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Sebastian Münster: ספר השרשים עם נגזרים, Dictionarium Hebraicum

Eines der bedeutendsten hebräischen Wörterbücher des 16. Jh.

Sebastian Münster:

ספר השרשים | עם נגזרים || DICTIONARIVM | HEBRAICVM, VLTIMO | ab autore Sebastiano Munſtero recogni-|tum, & ex Rabinis, præſertim ex Ra-|dicibus Dauid Kimhi, auctum | & locupletatum.
Kolophon, fol qq7v: BASILEAE, PER FROBENIVM | ET EPISCOPIVM, ANNO | M. D. LXIIII. MENSE | FEBRVARIO.

Basel: Ambrosius Froben & Nikolaus Episcopius, 1564.

Octavo. 162 × 108 mm. [6], [974], [1 weiße], [11] Seiten. - Lagensignaturen: a-z8, A-Z8. aa-qq8. Mit Holzschnittdruckermarke auf dem Titel und dem letzten Blatt verso, zwei größeren Holzschnittinitialen.

Handgefertigter blindgeprägter Schweinslederband der Zeit über Holzdeckeln und vier echten Doppelbünden. In den Deckelmitten ein ovales Ornament gefüllt mit orientalisierendem Bandwerk, darum eine Rolle mit Köpfen. Handgestochene naturfarbene Kapitale, Blauschnitt, kalligraphierter Rückentitel. Schließen entfernt.

Sebastian Münster (1488-1552), ab 1507 Franziskaner, studierte wohl in Heidelberg, hörte zu Freiburg Gregor Reisch, lernte Griechisch und Hebräisch bei Konrad Pellikan, in Tübingen studierte er 1514 bei Johann Stöffler, lernte auch Melanchthon und Reuchlin kennen. Ab 1524 lehrte er an der Heidelberger Universität Hebräisch, Mathematik und Geographie; 1529 wurde er Nachfolger Pellikans in Basel. „...aufgrund seiner Kenntnis des Hebräischen [teilte Münster] die lutherische Ansicht von der Fehlerhaftigkeit der Vulgata, auf deren Text sich die katholische Lehre stützte. (...) [Münster] gebührt das Verdienst, Basel zu einem anerkannten Zentrum der Hebraistik gemacht zu haben“ (NDB XVIII,539). Er verließ seinen Orden, um sich zum Protestantismus zu bekennen. (Cf. ADB XXIII,30-33 & NDB XVIII,539-541)
¶ Das „Dictionarium Hebraicum“ ist Münsters erste der hebräischen Sprache gewidmete, noch in der Heidelberger Zeit entstandene Schrift; erstmals 1523 erschienen und oft überarbeitet wurde sie eines der bedeutendsten hebräischen Wörterbücher des 16. Jahrhunderts und ist nebenbei eine satztechnische Meisterleistung.

Einband mit wohlerhaltener Prägung, leicht fleckig, Schließen entfernt; Exlibris. Titel und letztes Blatt mit hinterlegtem Ausschnitt im weißen Rand; sonst von minimalen Fleckchen abgesehen weiß und sauber, anfangs eine handschriftliche Paginierung. Schönes, dekoratives Exemplar.

Contemporary blindstamped pigskin over wooden boards, four raised bands, clasps gone; exlibris. Title and last leaf with repaired marginal tears, internal condition fine. One of the most influential Hebrew dictionaries of the 16th century, with Latin text.

Burmeister 22 - Adams M1926 - BM STC 633 - VD16 M6663. Nicht bei Vater, Zaunmüller, Cordell Collection – Bibliographienelektronisches Faksimile.

 

Das biblische oder klassische Hebräisch, עִבְרִית מִקְרָאִית (Ivrit Miqra’it) oder לְשׁוֹן הַמִּקְרָא (Leshon ha-Miqra), ist eine archaische Form des Hebräischen, eine Sprache im kanaanitischen Zweig semitischer Sprachen, die von den Bewohnern des bekannten Gebiet westlich des Jordan und östlich des Mittelmeers gesprochen wurde. Der Begriff „Hebräisch“ wurde jedoch nicht für die Sprache der Bibel verwendet, die als שְׂפַת כְּנַעַן,ַ (sefat kena’an, i. e. Sprache Kanaans, cf. Jesaja 19,18) oder יְהוּדִית (Yehudit, i. e. Judäisch, cf. 2. Kön. 18,26) bezeichnet wurde, sondern für jene in griechischen und mischnaischen hebräischen Texten verwendete.

Hebräisch ist ab dem 10. Jahrhundert v. u. Z. epigraphisch bezeugt. Nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahre 586 v. u. Z. durch Nebukadnezar II. und dem anschließenden babylonischen Exil gelangte die dortige Amtssprache Aramäisch unter den Juden in Umlauf, so daß Hebräisch und Aramäisch konkurrierten und Einflüsse von letzterem eindrangen. Gesprochenes Hebräisch blieb bis nach der Zeit des Zweiten Tempels bestehen, die mit der Belagerung Jerusalems im Jahre 70 endete. Es entwickelte sich zu Mischnaisch-Hebräisch, das bis zum fünften Jahrhundert gesprochen wurde. Um 200 wurde Hebräisch nicht mehr als Alltagssprache genutzt, blieb aber Sakralsprache, die in philosophischen, medizinischen, juristischen und poetischen Texten Verwendung fand.

Biblisches Hebräisch spiegelt im Konsonantenskelett verschiedene Stadien der hebräischen Sprache sowie ein Vokalsystem wider, das im Mittelalter von den Massoreten (בעלי המסורה, Ba’alei ha-Masora) hinzugefügt wurde. Es gibt auch Hinweise auf regionale dialektale Unterschiede, einschließlich jener zwischen dem biblischen Hebräisch, wie es im nördlichen Königreich Israel und im südlichen Königreich Juda gesprochen wurde. Der konsonantische Text wurde in handschriftlicher Form überliefert und in der Zeit des Zweiten Tempels redigiert, also ab 6. Jh. v. u. Z., aber seine frühesten Teile (von Amos, Jesaja, Hosea und Micha) können auf das späte 8. bis frühe 7. Jahrhundert v. u. Z. datiert werden.

Das biblische Hebräisch wurde mit verschiedenen Schriftsystemen geschrieben. Um das 12. bis zum 6. Jahrhundert v. u. Z. verwendete man das paläo-hebräische Alphabet. Dies wurde von den Samaritern beibehalten, die bis heute das absteigende samaritanische Alphabet verwenden. Das kaiserliche aramäische Alphabet verdrängte nach dem babylonischen Exil jedoch das paläo-hebräische allmählich und wurde zur Quelle für das moderne hebräische Alphabet. All diesen Schriften fehlten Buchstaben, um alle Laute des biblischen Hebräisch wiederzugeben, die sich jedoch in griechischen und lateinischen Transkriptionen bzw. Übersetzungen der Zeit auffinden lassen. Diese Schriften zeigten ursprünglich nur Konsonanten an, aber bestimmte Buchstaben, die unter dem lateinischen Begriff matres lectionis bekannt sind, wurden zunehmend zum Markieren von Vokalen verwendet. Im Mittelalter wurden verschiedene diakritische Systeme entwickelt, um in hebräischen Manuskripten die Vokale zu markieren. Von diesen ist nur noch die tiberiensische Vokalbezeichnung weit verbreitet.

Das biblische Hebräisch besaß eine Reihe ‚emphatischer‘ Konsonanten, deren genaue Artikulation umstritten, wahrscheinlich ejektiv oder pharyngealisiert ist, drei davon haben sich erhalten: ק, צ, ט. Das frühere biblische Hebräisch besaß drei Konsonanten, die keine eigenen Buchstaben im Schriftsystem hatten, aber im Laufe der Zeit mit anderen Konsonanten verschmolzen. Die Stoppkonsonanten entwickelten unter dem Einfluß von Aramäisch frikative Allophone, und diese Klänge wurden schließlich geringfügig phonemisch. Die pharyngealen und glottalen Konsonanten wurden in einigen regionalen Dialekten geschwächt, was sich in der modernen hebräischen Lesetradition der Samariter widerspiegelt. Das Vokalsystem des biblischen Hebräisch hat sich im Laufe der Zeit geändert und spiegelt sich unterschiedlich in altgriechischen wie lateinischen Transkriptionen, mittelalterlichen Vokalisierungssystemen und modernen Lesetraditionen wider.

Das biblische Hebräisch besaß eine typische semitische Morphologie mit nichtkonkatenativer Morphologie, wobei semitische Wurzeln in Mustern angeordnet wurden, um Wörter zu bilden. Es unterschied zwei Geschlechter, männlich und weiblich, Singular und Plural sowie einen seltenen Dual z. B. für paarweise auftretende Gegenstände oder Körperteile. Verben wurden für Stimme und Stimmung markiert und besaßen zwei Konjugationen, die möglicherweise auf Aspekt und/oder Spannung hinwiesen. Die Standardwortreihenfolge war Verb-Subjekt-Objekt, die Verben wurden nach Anzahl, Geschlecht und Person ihres Subjekts konjugiert. Suffixpronomen konnten, um ein Objekt anzuzeigen, an Verben oder, um Besitz anzuzeigen, an Substantive gehängt werden, und Substantive besaßen spezielle Konstrukte zur Verwendung in Possessivkonstruktionen.