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Peter Conrad Monath:
Primitiva latinae linguae, germanice explicata,
gallice accommodata, et figuris illustrata

 

Monath: Primitiva Latinae Linguae

 

Monath: Primitiva Latinae Linguae

 

Peter Conrad Monath:

PRIMITIVA | LATINAE LINGVAE, | GERMANICE EXPLICATA, | GALLICE ACCOMMODATA, | ET | FIGVRIS ILLVSTRATA. || Lateinisch- | Teutsch- und Französisches | Wörter-Buch, | Der Lieben Jugend | Zum nüzlichen und ergötzlichen Gebrauch, | Mit 1700. Figuren gezieret/ | und einem | Teutschen Register versehen.

Nürnberg: Lorenz Bieling für Peter Conrad Monath, 1736.

Octavo. 174 x 107 mm. Gestochenes figürliches Frontispiz, [6], [144] Seiten mit 71 ganzseitigen gestochenen Tafeln, jeweils mit 24 kleinen Abbildungen, die letzte Tafel mit 20 kleinen Abbildungen; [24] Seiten (Register).

Handgefertigter Pappband der Zeit, bezogen mit braunem Kiebitzpapier, goldgeprägtes rotes Rückenschildchen mit dem Titel.

„Denn, was ist denen Kindern anmuthiger, als die Bilder? und was vortheilhaftiger, als ihnen mit diesem Zucker die Nahrung, das ist, unter dem Spielen das Ernsthafte, oder mit dem Lustigen das Nützliche beyzubringen? Dieses nun zu effectuiren, habe ich in Ausfertigung gegenwärtigen annehmlichen, aber noch mehr nuzlichen Werkleins keinen Fleis, noch Unkosten gespahret, und die sämtliche Primitiva, auf ein Blat 36. gesetzet, aus denenselben aber jederzeit 24. bey denen es sich am besten thun lassen, heraus gesuchet, und sie mit Bildern vorgestellet. Solcher kleinen Figürlein sind mehr als 1700. der Wörter selbst aber über 2000“ (aus dem Vorwort).
¶ Das Frontispiz zeigt einen Lehrer, den Zeigestab in der rechten Hand, mit seinen Schülern vor einer der Tafeln, unter der sich der Sinnspruch „Ludendo discimus“ befindet.

Einband etwas fleckig, an den Gelenken und Kanten berieben, Ecken bestoßen; innen teils etwas fingerfleckig bzw. fleckig, nur wenig gebräunt. Für ein Gebrauchsbuch gut erhalten. Von großer Seltenheit.

Contemporary boards, gilt title on spine, rubbed. Stained, some browning. Scarce.

Wohl die erste Ausgabe. Cf. Brüggemann/Brunken II,711 (Titelvariante). Georgi III,247 mit einer sonst nicht nachweisbaren Ausgabe 1728. Nicht bei Wegehaupt, Rammsee, Cordell Coll., Zaunmüller etc – Bibliographien.

 

Die Bilder fungieren als mnemotechnische Hilfsmittel; das Gehirn speichert zu jedem von ihnen die gleichbedeutenden, ihm entsprechenden Vokabeln verschiedener Sprachen und kann sich dann mittels dieser Verbindung erinnern.

Andererseits könnten solche Bilder oder Symbole geeignet gewählt Metavokabeln erschaffen, die nicht nur die Bedeutungen ihrer Entsprechungen in zahlreichen Sprachen in sich vereinen, sondern gleichsam den Sinnhorizont ihrer selbst erweitern zu sowohl simpel sinntragenden Wörtern wie poetisch bedeutsamen Metaphern.

„Was gross ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, dass er ein Übergang und ein Untergang ist.“ — Nietzsche: Also sprach Zarathustra, Erster Teil, I,4.
 

Einen anderen Ansatz verfolgte Camille Chesnier-Duchesne in seinem Werk „LES HIÉROGLYPHES FRANÇAIS, OU MÉTHODE FIGURATIVE APPLIQUÉE À L’INSTRUCTION PRIMAIRE; CONTENANT EN OUTRE: 1e un Essai sur la Prononciation des Langues étrangères; 2e la plus simple des Sténographies; 3e un nouveau système de Blason; 4e l’Art d'Ecrire avec des Points, et de transmettre la Pensée par la seule indication de quelques Hiéroglyphes.“ Paris: Librairie encyclopèdique de Roret, 1843.
Chesnier-Duchesne: Les hiéroglyphes français

Merkwürdigerweise erscheinen auf dieser Hieroglyphentafel recht viele Sinnbilder für festina lente.
Chesnier-Duchesne: Les hiéroglyphes françaisChesnier-Duchesne: Les hiéroglyphes français

Da Hieroglyphen jahrhundertelang zuganglos verblieben und erst mittels der durch eine beigegebene Buchstabenschrift ersichtlichen Wortbedeutungen entschlüsselt wurden, scheint der Sinn neuerschaffener Symbol- oder Bildschriften fraglich. Die Aussprache fremder Zungen wurde durch die phonetischer Umschrift recht gut gelöst, in Zukunft werden dies eh jene kleinen Geräte in der Hand oder im Ohr erledigen. Last not least, Gedanken in Sprache zu transkribieren, dies haben unsere Gehirne von kleinauf gelernt, doch es bleibt die Abhängigkeit von der Vielfalt und Komplexität jeder Sprache als Sinnbrücke im Menschen selbst und in der Verständigung untereinander.
 

Als Abschluß sei ein eher monströses Werk in kleinem Format beigegeben: Jean-Marie Chassaignon (1743-1796): CATARACTES DE L’IMAGINATION, DÉLUGE DE LA SCRIBOMANIE, VOMISSEMENT LITTÉRAIRE, HÉMORRHAGIE ENCYCLOPÉDIQUE, Monstre des Monstres, Par Épiménide l’Inspiré. Lyon, Dans l’Antre de Trophonius, au pays des Visions, 1779, in vier Duodezbänden.
Jean-Marie Chassaignon: Cataractes de l'Imagination« Si, malgré tous mes aveux et mes protestations, on s’obstine encore à me démontrer que mon ouvrage est extravagant, et que je n’aurais jamais dû le mettre au jour, esprits froids, apathiques géomètres, m’écrierai-je, en lançant un regard de colère sur mes persécuteurs acharnés, qui n’avez jamais senti remuer votre être, tressaillir, fermenter vos facultés, qui n’avez jamais éprouvé le bouleversement d’une âme impétueuse, accablée du poids de ses idées, tourmentée par une excessive énergie et par un besoin d’explosion. Ah! si vous connaissiez les pénibles convulsions d’un enthousiasme retenu, plus indulgents, vous me plaindriez et vous applaudiriez aux débordements de mon imagination. » — Vorwort in Band I.
« Dieu vivant, qui lis dans le fond de mon âme, qui connaît le but de mon ouvrage, dont le souffle brûlant pénètre jusqu’à la moelle de mes os, dont le sans ineffable rougit mes entrailles et m’inonde tout entier. Être souverain, que j’invoque au lever de l’aurore, que j’invoque au coucher du soleil, j’en appelle à toi. » — Band III.

Offensichtlich berührte und überschritt der Autor sogar die Möglichkeiten und Grenzen des für ihn Denkbaren. « L’œuvre de Chassaignon est, dès son titre, placée sous le signe d’une écriture malade. Elle donne à lire l’engendrement d’un monstre littéraire et exhibe une individualité créatrice pathogène. L’œuvre progresse par excroissances exponentielles, en recourant au collage et au plagiat. » — Ouafae El Mansouri: Sans queue ni tête: l’anatomie des textes monstrueux au XVIIIe siècle. fabula, vol. 10, # 6, 2009.