder für die Verwendung geordneter Bilder als Gedächtnishilfe. Letzterer soll nach Plinius die Kunst „ut nihil non iisdem verbis redderet auditum“ weitergetragen haben. Die Römer schätzten solche Methoden als Hilfsmittel öffentlicher Rede. Cf. Rhetorica ad Herennium, III,16-24; Quintilian: Institutio Oratoria, XI,ii,17-22, dessen Darstellung jedoch etwas unvollständig und unklar ist. Zu seiner Zeit hatte die Kunst fast aufgehört, praktiziert zu werden.

Das griechische und römische System der Mnemonik beruhte auf der Verwendung von mentalen Orten und Zeichen oder Bildern. Die übliche Methode bestand darin, ein großes Haus zu wählen, dessen Wohnungen, Wände, Fenster, Statuen, Möbel u.s.w. durch Bilder mit bestimmten Namen, Phrasen, Ereignissen oder Ideen verbunden waren. Um sich an diese zu erinnern, war es notwendig, die Wohnungen des Hauses zu durchsuchen, bis der bestimmte Ort entdeckt wurde, an dem sie durch Imagination deponiert worden waren. „Itaque eis, qui hanc partem ingeni exercerent, locos esse capiendos et ea, quae memoria tenere vellent effingenda animo atque in eis locis conlocanda; sic fore, ut ordinem rerum locorum ordo conservaret, res autem ipsas rerum effigies notaret atque ut locis pro cera, simulacris pro litteris uteremur.“ Cicero: De oratore II,354.Es müßten daher jene, die dieses Geistesvermögen üben wollten, gewisse Plätze auswählen, das, was man im Gedächtnis behalten wollte, sich unter einem Bild vorstellen und zu diesen Plätzen einreihen. So würde die Ordnung der Plätze die Ordnung der Sachen bewahren; die Sachen selbst aber durch Bilder bezeichnet, und so könnten wir uns der Plätze statt der Wachstafeln und der Bilder statt der Buchstaben bedienen.

Abgesehen davon, daß sich Martianus Capella auf Regeln der Mnemonik bezieht, ist bis zum 13. Jahrhundert über deren Ausübung nichts weiter bekannt. Zu den umfangreichen Schriften Roger Bacons gehört ein Traktat De arte memorativa. Raimon Lull widmete der Mnemonik im Zusammenhang mit seiner Ars Generalis Aufmerksamkeit.

Verfasser der ersten ars memoriae oder ars memorativa ist Jacobus Publicius (gest. um 1510?) aus Salamanca in Spanien: Artis oratoriae epitoma, Ars epistolandi, Ars memorativa. Venedig: Erhard Ratdolt, 30.11.1482, das Werk beeinflußte noch Robert Fludd. Die Ars memorativa wurde ab Ende des 15. Jahrhunderts auf Basis philosophischer, rhetorischer, religiöser und medizinischer Fachgebiete betrieben, als eine Technik benötigt wurde, anwachsende Wissensmengen zu bewältigen und nach Belieben zu selektieren, abzuspeichern und aufzurufen.

Die erste wichtige Modifikation der römischen Methode war die des deutschen Dichters Konrad Celtes, der in seinem Epitoma in utramque Ciceronis rhetoricam cum arte memorativa nova (1492) anstelle von Orten die Buchstaben des Alphabets verwendete. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erweckte Petrus de Ravenna (1448 – 1508) in Italien durch seine mnemonischen Taten ein derartiges Erstaunen, daß er von vielen als Nekromant angesehen wurde. Sein Bestseller Phoenix, sive artificiosa memoria (Venedig, 10. Januar 1491) durchlief mehrere Ausgaben, die siebte erschien 1608 in Köln. Einen ebenso großen Eindruck hinterließ Anfang des 16. Jahrhunderts Lambert Thomas Schenkel (1547 – 1625): Gazophylacium artis memoriae, Argentorati: Antonius Bertramus, 1609. Er lehrte die Mnemonik in Frankreich, Italien, Deutschland und veröffentlichte, obwohl er von der Universität von Louvain als Zauberer denunziert wurde, seinen Traicté de la mémoire divisé en deux livres, Arras: Guilaume de la Rivière, 1593, mit der Sanktion der theologischen Fakultät von Douai. Die vollständigste Darstellung seines Systems findet sich in zwei Werken seines 1619 in Venedig erschienenen Schülers Martin Sommer. 1618 veröffentlichte John Willis (1575 – 1625) in London: Mnemonica; sive Ars Reminiscendi: e puris artis naturæque fontibus hausta, et in tres libros digesta, necnon de Memoria naturali fovenda libellus e variis doctissimorum operibus sedulo collectus mit einer klaren Darstellung der Prinzipien der aktuellen oder lokalen Mnemonik. Giordano Bruno hat im Zusammenhang mit seiner Darstellung der Ars Generalis von Lull eine memoria technica in seine Abhandlung De umbris idearum aufgenommen. Weitere Autoren dieser Zeit sind Johann Romberch (1533); Hieronimo Morafiot: Ars memoriae (1602); Giambattista della Porta (1535 – 1615): Ars reminiscendi, 1602.

Giambattista della Porta bietet einen faszinierenden Überblick zu frühneuzeitlichen Ideen über das Gedächtnis, seine Bedeutung sowie eine ausführliche Methode zur Stärkung der Erinnerungsfähigkeit. Für ihn steht Erinnerung als grundlegende Verteidigung gegen Sterblichkeit und Vergänglichkeit. Wissen und Erfahrung haben weder Nutzen noch Existenz, es sei denn, auf sie kann über das Gedächtnis zugegriffen werden. Um dies zu organisieren, empfiehlt Porta, eine Bildergalerie mit eindrucksvollen Bildern von Personen oder Personengruppen zu erstellen. Er erwähnt die wichtige Rolle zeitgenössischer Gemälde und Skulpturen bedeutender Künstler seiner Zeit, darunter Tiziano Vecelli, Raffaello Sanzio da Urbino und Michelangelo Buonarroti, die dem Gedächtnis stärker anhaften als gewöhnliche dies könnten. Porta behauptet, daß das Wiederherstellen des Gedächtnisses dem Auffrischen der Farben eines verblaßten Gemäldes gleiche. Seine Herangehensweise an die antike Erinnerungskunst ist ausgesprochen ikonisch – nicht architektonisch, wie es für viele mittelalterliche und frühneuzeitliche Werke der Mnemonik typisch ist, daneben sowohl linear wie räumlich. Besonders in der 1566 erschienenen italienischen Arte del Ricordare empfiehlt Porta bildlich-erotische Fantasien wie den sodomitischen Geschlechtsverkehr als stärkste Erinnerungshilfe. Um seinen Standpunkt zu veranschaulichen, benennt er Beispiele aus den Metamorphosen von Ovid und Lucius Apuleius. In einer Weise, die deutlich an seine Rezepte mit halluzinogenen Drogen erinnert, sowie an seine naturalistische Herangehensweise im allgemeinen, ist er der Ansicht, daß solche erotischen Phantasmata derart wirksam sein können, daß sie möglicherweise in der Lage seien, das Gedächtnis zu zerstören, das Bild nicht aufzufrischen, sondern zu verwischen.

Johann Just Winckelmann (1620 – 1699), Pseudonym Stanislaus Mink von Weunßhein, gab 1648 sein „fruchtbarstes Geheimnis“ der Mnemonik bekannt, nämlich die Verwendung von Konsonanten für Ziffern, um Zahlen durch Wörter auszudrücken, wobei Vokale nach Bedarf beizufügen sind. Leibniz übernahm ein dem von Winckelmann ähnliches Alphabet im Zusammenhang mit seinem Schema für eine allen Sprachen gemeinsame Schreibweise. Der Winckelmannsche Zifferncode wurde von den meisten nachfolgenden Systemen mit geringfügigen Änderungen übernommen.

Richard Grey (1694 – 1771) veröffentlichte 1730 eine Memoria technica, Or a New Methods of Artificial Memory, Applied to and Exemplified in Chronology History Geography Astronomy, Also Jewish, Grecian and Roman Coins, Weights, Measures, &c. With Tables Proper to Their Respective Sciences and Memorial Lines Adapted to Each Table. Seine Methode lautet kurz: „Um sich an irgendetwas in der Geschichte, Chronologie, Geographie u.s.w. zu erinnern, wird ein Wort gebildet, das beginnend damit, daß es die erste Silbe oder die ersten Silben des Gesuchten darstellt, durch häufige Wiederholung der andere Teil nachgezogen wird, der so konstruiert ist, daß er die Ergänzung gibt. So geschah die Sintflut im Jahr zweitausenddreihundertachtundvierzig vor unserer Zeit; dies wird durch das Wort Del-etok bezeichnet, Del steht für Sintflut und etok für 2348.“ Um die mnemonischen Wörter im Gedächtnis zu behalten, wurden sie zu Gedächtnislinien geformt, die sich jedoch aus seltsamen Wörtern in schwieriger Hexameterskandierung zusammensetzen und sich keineswegs leicht merken lassen. Der Vokal oder Konsonant, den Grey mit einer bestimmten Figur verband, wurde willkürlich gewählt.

Gregor von Feinaigle (1760 – 1819), ein deutscher Mönch aus Salem, der sich nach der Säkularisierung seinen Unterhalt als Wanderlehrer und Gedächtniskünstler in Frankreich und England verdiente, veröffentlichte 1804 in Straßburg: Kunst des Gedächtnisses, alle Arten von Wissenschaften auf eine ebenso leichte als haltbare Weise zu erlernen und im Gedächtnis zu befestigen. Die beste Darstellung findet man in der von John Millard herausgegebenen englischen Version: The New Art of Memory, founded upon the principles taught by M. Gregor von Feinaigle, and applied to Chronology, History, Geography, Languages, Systematic Tables, Poetry, Prose, and Arithmetic. To which is added some account of the principal systems of artificial memory, from the earliest period to the present time; with instances of the extraordinary powers of natural memory, London, 1812. Eine Eigenschaft seines Systems der Mnemonik, das auf Winckelmann basiert, besteht darin, die numerischen Zahlen durch Buchstaben darzustellen, die aufgrund einer Ähnlichkeit oder einer zufällige Verbindung ausgewählt werden. Dieses Alphabet wird durch ein kompliziertes System von Orten und Zeichen ergänzt. Er kam 1811 nach England, einer seiner Schüler veröffentlichte: Mnemonik oder praktische Gedächtniskunst zum Selbstunterricht nach den Vorlesungen des Herrn von Feinaigle, Frankfurt a. M., 1811.

Eine vereinfachte Form von Feinaigles Methode wurde von Aimé Paris (1798 – 1866) in: Principes et applications diverses de la mnemonique, 7. Aufl., Paris, 1834, veröffentlicht. Die Verwendung symbolischer Bilder wurde in Zusammenhang mit dieser von Antoni Jaiwifisky wiederbelebt, dessen System in einem Bericht des polnischen Generals J. Bern: Exposé general de la methode mnémonique polonaise, perfectionnée à Paris, Paris, 1839, veröffentlicht wurde. Verschiedene andere Modifikationen der Systeme von Feinaigle und Aime Paris wurden von späteren Mnemonisten entwickelt, darunter Major Beniowsky: A handbook of phrenotypics for teachers and students. Part I., Development of the principle of familiarity. London: Published by the Author, 1842; François Fauvel Gouraud (1808 – 1847): Phreno-Mnemotechny or The Art of Memory, Houel and Macoy, 1844; Carl Christian Otto (1817 – 1873), Pseudonym Karl Otto Reventlow: Lehrbuch der Mnemotechnik nach einem durchaus neuen auf das Positive aller Disciplinen anwendbaren Systeme, Stuttgart und Tübingen: Cotta, 1843, Wörterbuch der Mnemotechnik nach eignem Systeme, Stuttgart und Tübingen: Cotta, 1844, sowie zwei weitere Werke für Schulen; solche bildhaften Merktechniken wurden besonders im Unterricht angewandt, um mathematisches und historischen Wissen aufzunehmen, die Technik „nicht zerlegbarer Grundbilder“ gilt als maßgeblich für die Entwicklung der Mnemonik; und Pliny Miles (1818 – 1865): American Mnemotechny, or Art of Memory, theoretical and practical; on the Basis of the Most Recent Discoveries and Improvements in Europe and America: Comprising the Principles of the Art, As Applied to Ancient History, Sacred and Profane; Modern European, Asiatic and American History; Remarkable Battles, Treaties of Peace, Great Discoveries and Inventions, Biographies of Eminent Persons, Sovereigns of England and France, Presidents of the United States, Geographical Tables, Latitudes and Longitudes, Chemical and Astronomical Statistics, Sentiments of Flowers, Mythology, Prose, Poetry, Names, Etc., Etc., Etc. with a Mnemotechnics Dictionary, 3d ed., New York: Pub. for the author, by Wiley and Putnam, 1848; und Elements of phreno-mnemotechny, or, Art of acquiring Memory, Richmond: H. K. Ellyson, 1845.

Diese komplizierten Gedächtnissysteme sind fast völlig außer Mode geraten. Doch Methoden, die hauptsächlich auf den sogenannten Assoziationsgesetzen beruhen, wurden weiterhin veröffentlicht, so von Hermann Kothe: Lehrbuch der Mnemonik oder Gedächtnißkunst, Hamburg & Leipzig: Schuberth & Co., 1848, System der Mnemonik oder Gedächtnißlehre. Theoretisch praktische Anleitung zur raschen Erlangung eines vorzüglichen Kunstgedächtnisses, Kassel: J. G. Luckhardt, 1853, und Katechismus der Mnemotechnik oder Gedächtnißlehre. Zweite, sehr verbesserte und vermehrte Auflage von J. B. Montag, Leipzig: J. J. Weber, 1863; und Hugo Weber-Rumpe: Mnemonischen Zahlwörterbuch, Breslau, 1885, und Mnemonische Unterrichtsbriefe, 1882-1888; Edward Pick: On memory and the rational means of improving it, London: Trübner & Co., 1861, und Lectures on memory culture, New York, Chicago: E. L. Kellogg & Co., 1899.

Die römischen Texte:

Rhetorica ad HerenniumMarcus Tullius CiceroMarcus Fabius Quintilianus
 

Bibliographie

Morris N. Young:
Bibliography of Memory.
Philadelphis and New York: Chilton, 1961.

Etwa 5000 Einträge: Bücher, Beiträge in Periodika, Handschriften, Kleinschriften, selbst Spiele. Alphabetisch nach Autoren mit dem Anonyma am Ende. Verzeichnis der Periodika. Umfangreichste Bibliographie zu diesem Thema.
 

 

Giordano Bruno: Cantus Circaeus

Giordano Bruno:
Cantus Circaeus. The Incantations of Circe. Which has been arranged with regard to the work on the Art of Memory which he has entitled The Judicary. Translated by Darius Klein.
Seattle, Washington: Ouroboros Press, 2009.
Small octavo. [6], 138 pp. Nine b/w illustrations in the text for the Art of Memory.
Original black cloth, spine gilt with title. Original dust-jacket.

Contents: Preface; John Regnault’s Introduction; Giordano Bruno’s Introduction; First Dialogue between Circe & Moeris; Second Dialogue the Art of Memory; The Nolan’s Other Art & Riddle.
First English translation. — lat. Text.
 

“The Roman orators used a mnemonic which is described in the Ad Herennium and referred to by Cicero and Quintilian. It consisted in memorising a series of places in a building, and attaching to these memorised places, images to remind of the points of the speech. The orator when delivering his speech, passed in imagination along the order of memorised places, plucking from them the images which were to remind him of his notions. Not only buildings could be used as a memory place system: Metrodorus of Scepsis is said to have used the zodiac as the foundation of his memory-system.

This classical art, usually regarded as purely mnemotechnical, had a long history in the Middle Ages and was recommended by Albertus Magnus and Thomas Aquinas. In the Renaissance, it became fashionable among Neoplatonists and Hermetists. It was now understood as a method of printing basic or archetypal images on the memory, with the cosmic order itself as the ‘place’ system, a kind of inner way of knowing the universe. The principle is already apparent in the passage in Ficino’s De vita coelitus comparanda in which he describes how the planetary images or colours, memorised as painted on the vaulted ceiling, organised for the man who had so memorised them, all the individual phenomena which he perceived on coming out of his house. The Hermetic experience of reflecting the universe in the mind is, I believe, at the root of Renaissance magic memory, in which the classical mnemonic with places and images is now understood, or applied, as a method of achieving this experience by imprinting archetypal, or magically activated, images on the memory. By using magical or talismanic images as memory-images, the Magus hoped to acquire universal knowledge, and also powers, obtaining through the magical organisation of the imagination a magically powerful personality, tuned in, as it were, to the powers of the cosmos. This amazing transformation, or adaptation, of the classical art of memory in the Renaissance has a history before Bruno, but in Bruno it reached a culmination. The De umbris idearum and the Cantus Circaeus, which we discuss in this chapter, are his two first works on magic memory. They reveal him as already a magician before he came to England.” — Francis A. Yates: Giordano Bruno and the Hermetic Tradition, pp. 191-192.

“The other book on magic memory published in Paris has for its heroine that great sorceress Circe, the daughter of the Sun. The title of it is Cantus Circaeus, and it is dedicated by Jean Regnault to Henri d’Angouleme, Grand Prieur de France, an important personage at the French court for he was semi-royal, being the illegitimate son of Henri II. Regnault says that Bruno had given him the manuscript and asked him to edit it for publication. Published in 1582, the same year as the De umbris idearum, it is later than that work which is referred to in the preface as having been dedicated to the Most Christian King.

It opens with a terrific incantation to the Sun by Circe, mentioning all his names, attributes, animals, birds, metals, and so on. From time to time, her assistant, Moeris, has to look out to inspect the line of the sun’s rays and to see if the incantation is working. There is a distinct though slightly garbled reference to Ficino’s De vita coelitus comparanda in this incantation, on the sun as the vehicle of inscrutable powers reaching us from the ‘ideas’ through ‘reasons’ in the soul of the world, and on the power of herbs, plants, stones, and so on to attract spiritus. Circe then makes equally terrific, though not quite so long, incantations to Luna, Saturn, Jupiter, Mars, Venus, and Mercury, finally adjuring all the seven rulers to listen to her. She is at the same time doing magic with arrangements of plants, stones, etc., and holding out ‘writings of the sacred gods’ on a plate, drawing characters in the air, whilst Moeris is instructed to unfold a parchment on which are most potent notae, the mystery of which is hidden from all mortals.

Bruno’s main source for the incantations in this work, as for his celestial images in the De umbris, is the De occulta philosophia of Cornelius Agrippa.” — pp. 199-200.
 

Cantus Circaeus, Dialogus primus

„Sol qui illustras omnia solus. Apollo, carminis audior, pharetrate, arcitenens, sagitti-potens, Pythie, lauriger, fatiloque, pastor, vates, augur, & medice. Phæbe, rosee, crinite, pulchricome, flaue, nitide, placide, cytharæde, cantor, & veridice. Titan, Milesi, Palatine, Cyrrhæe, Timbræe, Deli, Delphice, Leucadice, Tegæe, Capitoline, Smynthæe, Ismeni, & Latialis. Qui mirabiles impertiris naturas elementis: quo dispensante tumescunt, & sedantur maria: turbantur & serenantur aër & æthera: viuida quoque intenditur, reprimitúrque ignium vis atque potentia. Cuius ministerio viget istius compago vniuersi, inscrutabiles rerum vires ab ideis per animæ mundi rationes ad nos vsque deducens & infra, vnde variæ atque multiplices herbarum, plantarum cæterarum, lapiduinque virtutes, quæ per stellarum radios mundanum ad se trahere spiritum sunt potentes. (...)“

„Te quoque lunam appello. En & adsisto tibi. Profer (rogo te) tuos mergulos, grues, buteones, cyconias, graculos, anates, anseres, cæterásque volucres aquaticas. Lumacas, ligurinos, palmipedes, salpas, araneas, ictices, iuersas, lacertas, tuáque generis istius vniuersa: Rubetam, ranam, cancros, limacas, ossolas, tuáque cætera natantium. Te appello: quam Hecaten, Latonam, Dianam, Phæben, Lucinam, Triuiam, Tergeminam, Deamque triformem dicimus. Si agilis, omniuaga, pulcherrima, clara, candida, casta, innupta, verecunda, pia, misericors, & intemerata. Iaculatrix, honesta, animosa venatrix, regina cæli, manium gubernatrix, dea noctis, rectrix elementorum, terræ nutrix, animantium lactatrix, maris domina, roris mater, aëris nutrix, custos nemorum, syluarum dominatrix, tartari domitrix, laruarum potentissima insectatrix, consors Apollinis. Adsis Menala, Euxina, Pisæa, Latona, Auentina.“
 

 

Giordano Bruno: De umbris idearum

als Text und als elektronisches Faksimile

“And the dialogue in the De umbris idearum makes it quite clear that the instructor of Philothimus — and therefore of Filoteo or Teofilo, of the Nolan, of Giordano Bruno — is Hermes Trismegistus. It is Hermes who hands the book with the new philosophy and the new art in it to Philothimus; and this is the book on the Shadows of Ideas by Giordano Bruno, which is, in fact, written by Hermes — that is to say it is a book about magic, about a very strong solar magic. The allusion to the Lament in the Asclepius, describing how the magical religion of the Egyptians came in late, bad times, to be forbidden by legal statutes, relates this new Hermetic revelation vouchsafed to Giordano Bruno to the Egyptian religion, the religion of the intellect, or of the mind, reached beyond the worship of the visible sun. Those who forbade that religion by law, were, in the Augustinian interpretation of the Lament, the Christians, whose purer religion superseded that of the Egyptians. But, according to Bruno, the false Christian ‘Mercuries’ have suppressed the better Egyptian religion — an anti-Christian interpretation of Hermetism of which much more evidence will be adduced from Bruno’s works later on. (...) The book is arranged in groupings of thirty. First, there are thirty short paragraphs or chapters about intentiones, or seeking the light of the divinity through having an intention of the will towards shadows or reflections of it. (...) Then come thirty short chapters on ‘concepts of ideas’; these are vaguely Neoplatonic, with several mentions of Plotinus. (...) The lists of these images take up a considerable part of the book. They are arranged in thirty groups, each subdivided into sets of five, making one hundred and fifty images in all. (...) The magic images were placed on the wheel of the memory system to which corresponded other wheels on which were remembered all the physical contents of the terrestrial world — elements, stones, metals, herbs and plants, animals, birds, and so on — and the whole sum of human knowledge accumulated through the centuries through the images of one hundred and fifty great men and inventors. The possessor of this system thus rose above time and reflected the whole universe of nature and of man in his mind. (...) Bruno’s magic memory system thus represents the memory of a Magus, one who both knows the reality beyond the multiplicity of appearances through having conformed his imagination to the archetypal images, and also has powers through this insight. It is the direct descendant of Ficino’s Neoplatonic interpretation of the celestial images, but carried to a much more daring extreme.” — Francis A. Yates: Giordano Bruno and the Hermetic Tradition, pp. 194-199.