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Johann Neudörffer d. Ä.: Der große Schreibmeister der deutschen Renaissance

Der Renaissance-Schreibmeister

Johann Neudörffer d. Ä.: Der große Schreibmeister der deutschen Renaissance

Exemplar Kaprs

Johann Neudörffer d. Ä.:

Der große Schreibmeister der deutschen Renaissance. 48 Faksimile Tafeln aus verschiedenen Werken mit einer Einleitung von Albert Kapr.

Leipzig: VEB Harrassowitz, 1956.

Quer-Quarto. 213 × 307 mm. 93, [2], [1 weiße] Seiten. Mit 48 Lichtdruck-Faksimiletafeln aus verschiedenen Werken Neudörffers.

Handgefertigter naturfarbener Schweinsledereinband mit reicher Blindprägung auf Rücken und Deckeln. Der Rücken mit neun, zu je drei mal drei zusammengefaßten, zierlichen Bünden, waagrechten blindgeprägten Linien sowie der ebenfalls blindgeprägten Titelei auf zweitem Feld. Auf den Deckeln waagrechte blindgeprägte Linien, die den Raum der Bünde horizontal aussparen, auf dem Hinterdeckel durchgehend, auf dem Vorderdeckel mittig unterbrochen vom einbandhohen Zeichen Neudörffers, einem Kreuz über den Buchstaben H und N. Breite Lederinnenkanten mit blindgeprägten Linien wie auf den Deckeln, Lederinnenfälze; Spiegel und fliegende Vorsätze aus graubraunem Bütten. Kopfgoldschnitt, handgestochene rot/gelbe Seidenkapitale. Signiert auf dem hinteren Ledereinschlag unten: „Werkst. Dorfner Weimar“. Mit Leinwand bezogene Kassette, mit rotgeprägtem Titel auf dem Oberteil.

Ausgezeichneter Lichtdruck der Ingenieurschule „Otto Grotewohl“, Satz von Andersen Nexö, Druck durch die Hochschule für Grafik und Kunst in Leipzig. Buchgestaltung von Albert Kapr. — Dieses das Exemplar Kaprs, mit dessen handschriftlichem Namenseintrag auf dem zweiten fliegenden Vorsatz.

Cf. Friedl/Ott/Stein 405 - Doede p. 34. – Bibliographien.

 

Albert Kapr

Der Typograph Albert Kapr (20. Juli 1918 – 31. März 1995) war Professor für Schrift- und Buchgestaltung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Er bestimmte die Entwicklung von Schrift- und Buchkunst in der DDR mit und gestaltete ca. 200 Bücher. Er schuf mit Einstellung des pensionierten Stempelschneiders Otto Erler und durch Zusammenarbeit mit der Firma Typoart Dresden die Voraussetzungen für ein „Schriftlabor“ zur Gestaltung von Satzschriften. 1963 – 1977 fungierte Kapr als künstlerischer Leiter der Schriftgießerei VEB Typoart Dresden.

Weiteres zu den Dorfner-Einbänden.

 

Kalligraphie und Typographie

Gr. ϰαλλιγραφία, ϰαλός‚ schön, und -γραφία, γραφή von γράφειν, schreiben; arabisch خط اليد, khatt ul-yad; chinesisch 書法, shūfǎ; japanisch 書道, shodō; koreanisch 서예, seoye.

Gr. τυπογραφία, τύπος, Schlag, Abdruck, Figur, und -γραφία, γραφή von γράφειν, ritzen, zeichnen, schreiben.

Eine schöne Schrift muß nicht unbedingt einfach lesbar sein, das ist nur Schulniveau. Ihre Gestaltung bringt sowohl Handfertigkeit wie Charakter des Schreibenden zum Ausdruck:

Theon Smyrnaios: De utilitate mathematicae

Wang Xizhi (王羲之, ca. 303-361): Timely Clearing After Snowfall

Der Setzkasten des Buchdruckers hingegen blieb in seinem Umfang begrenzt, auch wurde jeder Buchstabe nach derselben Vorlage gegossen, dies sorgte für Vereinheitlichung des Schriftbildes bereits in der Inkunabelzeit:

Petro Bembo: De Aetna. Venedig: Aldus, 1495

Nur Ligaturen lockerten und lockern das Druckbild etwas auf:

Le terze rime di Dante. Venedig: Aldus, 1502

 

Werke zu Kalligraphie und Typographie

Werner Doede:
Bibliographie deutscher Schreibmeisterbücher von Neudörffer bis 1800.
Hamburg. Hauswedell, 1958.

Sowie die Ergänzungen in Philobiblon; 1. Jg., Heft 1, pp. 20-29 & 27. Jg. Heft 4, pp. 275-294.

Werner Doede:
Schön schreiben, eine Kunst. Johann Neudörffer und die Kalligraphie des Barock..
München: Prestel, 1988. Quarto. 155, [1] Seiten. Mit 152, [3] teils ganzseitigen Abbildungen. Original-Broschur.

Guter Überblick zur Kalligraphie des Barock, mit Beispielen aus Schreibmeisterbüchern aller Länder.

Ludovico degli Arrighi:
La Operina da Imparare di scrivere littera Cancellarescha.
Rom, 1522.

Giovannantonio Tagliente:
Lo presente libro insegna la vera arte de lo excellente scrivere de diverse varie sorti de litere. Italien, 1524 & 1546.

Giovanni Battista Verini:
Luminario da imparare ascriueri de ogni forte Littera.
Mailand, 1536.

Gerard Mercator:
Literarum latinarum, quas italicas, cursoriasque vocant scribendarum ratio.
Louvain, 1540.

Berthold Wolpe:
A Newe Booke of Copies.
England, 1574.

Stanley Morison:
Early Italian Writing-Books. Renaissance to Baroque. Edited by Nicolas Barker.
Verona: Edizioni Valdonega & London: The British Library, 1990.

Mit 21 s/w Abbildungen; Druck der Stamperia Valdonega.

Albinia Catherine De la Mare:
The Handwriting of Italian Humanists. Volume I. Fascicule 1. Francesco Petrarca, Giovanni Boccaccio, Coluccio Salutati, Niccolò Niccoli, Poggio Bracciolini, Bartolomeo Aragazzi of Montepulciano, Sozomeno of Pistoia, Giorgio Antonio Vespucci.
Printed at the University Press, Oxford for The Association Internationale de Bibliophile, 1973. Folio. xix, [1 blank] 143, [1 blank] pp. With colour frontispiece and XXV b/w plates with numerous illustrations. Original cloth-backed boards, spine gilt with title.

First edition, all published. Including index of mss and incunabula.

Jonathan James Graham Alexander & Albinia Catherine De la Mare:
The Italian Manuscripts in the Library of Major J. R. Abbey.
London: Faber and Faber, 1969. Large-Quarto. xliv, 187, [1 blank] pp. Lxxx monochrome plates, 6 colour plates. Original cloth, gilt.

63 manuscripts with meticulous descriptions. Index of mss, general index.

John Stevens:
Sacred Calligraphy of the East.
Boulder & London: Shambhala, 1981.

Mit 231 s/w Abbildungen.

George Abrams:
The George Abrams Collection.
London: Sotheby’s, 1989. Large Quarto. Coloured frontispiece, numerous coloured and monochrome plates - a number full-page - in the text. Original cloth, spine and upper cover gilt, coloured illustration mounted on upper cover.

The catalogue of this outstanding collection of 130 incunabula and 108 sixteenth century books is printed in Abrams Venetian, the typeface designed by George Abrams for the use of the Printer of the Royal Danish Court. The sale was held 16-17 November 1989, the descriptions of the incunabula by Paul Needham. With indices, rubbings of rare binding stamps, and a bibliography.

Stanley Morison:
Handbuch der Druckerkunst. 250 Beispiele mustergültiger Antiquadrucke aus den Jahren 1500 – 1900..
Berlin: Wasmuth, 1925. Quarto. [16], [148] Seiten. Mit 245 Abbildungen auf 148 Kunstdrucktafeln. Original-Leinwand.

Erschien zeitgleich mit der englischen Ausgabe. Eine der besten Bildgeschichten zur Entwicklung der Antiqua und Kursive und zugleich eine hervorragende Präsentation mustergültiger Buchseiten.

Stanley Morison:
Grundregeln der Typographie.
Berlin: Gallus Druckerei, um 1955. Octavo. 33, [3 weiße] Seiten. Original-Leinwand.

Übersetzung aus dem Englischen von Arno Krause wurde von Jan Tschichold durchgesehen. Schöner Druck in der Monotype Centaur.

Jan Tschichold:
Meisterbuch der Schrift. Ein Lehrbuch mit vorbildlichen Schriften aus Vergangenheit und Gegenwart (...).
Ravensburg: Otto Maier, 1965.

Jan Tschichold:
Geschichte der Schrift in Bildern.
Basel & Frankfurt/Main: Holbein-Verlag, 1951. Gr.Octavo. 15, [1 weiße], 70, [2 weiße] Seiten. Mit 70 ganzseitigen Abbildungen auf Kunstdrucktafeln. Original-Pappeinband mit Original-Umschlag. Dritte Ausgabe.

Pierre Simon Fournier le jeune:
Manuel typographique, utile Aux Gens de Lettres, & à ceux qui exercent les différentes parties de l’Art de l’Imprimerie. Tome I.
Paris: Imprimé par l’Auteur, & se vend chez Barbou, 1764. II: Paris: Chez l’Auteur, J. Barbou, 1766 (der zweite Band erschien erst 1768, wurde jedoch 1766 datiert). Octavo. 161 × 105 mm. I: Frontispiz, xxxij, 323, [5] Ss., XVI Bll. – II: Frontispiz, [2], xliv, [2], 306 Ss. Mit zwei Frontispizen, gestochen von Fessard nach Gravelot und de Sève; 16 gefalteten gestochenen Tafeln und 53 Ss. mit Typenbeispielen in Band I; in Band II 250 Seiten mit Beispielen von Typen, darunter fünf gefalteten Blatt Tafeln mit Noten, jene auf den Ss. 185-6 in rot und schwarz.

Das Werk beeinflußte Didot, Bodoni und viele andere Typographen des 18. & 19. Jh. Der erste Band enthält eine Beschreibung des Prozesses der Herstellung von Typen, der zweite fast 300 Seiten mit Beispielen von Schriften.

Daniel Berkeley Updike:
Printing Types, Their History, Forms, and Use. A Study in Survivals. Two volumes.
Cambridge: Harvard University Press, 1922. Gr.Octavo. I: xxxii, 276 Seiten. - II: xix, [1 weiße], 308, [2 weiße] Seiten. Mit 366 meist ganzseitigen, teils gefalteten Abbildungen. Original-Leinwandbände.

Reich illustriertes Standardwerk; ein fundierter Überblick zur Entwicklung der Druckschriften mit zahlreichen Belegabbildungen. Von größerer Genauigkeit in der Wiedergabe als die späteren Ausgaben.