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Guillaume Du Vair: Le tombeau de la mélancholie. Ou le vray moyen de vivre joyeux

Mittel gegen die Melancholie, gebunden von Niédrée

Guillaume Du Vair:

LE | TOMBEAV | DE LA | MELANCHOLIE. | OV LE VRAY MOYEN | de viure ioyeux. | Seconde Edition, reueué, corrigée | & augmentée. | Par le ſieur D. V. G.

Paris: Charles Sevestre, 1640.

Duodecimo. 126 × 74 mm. 96 Seiten. – Lagenkollation: a-d12. Titel mit Holzschnittvignette, Text mit zwei Holzschnittinitialen.

Handgefertigter dunkelblauer Maroquineinband (129,5 × 79 × 8 mm) um 1850 auf fünf echten, erhabenen Bünden mit reicher Rückenvergoldung, Titel auf zweitem Feld, Ort und Jahr auf dem dritten, die Deckel mit Randrahmen aus drei goldgeprägten Linien, Stehkantenvergoldung aus einer Linie, reiche, zierliche Innenkantenvergoldung. Handgestochene, blau/weiße Seidenkapitale, Goldschnitt, Vorsätze aus Marmorpapier. Signiert auf dem zweiten vorderen fliegenden Vorsatz recto oben: E. Niédrée.
¶ Jean-Edouard Niédrée wurde 1836 Nachfolger von Muller, ab 1854 arbeitet er mit Philippe Belz zusammen, der die Firma nach Niédrées Tod 1864 übernahm und in der Folge die Einbände mit Belz-Niédrée signierte. „Très habile, et sachant exécuter par lui-même toutes les parties de la reliure, il se classa vite comme un relieur, et surtout un doreur de premier ordre“ (Beraldi). Cf. Fléty pp. 135-136 – Ramsden p. 147 – Beraldi II, p. 60 mit Faksimile eines Briefes sowie Einbandabbildung auf Tafel 103 gegenüber p. 178. Einbandkunde.

Die Zuschreibung an Du Vair (1556-1621) wird nur selten gegeben. Enthält u. a.: Invention subtile de trois bons Compagnons pour trouver moyen de disner sans argent; Beau traicz d’un homme apres avoir battu sa femme; Dutour qu’un Cordelier ioua à deux voleurs; La maniere de faire une bonne sallade; D’un Medecin qui tastoit le poulx à une Damoiselle; L’hypocrisie d’une ieune veufue; Les rimes ioyeuses du Pape Sixte; Rencontre Ioyeuse d’un qui se mouroit; Effronterie d’une femme impudique; Recepte & vraye Medecine pour degraisser les gens trop gras; D’un gourmand avare attrapé par un hoste.

Wohlerhalten. Provenienz: E. Desq, mit seinem goldgeprägten Lederexlibris auf dem vorderen Spiegel (Kat. 1866, Nr. 796). Schöner, sehr dekorativer Meistereinband.

Reliure du milieu du dix-neuvième siècle en maroquin bleu nuit, dos à cinq nerfs entièrement orné de motifs dorés, triple encadrement d’un filet doré sur les plats, dentelle dorée intérieure, tranches dorées. Signée de E. Niédrée. Provenance: E. Desq, avec ex-libris (cat. 1866, n° 796).

Goldsmith G16 & G17 mit Ausgaben 1634.

 

„MELANCHOLIE, f. trübsinn, schwermut; zunächst, nach der wörtlichen bedeutung des griechischen, aus der heilwissenschaft des alterthums ins mittelalter herüber gekommenen ausdrucks, die schwarzgalligkeit, als fehlerhafte beschaffenheit des mit schwarzer, verbrannter galle (vergl. th. 41, 1184. 1185) versetzten blutes rinderein flaisch machet dickeʒ pluot vol melancoli. Megenberg 159, 32; welche schwermut erzeugt: Galiênus spricht, daʒ melancholia ir sideln hab in dem milz, und wenn diu melancoli ain oberhant nimpt und sich zeucht zuo dem haupt, sô kümpt dem menschen sweigen und betrahten, und swærikeit, wainen und trâkheit, vorht und sorg und klainmüetichait. 30, 33; diu melancoli macht die läut tœrocht, alsô daʒ manig mensch sich selber ertœtt oder wænt, eʒ sei glesein oder eʒ sei tôt. 326, 11“ — Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Band XII, Spalten 1988-1989.

Trat wohl im 14. Jahrhundert in die deutsche Sprache ein, Herkunft ist das spätlateinische melancholia, das auf dem griechischen μελαγχολία von μελάγχολος von μέλας, schwarz, und χολή, Galle, Groll, Widerwille, beruht.
 

 

Melancholie und Schöpferkraft

 

Platon: Τίμαιος

Τὸ δὲ δὴ σίτων τε ϰαὶ ποτῶν ἐπιϑυμητιϰὸν τῆς ψυχῆς ϰαὶ ὅσων ἔνδειαν διὰ τὴν τοῦ σώματος ἴσχει φύσιν, τοῦτο [70ε] εἰς τὸ μεταξὺ τῶν τε φρενῶν ϰαὶ τοῦ πρὸς τὸν ὀμφαλὸν ὅρου ϰατῴϰισαν, οἷον φάτνην ἐν ἅπαντι τούτῳ τῷ τόπῳ τῇ τοῦ σώματος τροφῇ τεϰτηνάμενοι: ϰαὶ ϰατέδησαν δὴ τὸ τοιοῦτον ἐνταῦϑα ὡς ϑρέμμα ἄγριον, τρέφειν δὲ συνημμένον ἀναγϰαῖον, εἴπερ τι μέλλοι ποτὲ ϑνητὸν ἔσεσϑαι γένος. ἵν᾽ οὖν ἀεὶ νεμόμενον πρὸς φάτνῃ ϰαὶ ὅτι πορρωτάτω τοῦ βουλευομένου ϰατοιϰοῦν, ϑόρυβον ϰαὶ βοὴν ὡς ἐλαχίστην παρέχον, [71α] τὸ ϰράτιστον ϰαϑ᾽ ἡσυχίαν περὶ τοῦ πᾶσι ϰοινῇ ϰαὶ ἰδίᾳ συμφέροντος ἐῷ βουλεύεσϑαι, διὰ ταῦτα ἐνταῦϑ᾽ ἔδοσαν αὐτῷ τὴν τάξιν. εἰδότες δὲ αὐτὸ ὡς λόγου μὲν οὔτε συνήσειν ἔμελλεν, εἴ τέ πῃ ϰαὶ μεταλαμβάνοι τινὸς αὐτῶν αἰσϑήσεως, οὐϰ ἔμφυτον αὐτῷ τὸ μέλειν τινῶν ἔσοιτο λόγων, ὑπὸ δὲ εἰδώλων ϰαὶ φαντασμάτων νυϰτός τε ϰαὶ μεϑ᾽ ἡμέραν μάλιστα ψυχαγωγήσοιτο, τούτῳ δὴ ϑεὸς ἐπιβουλεύσας αὐτῷ τὴν ἥπατος [71β] ἰδέαν συνέστησε ϰαὶ ἔϑηϰεν εἰς τὴν ἐϰείνου ϰατοίϰησιν, πυϰνὸν ϰαὶ λεῖον ϰαὶ λαμπρὸν ϰαὶ γλυϰὺ ϰαὶ πιϰρότητα ἔχον μηχανησάμενος, ἵνα ἐν αὐτῷ τῶν διανοημάτων ἡ ἐϰ τοῦ νοῦ φερομένη δύναμις, οἷον ἐν ϰατόπτρῳ δεχομένῳ τύπους ϰαὶ ϰατιδεῖν εἴδωλα παρέχοντι, φοβοῖ μὲν αὐτό, ὁπότε μέρει τῆς πιϰρότητος χρωμένη συγγενεῖ, χαλεπὴ προσενεχϑεῖσα ἀπειλῇ, ϰατὰ πᾶν ὑπομειγνῦσα ὀξέως τὸ ἧπαρ, χολώδη χρώματα ἐμφαίνοι, συνάγουσά τε πᾶν ῥυσὸν ϰαὶ τραχὺ ποιοῖ, [71ξ] λοβὸν δὲ ϰαὶ δοχὰς πύλας τε τὸ μὲν ἐξ ὀρϑοῦ ϰαταϰάμπτουσα ϰαὶ συσπῶσα, τὰ δὲ ἐμφράττουσα συγϰλείουσά τε, λύπας ϰαὶ ἄσας παρέχοι, ϰαὶ ὅτ᾽ αὖ τἀναντία φαντάσματα ἀποζωγραφοῖ πρᾳότητός τις ἐϰ διανοίας ἐπίπνοια, τῆς μὲν πιϰρότητος ἡσυχίαν παρέχουσα τῷ μήτε ϰινεῖν μήτε προσάπτεσϑαι τῆς ἐναντίας ἑαυτῇ φύσεως ἐϑέλειν, γλυϰύτητι δὲ τῇ ϰατ᾽ ἐϰεῖνο συμφύτῳ πρὸς αὐτὸ χρωμένη ϰαὶ πάντα [71δ] ὀρϑὰ ϰαὶ λεῖα αὐτοῦ ϰαὶ ἐλεύϑερα ἀπευϑύνουσα, ἵλεών τε ϰαὶ εὐήμερον ποιοῖ τὴν περὶ τὸ ἧπαρ ψυχῆς μοῖραν ϰατῳϰισμένην, ἔν τε τῇ νυϰτὶ διαγωγὴν ἔχουσαν μετρίαν, μαντείᾳ χρωμένην ϰαϑ᾽ ὕπνον, ἐπειδὴ λόγου ϰαὶ φρονήσεως οὐ μετεῖχε. μεμνημένοι γὰρ τῆς τοῦ πατρὸς ἐπιστολῆς οἱ συστήσαντες ἡμᾶς, ὅτε τὸ ϑνητὸν ἐπέστελλεν γένος ὡς ἄριστον εἰς δύναμιν ποιεῖν, οὕτω δὴ ϰατορϑοῦντες ϰαὶ τὸ φαῦλον [71ε] ἡμῶν, ἵνα ἀληϑείας πῃ προσάπτοιτο, ϰατέστησαν ἐν τούτῳ τὸ μαντεῖον. ἱϰανὸν δὲ σημεῖον ὡς μαντιϰὴν ἀφροσύνῃ ϑεὸς ἀνϑρωπίνῃ δέδωϰεν: οὐδεὶς γὰρ ἔννους ἐφάπτεται μαντιϰῆς ἐνϑέου ϰαὶ ἀληϑοῦς, ἀλλ᾽ ἢ ϰαϑ᾽ ὕπνον τὴν τῆς φρονήσεως πεδηϑεὶς δύναμιν ἢ διὰ νόσον, ἢ διά τινα ἐνϑουσιασμὸν παραλλάξας. ἀλλὰ συννοῆσαι μὲν ἔμφρονος τά τε ῥηϑέντα ἀναμνησϑέντα ὄναρ ἢ ὕπαρ ὑπὸ τῆς μαντιϰῆς τε ϰαὶ ἐνϑουσιαστιϰῆς φύσεως, ϰαὶ ὅσα ἂν φαντάσματα [72α] ὀφϑῇ, πάντα λογισμῷ διελέσϑαι ὅπῃ τι σημαίνει ϰαὶ ὅτῳ μέλλοντος ἢ παρελϑόντος ἢ παρόντος ϰαϰοῦ ἢ ἀγαϑοῦ: τοῦ δὲ μανέντος ἔτι τε ἐν τούτῳ μένοντος οὐϰ ἔργον τὰ φανέντα ϰαὶ φωνηϑέντα ὑφ᾽ ἑαυτοῦ ϰρίνειν, ἀλλ᾽ εὖ ϰαὶ πάλαι λέγεται τὸ πράττειν ϰαὶ γνῶναι τά τε αὑτοῦ ϰαὶ ἑαυτὸν σώφρονι μόνῳ προσήϰειν. ὅϑεν δὴ ϰαὶ τὸ τῶν προφητῶν γένος ἐπὶ [72β] ταῖς ἐνϑέοις μαντείαις ϰριτὰς ἐπιϰαϑιστάναι νόμος: οὓς μάντεις αὐτοὺς ὀνομάζουσίν τινες, τὸ πᾶν ἠγνοηϰότες ὅτι τῆς δι᾽ αἰνιγμῶν οὗτοι φήμης ϰαὶ φαντάσεως ὑποϰριταί, ϰαὶ οὔτι μάντεις, προφῆται δὲ μαντευομένων διϰαιότατα ὀνομάζοιντ᾽ ἄν. ἡ μὲν οὖν φύσις ἥπατος διὰ ταῦτα τοιαύτη τε ϰαὶ ἐν τόπῳ ᾧ λέγομεν πέφυϰε, χάριν μαντιϰῆς:

 

Dem nach Speise und Trank begierigen Teil unserer Seele und nach dem, wonach er sonst vermöge der Natur des Körpers ein Bedürfnis bekommt, dem wiesen sie seinen Wohnsitz zwischen dem Zwerchfell und der in der Gegend des Nabels gezogenen Grenze an, indem sie in diesem ganzen Raume eine Art von Krippe für die Ernährung des Körpers herrichteten, und fesselten an diese Stelle den so beschaffenen Teil, wie ein wildes Tier, das aber doch, fest mit uns verbunden, ernährt werden müsse, wenn irgend das sterbliche Geschlecht bestehen solle. Damit es also nun, stets an der Krippe sich nährend und so weit wie möglich von dem Waltenden entfernt, Lärm und Geschrei so wenig wie möglich erhebe und den besten Teil in Ruhe das für alle Ersprießliche bedenken lasse, darum wiesen sie ihm hier seine Stelle an. Da sie es aber kannten, daß es Vernunftgründen nicht zugänglich und, sollte je davon etwas irgendwie an dasselbe gelangen, seine Natur nicht so beschaffen sei, um irgend um Vernunftgründe sich zu kümmern, sondern daß es bei Tag und bei Nacht stets durch Trugbilder und Schattengestalten sich leiten lasse - indem also der Gott hierauf Acht gab, verband er demselben das Gefüge der Leber, verlegte sie in dieselbe Gegend des Leibes und gestaltete sie dicht, glatt, glänzend, mild, doch mit einem Zusatze von Bitterkeit, damit die vom Verstande herabdringende in ihm sich regende Kraft der Gedanken, wie in einem Spiegel, der Gestalten in sich aufnimmt und Abbilder erblicken läßt, ihm Furcht errege, wenn diese Seelenkraft mit Anwendung der der Leber eigentümlichen Bitterkeit, mit drohender Strenge und schnell die ganze Leber damit durchdringend, gallige Farben zeige und alles durch Zusammenziehen runzelig und rauh gestalte, den Leberlappen aber, die Gefäße und Zugänge teils aus der richtigen Lage bringe und zusammenzwänge, teils verdämme und abschließe und so Mißbehagen und Ekel erzeuge; damit sie ferner, wenn dagegen ein durch Nachdenken erzeugter Anhauch die entgegengesetzten Bilder der Milde hervorrufe, vor der Bitterkeit dadurch Ruhe gewähre, daß sie das ihr widerstrebende Wesen weder aufregen noch mit ihr in Berührung kommen wolle, sondern die ihr innewohnende Süßigkeit gegen jenes Organ in Anwendung bringe, alle Teile desselben ebenmäßig, glatt und frei gestalte und, indem sie den um die Leber herum heimischen Teil der Seele mild und heiter mache, ihn während der Nacht in einem ziemlich ruhigen Zustande beim Schlafen die Sehergabe, als der Vernunft und Einsicht nicht teilhaftig, üben lasse. Denn die Götter, welche uns gestalteten, veredelten, des Befehles ihres Vaters eingedenk, der ihnen den sterblichen Teil nach ihrem Vermögen auf das beste zu bilden anbefahl, auch den mangelhafteren Teil unserer selbst und wiesen, damit er irgendwie mit der Wahrheit in Berührung komme, der Seherkraft an dieser Stelle ihren Sitz an. Daß nämlich Gott dem menschlichen Unverstande die Seherkraft verlieh, dafür dient zu einem ausreichenden Belege, daß niemand mit Überlegung die gottbegeisterte und wahrhafte Seherkraft übt, sondern entweder, indem der Schlaf die Kraft seines Nachdenkens fesselt, oder vermöge eines Fiebers oder einer durch Verzückung erzeugten Umwandlung. Vielmehr kommt es dem Verständigen zu, die Aussagen seiner Sehergabe und göttlicher Begeisterung im Wachen oder im Schlafe sich in das Gedächtnis zurückzurufen und wohl zu erwägen und alle gehabten Erscheinungen durch Nachdenken genau zu unterscheiden, in welcher Weise und wem das ein Bevorstehendes oder Vergangenes oder Gegenwärtiges, Gutes oder Übles, vorbedeute. Dem Verzückten und noch in diesem Zustande Verharrenden aber ziemt es nicht, über seine Gesichte und eigenen Aussprüche ein Urteil zu fällen, sondern mit Recht und von jeher behauptet man, nur des Besonnenen Sache sei es, das ihm Obliegende zu tun, und es, so wie sich selbst, zu erkennen. Darum bestelle auch das Gesetz die Gilde der Wahrsager zu Richtern über gottbegeisterte Weissagungen, welche selbst einige Weissager nennen, denen es ganz unbekannt blieb, daß dieselben Dolmetscher, nicht aber Urheber eines göttlichen Gesichtes oder Wortes sind und mit dem größten Rechte wohl Verkünder des Vorhergesehenen genannt werden dürften. Deswegen also ist die Natur der Leber so beschaffen und nimmt ihrer Natur nach die von uns beschriebene Stelle ein, behufs der Seherkraft nämlich. — Übersetzung von Friedrich Schleiermacher und Hieronymus Müller.

 

And all that part of the Soul which is subject to appetites for foods and drinks, and all the other wants that are due to the nature of the body, they planted in the parts midway between the midriff and the boundary [70e] at the navel, fashioning as it were a manger in all this region for the feeding of the body; and there they tied up this part of the Soul, as though it were a creature which, though savage, they must necessarily keep joined to the rest and feed, if the mortal stock were to exist at all. In order, then, that this part, feeding thus at its manger and housed as far away as possible from the counselling part, and creating the least possible turmoil and din, should allow the Supreme part to take counsel in peace [71a] concerning what benefits all, both individually and in the mass, — for these reasons they stationed it in that position. And inasmuch as they knew that it would not understand reason, and that, even if it did have some share in the perception of reasons, it would have no natural instinct to pay heed to any of them but would be bewitched for the most part both day and night by images and phantasms, — to guard against this God devised and constructed the form of the liver and placed it in that part’s abode; [71b] and He fashioned it dense and smooth and bright and sweet, yet containing bitterness, that the power of thoughts which proceed from the mind, moving in the liver as in a mirror which receives impressions and provides visible images, should frighten this part of the soul; for when the mental power bears down upon it with stern threats, it uses a kindred portion of the liver’s bitterness and makes it swiftly suffuse the whole liver, so that it exhibits bilious colors, and by contraction makes it [71c] all wrinkled and rough; moreover, as regards the lobe and passages and gates of the liver, the first of these it bends back from the straight and compresses, while it blocks the others and closes them up, and thus it produces pains and nausea. On the other hand, when a breath of mildless from the intellect paints on the liver appearances of the opposite kind, and calms down its bitterness by refusing to move or touch the nature opposite to itself, and using upon the liver the sweetness inherent therein [71d] rectifies all its parts so as to make them straight and smooth and free, it causes the part of the soul planted round the liver to be cheerful and serene, so that in the night it passes its time sensibly, being occupied in its slumbers with divination, seeing that in reason and intelligence it has no share. For they who constructed us, remembering the injunction of their Father, when He enjoined upon them to make the mortal kind [71e] as good as they possibly could, rectified the vile part of us by thus establishing therein the organ of divination, that it might in some degree lay hold on truth. And that God gave unto man’s foolishness the gift of divination a sufficient token is this: no man achieves true and inspired divination when in his rational mind, but only when the power of his intelligence is fettered in sleep or when it is distraught by disease or by reason of some divine inspiration. But it belongs to a man when in his right mind to recollect and ponder both the things spoken in dream or waking vision by the divining and inspired nature, and all the visionary forms that were seen, and by means of reasoning to discern about them all [72a] wherein they are significant and for whom they portend evil or good in the future, the past, or the present. But it is not the task of him who has been in a state of frenzy, and still continues therein, to judge the apparitions and voices seen or uttered by himself; for it was well said of old that to do and to know one’s own and oneself belongs only to him who is sound of mind. Wherefore also it is customary to set the tribe of prophets to pass judgement [72b] upon these inspired divinations; and they, indeed, themselves are named “diviners” by certain who are wholly ignorant of the truth that they are not diviners but interpreters of the mysterious voice and apparition, for whom the most fitting name would be “prophets of things divined.” For these reasons, then, the nature of the liver is such as we have stated and situated in the region we have described, for the sake of divination. — Translated by W. R. M. Lamb.

 

Aristoteles
Περὶ τῆς ϰαϑ΄ ὕπνον μαντιϰῆς

Ὅλως δὲ ἐπεὶ ϰαὶ τῶν ἄλλων ζῴων ὀνειρώττει τινά͵ ϑεόπεμπτα μὲν οὐϰ ἂν εἴη τὰ ἐνύπνια͵ οὐδὲ γέγονε τούτου χάριν (δαιμόνια μέντοι· ἡ γὰρ φύσις δαιμονία͵ ἀλλ΄ οὐ ϑεία). σημεῖον δέ· πάνυ γὰρ εὐτελεῖς ἄνϑρωποι προορατιϰοί εἰσι ϰαὶ εὐϑυόνειροι͵ ὡς οὐ ϑεοῦ πέμποντος͵ ἀλλ΄ ὅσων ὥσπερ ἂν εἰ λάλος ἡ φύσις ἐστὶ ϰαὶ μελαγχολιϰή͵ παντοδαπὰς ὄψεις ὁρῶσιν· διὰ γὰρ τὸ πολλὰ ϰαὶ παντοδαπὰ ϰινεῖσϑαι ἐπιτυγχάνουσιν ὁμοίοις ϑεωρήμασιν͵ ἐπιτυχεῖς ὄντες ἐν τούτοις ὥσπερ ἔνιοι ἀρτιάζοντες· ὥσπερ γὰρ ϰαὶ λέγεται ἂν πολλὰ βάλλῃς͵ ἄλλοτ΄ ἀλλοῖον βαλεῖς͵ ϰαὶ ἐπὶ τούτων τοῦτο συμβαίνει.English.Generally speaking, since some of the lower animals also dream, dreams cannot be sent by God, nor is this a the purpose of their appearance, but they have a divine origin; for nature is divinely ordained, though not itself divine. There is proof of this; for quite common men have prescience and vivid dreams, which shows that these are not sent by God; but that men whose nature is as it were garrulous or melancholic see all kinds of sights; for since they respond often to any kind of stimulus, they chance upon visions similar to events, doing so by sheer luck, like men playing odd and even; for just as the saying goes “If you throw often enough your luck will change,” so it happens in the case we are discussing. — Translated by W. S. Hett. Loeb Classical Library 288. Cambridge, MA: Harvard UP, 1957. pp. 379-381.

 

Cicero

„Aristoteles quidem ait omnis ingeniosos melancholicos esse“ — Marcus Tullius Cicero: Tusculanæ disputationes, I,xxxiii.Aristotle, forsooth, says that all men of genius are of melancholic temperament

 

Marsilio Ficino
De vita libri tres
Quot sint causæ, quibus literati melanchoici sint, vel fiant. — Lib. I, cap. 4

Ut autem literati sint melancholici, tres potissimum causarum species faciunt: Prima cœlestis, secunda naturalis, tertia est humana. Cœlestis, quoniam Mercurius, qui ut doctrinas inuestigemus inuitat, & Saturnus, qui efficit ut in doctrinis inuestigandis perseueremus, inuentásque seruemus, frigidi quodammodo siccique ab Astronomis esse dicuntur: uel si fortè Mercurius non sit frigidus, fit tamen sæpe Solis propinquitate siccissimus, qualis est natura apud medicos melancholica: eandémque naturam Mercurius ipse & Saturnus literarum studiosis, eorum sectatoribus impertiunt ab initio, ac seruant augéntque quotidie. Naturalis autem causa esse uidetur, quod ad scientias præsertim difficiles consequendas, necesse est animum ab externis ad interna, tanquàm à circumferentia quadam ad centrum sese recipere: atque dum speculatur in ipso (ut ita dixerim) hominis centro, stabilissime permanere. Ad centrum uero à circumferentia se colligere, figíque in centro, maxime terræ ipsius est proprium, cui quidem atra bilis persimilis est. Igitur atra bilis animum, ut se & colligat in umum, & sistat in uno contempletúrque, assidue prouocat. Atque ipsa mundi centro similis, ad centrum rerum singularum cogit inuestigandum, euehítque ad altissima quæque comprehendenda, quando quidem cum Saturno maxime congruit altissimo planetarum. Contemplatio quoque ipsa uicissim assidua quadam collectione, et quasi compressione, naturam atræ bili persimilem contrahit. Humana uerò ea ex nobis causa est, quoniam frequens agitatio mentis cerebrum uehementer exiccat: igitur humore magna ex parte consumpto (quod caloris naturalis pabulum est) calor quoque plurimum solet extingui, unde natura cerebrisicca frigidáque euadit, quæ quidem terrestris & melancholica qualitas nominatur. Præterea ob frequentissimum inquisitionis motum, spiritus quoque moti continuè resoluuntur: Resolutos autem spiritus, ex subtiliore sanguine instaurari necessarium est. Quapropter subtilibus clarioribúsque sanguinis partibus sæpe consumptis, reliquus sanguis necessariò densus redditur & siccus & ater. Accedit ad hæc, quod natura in contemplatione, cerebro prorsus cordíque intenta, stomachum hepárque destituit. Quare alimentis præsertim uel uberioribus uel durioribus malè concoctis, sanguis inde frigidus crassusque, & niger efficitur Demum nimio membrorum ocio, neque superflua excernuntur, neque glutinosi tenaces, fuscíque uapores exhalant. Hæc omnia melancholicum spiritum, mœstúmque, & pauidum animum efficere solent. Siquidem interiores tenebræ multo magis quàm exteriores, mœrore occupant animum atque terrent. Maximè uero literatorum omnium hi atra bile premuntur, qui sedulo philosophiæ studio dediti, mentem à corpore, rebúsque corporeis seuocant, in corporeísque coniungunt: tum quia difficilius admodum opus maiori quoque indiget mentis intentione: tum quia quatenus mentem incorporeæ ueritati coniungunt, catenus à corpore disiungere compelluntur. Hinc corpus eorum nonnunquam, quasi semianimum redditur atque melancholicum. Quod quidem Plato noster in Timæo significat, dicens: animum diuina sæpissimè & intenssîmè contemplantem, alimentis eiusmodi adeò adolescere potentémque euadere, ut corpus suum suprà quàm natura corporis patiatur exuperet: ipsúmque uehementioribus agitationibus suis aliquando uel effugiat quodammodo, uel nonnunquàm quasi dissoluere uideatur. — Klibansky et al.“Ut autem literati sint melancholici, tres potissimum causarum species faciunt, prima coelestis, secunda naturalis, tertia est humana....” The celestial cause lies in the influence of the cold and dry planet Mercury, and, especially, of Saturn. The natural cause lies in the influence of the cold and dry planet Mercury, and, especially, of Saturn. The natural cause lies in the fact that the searching mind concentrates, as it were, inwards (“tanquam a circumferentia quadam ad centrum sese recipere, atque, dum speculatur, in ipso ... hominis centro stabilissime permanere”), and is therefore analogous to earth (“ad centrum vero a circumferentia se colligere, figique in centro, maxime terrae ipsius est proprium”), which in its turn is related to the black bile; while the black bile, again, “mundi centro similis, ad centrum rerum singularum cogit investigandum, evehitque ad altissima quaeque comprehendendra quando quidem cum Saturno maxime congruit altissimo planetarum. Contemplatio quoque ipsa vicissim assidua quadam collectione, et quasi compressione naturam atrae bili persimilem contrahit.” Finally, the human cause lies in the purely physiological consequences of the life led by the scholar – drying up of the brain, thickening of the blood, poor digestion, etc. — Raymond Klibansky, Erwin Panofsky, Fritz Saxl: Saturn and Melancholy: Studies in the History of Natural Philosophy, p. 266.

Combien il y a de causes pour lesquelles les hommes lettrez sont ou deviennent melancholiques. — Chap. 4.

Il y a principalement trois sortes de causes qui font que les hommes lettrez soyent melancholiques. La premiere est celeste, la seconde naturelle, et la tierce humaine. Celeste, par ce que Mercure qui nous conuie à rechercher les doctrines, et Saturne qui fait que nous perseverons à la recherche d’icelles, et qu’inventees nousles gardions, sont dits des Astronomes estre en quelque sorte froids et secs, ou si d’aventure Mercure n’est froid, toutesfois il devient souvent pour la voisinance du Soleil, tressec, quelle entre les medecins est la nature melancholique: or Mercure et Saturne departent dés le commencement ceste mesme nature aux studieux des lettres, et leur conservent et accroissent de jour en jour. Quant à la cause naturelle, il semble que c’est d’autant que pour atteindre aux sciences principalement difficiles, il est besoing que l’ame se retire de dehors au dedans, comme d’une circonference au poinct du milieu, et que pendant qu’elle est tendue à la speculation elle demeure fermement, par maniere de dire, au propre centre de l’homme. Or se recueillir de la circonference au centre, et demeurer fiché au point du milieu, est principalement le propre de la terre, à laquelle certainement l’humeur noire est sort semblable: Donques la melancholie provoque assiduellement l’ame, à ce qu’elle se recueille s’arreste, et contemple en un poinct. Et icelle semblable au Centre du monde, la contreint à rechercher le centre des choses singulieres, et l’esleve pour comprendre toutes les choses plus sublimes, d’autant qu’elle a fort grande convenance avec Saturne, qui est le plus hault des Planetes. Tout de mesme la contemplation à son tour par un certain reply et compression en soymesme, attire et acquiert un naturel fort resemblant à la melancholie. Quant à la cause humaine, elle despend de nous: parce que le continuel eslancement de la pensee deseche grandement le cerveau, estant donc l’humeur pour la plus part consumee (qui est l’entretien et nourrissement de la chaleur naturelle) la chaleur aussi pour le plus souvent a de coustume de s’estendre, pourtant la nature du cerveau devient seche et froide, qui vrayement est une qualité qu’on nomme terrestre et melancholique. Davantage pour le continuel mouvement de la recherche, les esprits aussî continuellement meuz sont dissous et se perdent. Or est il necessaire que les esprits dissous et épars soient restaurez par le plus subtil sang Estans doncques souvent consumees les parties du sang plus subtiles et claires, c’est bien force que le reste du sang demeure d’icelles, et qu’inventees nousles gardions, sont dits des Astronomes estre en quelque sorte froids et secs ou si d’aventure Mercure n’est froid toutesfois il devient souvent pour la voisinance du Soleil, tressec, quelle entre les medecins est la nature melancholique: or Mercure et Saturne departent dés le commencement ceste mesme nature aux studieux des lettres, et leur conservent et accroissent de jour en jour. Quant à la cause naturelle, il semble que c’est d’autant que pour atteindre aux sciences principalement diffîciles, il est besoing que l’ame se retire de dehors au dedans, comme d’vne circonference au poinct du milieu, et que pendant qu’elle est tendue à la speculation elle demeure fermement, par manière de dire, au propre centre de l’homme. Or se recueillir de la circonference au centre, et demeurer fiché au point du milieu, est principalement le propre de la terre, à laquelle certainement l’humeur noire est fort semblable: Donques la melancholie provoque assiduellement l’ame, à ce qu’elle se recueille s’arreste, et contemple en un poindt. Et icelle semblable au Centre du monde la contreint à reépais, sec, et noir comme la lie, à quoy faut adiouster que nature en la contemplation estant du tout tendue au cerveau et au cœur, delaisle et abandonne l’estomach et foye. Et pourtant les alimens mesmement les plus abondans et durs restans mal cuits et digerez, de là s’engendre un sang froid grossier, et noir. Puis à cause de la trop grande oysiveté des membres ny les humeurs superflues ne sont emouties et vuydees, ny les vapeurs glutineuses, tenaces, et noirastres ne sont exhallees. Toutes ces choses ont accoustumé de rendre l’esprit melancholique, et l’ame triste et creintive. Car certainement les tenebres de dedans, beaucoup plus que celles de dehors, remplissent l’amc de tristesse et frayeur. Or d’entre tous les hommes lettrez ceux sont oppressez de la melancholie, qui diligemment travaillans apres l’estude de la philosophie abstrayent l’entendement du corps et des choses corporelles, et le conjoignent aux incorporelles et simples: tant par ce que l’œuvre beaucoup plus difficilîe a besoing aussi que l’entendement y soit plus tendu, que mesme par ce que d’autant qu’ils conjoignent la pensee à la vérité incorporelle d’autant sont ils contrains de l’abstraire et separer du corps. De là vient que leur corps est rendu quelque fois presque demy-mort et tout melancholique. Ce que nostre Platon signifie au Timee, disant, que l’Arne qui fort souvent et avec une intention vehemente contemple les choses divines, croist tellement par telle nourriture, et devient si puissante, qu’elle surmonte son corps de beaucoup plus que le naturel du corps ne porte, et par ses plus fortes agitations s’enfuit par fois aucunement d’avecques luy, ou bien parfois semble presque le dissoudre. — Les trois livres de la vie, traduit en françois par Guy Le Fèvre de La Boderie. Paris: Abel l’Angelier, 1581. foll. 4r-6r.

 

Cur Melancholici ingeniosi sint, & qui horum sint huiusmodi, aut secus — Lib. I, cap. 5.

Hactenus quam ob causam Musarum sacerdotes melancholici uel sint ab initio, uel studio fiant, rationibus primo cœlestibus, secundo naturalibus tertio humanis ostendisse sit satis. Quod quidem confirmat in libro problematum Aristoteles: Omnes enim, inquit, uiros in quauis facultate præstantes melancholicos extitisse. Qua in re Platonicum illud quod in libro de scientia scribitur, confirmauit: ingeniosos uidelicet plurimum concitatos furiosósque esse solere. Democritus quoque nullos, inquit, uiros ingenio magnos, præter illos qui furore quodam perciti sunt, esse unquàm posse. Quod quidem Plato noster in Phædro probare uidetur, dicens poëticas fores frustra absque furore pulsari. Et si diuinum furorem hic fortè intelligi uult, tamen neque furor eiusmodi apud Physicos, aliis unquàm ullis, præterquàm melancholicis incitatur. Deinceps uerò assignandæ à nobis rationes sunt, quare Democritus, & Plato, & Aristoteles asserant, melancholicos nonnullos interdum adeò ingenio cunctos excellere, ut non humani, sed diuini potius uideantur. Asseuerant id Democritus, Plato, & Aristoteles absque dubio: rationem uerò tantæ rei haud satis explicare uidentur. Audendum tamem (monstrante Deo) causas indagare. Melancholia (id est, atra bilis) est duplex: Altera quidem naturalis à medicis appellatur, altera uerò adustione contingit. Naturalis illa nihil est aliud, quàm densior quædam sicciórque pars sanguinis. Adusta uerò in species quatuor distribuitur. Aut enim naturalis melancholiæ, aut sanguinis purioris, aut bilis, aut falsæ pituitæ combustiome concipitur. Quæcunquc adustione nascitur, iudicio & sapientiæ nocet: nempe dum humor ille accenditur atque ardet, concitatos furentésque fácere solet, quam Græci Maniam nuncupant, nos uerò furorem. At quando iam extinguitur, subtilioribus clarioribúsque partibus resolutus, soláque restante fuligine tetra, stolidos rcddit & stupidos quem habitum melancholiam propriè, & amentiam uecordiámquc appellant. Sola igitur atra bilis, illa quam diximus naturalem, ad iudicium nobis sapientiámque conducit. Neque tamen sèmpcr. Sanè si sola sit, atra nimium desáque mole obfuscat spiritus, terret animum, obtundit ingenium. Si ueró pituitæ simplici misceatur, quum frigidus obstiterit circum præcordia sanguis, crassa quadam frigiditate segnitiem adducit atque torporem, atque ut dentissimæ cuiusque materiæ natura est, quando eiusmodi melancholia frigescit, ad summum frigiditatis intenditur. Quo in statu nihil speratur, timentur omnia, tædet cœli conuexa tueri. Si bilis atra uel simplex uel mixta putrescit, quartanam gignit febrem, lienis tumores, et multa generis eiusdem. Ubi nimis exuberat, siue sola sit, siue coniuncta pituitæ, spiritus crassiores facit atque frigidiores, continuo animum afficit tædio, mentis aciem hebetat, nec salit Arcadico circum præcordia sanguis. Oportet autem atram bilem neque tam paucam esse, ut sanguis, bilis, & spiritus quasi freno careant: unde instabile ingenium labilémque memoriam esse contingat: Neque tam multam, ut mimio pondere prægrauati, dormitare atque egere calcaribus uideamur. Proinde necessarium est, omnino eam esse quoad eius natura patitur, subtilissimam. Si enim tenuata pro natura sua maxime fuerit, poterit forsitan absque noxa etiam esse multa: atque etiam tanta, ut æquare bilem saltem pondere uideatur. Abundet igitur atra bilis, sed tenuissìma: non careat humore subtilioris pituitæ circumfuso, ne arescat prorsus, durissimáque euadat. Non tamen misceatur omnino pituitæ, præsertim uel frigori uel multæ, ne frigescat: Sed bili sanguiníque adeò misceatur, ut corpus unum conficiatur ex tribus, dupla sanguinis adreliqua duo, pro portione compositum. Ubi octo sanguinis partes, duæ bilis, duæ iterum atræ bilis portiones existant, accendatur aliquantulum à duobus illis atra bilis, accensaque fulgeat, non uratur: ne, quemadmodum solet materia durior, dum feruet nimium, uehementius urat & concitet: dum uerò refrigescit, similiter frigescat ad summum. Bilis enim atra ferri instar, quando multum ad frigus intenditur, friget ad summum: quando contra ad calidum ualde declinat, calet ad summum. Neque mirum uideri debet atram bilem accendi posse facile, atque accensam uehcmentius urere. Siquidem uidemus calcem illi similem, aqua perfusam feruere statim atque exurere. Tantam ad utrumque extremum melancholia uim habet, unitate quadam stabilis fixæque naturæ. Quæ quidem extremitas cæteris humoribus non contingit. Summe quidem calens summam præstat audaciam, imò ferocitati: extremè uerò frigens, timorem ignauiámque extremam. Mediis uero inter frigus calorémque gradibus affecta uarie, affectus producit uarios, non alitcr quàm merum, præcipue potens, bibentibus ad ebrietatem, uel etiam paulo liberius affectus inferre uarios solet. Igitur opportune temperata sit atra bilis oportet. Quæ quum ita moderata est, ut diximus, & bili sanguiníque permixta, quia & natura sicca est, & conditione, quantum ipsius natura patitur, tenuissima: facile ab illis accenditur, quia solida est atque tenacissima: accensa semel diutissime flagrat, quia tenacissimæ siccitatis unitate potentissima est, uehementius incalescit. Quemadmodum lignum in paleis si utraque accendantur, magis diutiúsque calent & lucent. Atqui à diuturno uehementíque calore, fulgor ingens, motúsque uehemens & diuturnus proficiscuntur. Huc tendit illud Heracliti: Lux sicca, anima sapientissima [αὔη ψυχὴ σοφωτάτη ϰαὶ ἀρίστη, 118]. — Zitiert nach Ausgabe Paris: Carol Guillard, 1547.

Pourquoy les melancholiques sont ingénieux et lesquels de ceux-cy sont tels ou autrement. — Chap. 5.

Suffise jusques icy que nous ayons assez demostré premierement par celestes raisons, secondement naturelles tiercement humaines, pourquoy les prestres des Muses sont melancholiqucs ou dés le commencement, ou bien le deviennent par estude. Ce que certainement Aristote conferme aux Problcmes. Tous les hommes dit il, qui ont esté excellens en quelque faculté ont esté melancholiques. En quoy il a confermé ce dire Platonique qui est escrit au livre de la Science, asçavoir que les hommes ingénieux pour la pluspart ont accoustumé d’estre émus et furieux: Pareillement Democrite dit qu’aucuns hommes n’ont esté grands d’entendement sinon ceux qui ont esté meuz et épris de quelque fureur. Ce que mesmes nostre Platon semble prouver au Phédre disant, qu’en vain sans fureur on frappe à la porte des Muses. Combien que paravanture en cest endroit il veuille signifier la fureur divine, toutesfois au jugement des Philosophes naturels ceste fureur mesme n’est point incitee en dautres qu’aux melancholiques. Par cy après il nous faut assigner les raisions pourquoy Democrite, Platon, et Aristote afferment qu’aucuns melancholiques tellement quelquefois devancent tous les autres en subtitité d’entendement, qu’ils apparoissent plustost divins qu’humains. Sans point de doute Democrite, Platon et Aristote l’afferment, toutesfois ils ne semblent point assez deployer la raison d’une si grande chose. Si nous faut il oser neantmoins, Dieu nous monstrant le chemin, d’en rechercher les causes. La melancholic, c’est à dire l’humeur noire est de deux sortes. L’une est appelee des medecins naturelle, et l’autre s’engendre par une ardeur et embrasement de sang. La naturelle n’est autre chose que la plus épaisse et plus seche partie du sang. Quant à la bruslee, elle est divisee en quatre especes. Car ou elle est conçue par l’embrasement de la melancholie naturelle, ou du plus pur sang, ou de la cholére, ou de la pituite fallee. Toute celle qui provient d’embrasement nuist au jugement et à la sapience. Car pendant que ceste humeur s’embrase et ard, elle a de coustume de faire les hommes émuz et furieux, laquelle les Grecs appellent Manie, et nous la nommons fureur. Mais quand elle s’estaint estansiales plus subtiles et plus claires parties dissoutes et ne restant seulement que la noire suye, elle les rend stupides et hebetez. Laquelle habitude, on nomme proprement melancholie, démence, et folie. Doncques la seule humeur noire, que nous disons naturelle, nous sert et proffite au jugement et à la sapience. Toutefois ce n’est pas tousjours. Certainement si elle est seule, elle ossusque les esprits d’une masse trop noire et épaisse, donne terreur à l’ame, et rebouche l’entendement. Que si elle est meslee à la pituite simple, parce que le sang froid empesche et occupe tout l’environ du cœur, par une certaine froideur grossiere il apporte une paresse et engoudissement et comme est le naturel de toute matière fort épaisse, quand toute melancholie se refroidit, elle s’estend jusques au suprême degré de froideur. Auquel estat on n’espere rien, on creint tout. On se desplaist de voir tourner du ciel la voute. Si l’humeur noire simple, ou meslee se pourrit, elle engendre la fievre quarte, enfleure de ratelle, et plusieurs autres telles infirmitez. Quand elle abonde trop, soit qu’elle soit seule, soit qu’elle soit conjointe à la pituite, elle rend les esprits plus grossiers et épais, afflige l’ame d’un ennuy continuel, rebouche la pointe de l’entendement, et d’aise ne tressaut le sang autour du cœur. Or faut il qu’il n’y ait pas si peu d’humeur noire que le sang, la cholere, et les esprits soient comme privez de frein, pourquoy l’esprit devienne inconstant, et la memoire sans arrest et fermete. Et ne faut aussi que tant elle abonde, qu’aggravez d’un fardeau trop pesant nous semblions tousjours endormis, et avoir besoing d’esperons pour nous esmouvoir. Pourtant est il necessaire qu’elle soit fort subtile autant que sa nature le permet. Cars si selon son naturel elle est fort delice, lors paravanture elle pourra bien abonder sans nuisance, voire mesme de tant qu’elle semblera egaller la cholere pour le moins en poids. Soit donc abondante l’humeur noire, mais qu’elle soit fort debile, qu’elle ne soit privee de la plus subtile humeur de la pituite qui l’entoure, de peur qu’elle ne tarisse du tout et devienne fort noire. Toutesfois qu’elle ne s’embrouille pas du tout en la pituite mesmement trop froide et trop abondante, de peur qu’elle ne devienne froide. Mais bien qu’elle soit emmessee à la cholere et au sang, de sorte que des trois se face un corps, qui soit composé en proportion double du sang aux deux autres. Où il y ait huit parties pour le sang, deux pour la cholere; et deux encor pour l’humeur noire ou melancholie. Que l’humeur noire soit aucunement embrasee des deuz autres, et embrasee resplendisse, mais qu’elle ne soit pas bruslee, de peur que selon la coustume de la matiere plus dure, pour ardre trop, elle ne brusle et emmene par trop grande violence: ou pour trop se refroidir, pareillement elle ne devienne froide jusques au supreme degré. Car l’humeur noire tout ainsi que le fer quand elle se tend fort à la froideur, elle devient froide en supreme degré, et quand au contraire elle décline fort à la chaleur, elle s’eschauffe à toute outrance. Or ne se doibt on point esmerveiller que l’humeur noire se puisse facilement embraser, et que plus vehementement embrasee elle brusle. Car nous voyons la chauls qui luy resemble, arrousee d’eau, tout soudain bouillir et brusler. Tant a de pouvoir la melancholie en l’une ou l’autre extremité par une certaine unité de stable et ferme nature. Laquelle extremité certainement n’arrive point aux autres humeurs. Celle qui est souverainement chaulde, donne une souveraine hardiesse ou plustost une cruauté, et celle qui est extremement froide, cause une peur et covardise extreme. Mais celle qui aux moyens degrez est diversement atteinte entre le froid et le chaud, produit affections diverses, non autrement que le vin sans eau, mesmement le puissant, à ceux qui en boyuent jusques à s’enyurer, voire mesme un peu plus librement qu’il ne conviendroit, a de coustume d’apporter diverses affections. Donques il convient que l’humeur noire soit bien attrempee. Laquelle etant ainsi moderee comme nous avons dit, et mesme à la cholere et au sang, d’autant que de son naturel elle est seche, et de condition fort subtile et delice, autant que sa nature le porte, aisément elle est d’icelles embrasee, parce qu’elle solide et fort tenace, estant une fois embrasee, elle ard fort long temps: et d’autant que par l’unité de la secheresse fort tenace, elle est trespuissante: pourtant elle s’eschauffe de plus grande vehemence. Tout ainsi que le bois entre la paille, si l’un et l’autre s’embrase, beaucoup plus et plus long temps ils ardent et luisent. Or est-il que d’une chaleur vehemente et de longue durée proviennent grande splendeur, et mouvement vehement et fort durable, à quoy se rapporte ce dire d’Heraclite, Lumiere seche, ame tressage et saine [L’âme sèche est la plus sage et la meilleure]. — Les trois livres de la vie, traduit en françois par Guy Le Fèvre de La Boderie. Paris: Abel l’Angelier, 1581. foll. 6r-9v.

Marsilio Ficino
Sopra lo amore
Quali passioni sieno negli amanti per cagione della madre d’amore — Orazione VI, Capitolo IX

E non solamente Amore fa diventare gli uomini tali e quali abbiamo detto: ma eziandio quelli, che sono per natura tali, sono a lo Amore inclinati. E coloro son tali, ne’ quali signoreggia lo umore collerico o melancolico. La collera è calda e secca: la melancolia è secca e fredda. Quella nel corpo tiene il luogo del fuoco, e questa il luogo della terra. E però quando dice Diotima arido e secoo, intende l’uomo melanconico a similitudine della terra. E quando dice squallido e giallo, intende l’uomo collerico a similitudine del fuoco. I collerici per impeto dell’umore focoso, s’avventano nello amare, coinè in un precipizio. I melanconici per la pigrizia dello umore terrestre, sono ad amare più tardi: ma per la stabilità di detto umore, dato che hanno nelle reti, lunghissimo tempo vi si rivolgono.

Meritamente adunque lo Amore arido e giallo si dipigne, conciosia che gli uomini che son tali, sogliono darsi all’amore più che gli altri: e questo credo che di qui nasca: perchè i collerici ardono per lo incendio della collera, e i melanconici per la asprezza della malinconia si rodono. Il che afferma Aristotile nel VII Lib. dell’Etica. Sì che lo umore molesto affligge sempre l’uno e l’altro: e costringeli a cercare qualche conforto e sollazzo, massimo e continuo, come rimedio contra la continua molestia dello umore. Questo sollazzo è massimamente nelle lusinghe della musica e dell’arte amatoria. Imperocchè noi non possiamo ad alcuno diletto tanto continuamente attendere quanto a le consonanze musicali e considerazioni di bellezza. Gli altri sensi presto si saziano: ma il vedere e l’udire più lungo tempo si trastullano di voci, e di pittura vana. E i piaceri di questi due sensi, non solamente sono più lunghi: ma eziandio più convenienti alla complessione umana. Imperocchè nessuna cosa è più conveniente alli spiriti del corpo umano, che le voci e le figure degli uomini: spezialmente di quelli, che non solamente per similitudine di natura, ma eziandio per grazia di bellezza piacciono. E per questo i collerici e melanconici seguitano molto i diletti del canto e della forma, come unico rimedio e conforto di loro complessione molestissima: e però sono a le lusinghe di Amore inclinati. Come Socrate il quale fu giudicato da Aristotile di complessione malinconica. E costui fu dato allo Amore più che uomo alcuno, secondo che egli medesimo confessava. Il medesimo possiamo giudicare di Saffo poetessa, la quale dipinge sè stessa melanconica e innamorata. Ancora il nostro Vergilio, che per la sua effige fu collerico, benchè vivesse casto, visse sempre in Amore.

 

Aber die Liebe bringt die Menschen nicht allein in den eben beschriebenen Zustand, sondern es neigen auch umgekehrt die von Natur so beschaffenen zur Liebe. Dies sind solche, in welchen gelbe und schwarze Galle vorherrschen. Die gelbe Galle ist warm und trocken, die schwarze trocken und kalt. Jene nimmt im Körper die Stelle des Feuers, diese die Stelle der Erde ein. Daher bezeichnet hager und trocken den Melancholiker mit erdigem Temperament, bleich und gelblich den Choleriker mit feurigem. Choleriker stürzen sich mit dem Ungestüm ihres feurigen Temperamentes in den Liebestaumel wie in einen Abgrund. Melancholiker sind wegen der Trägheit ihres erdartigen Temperamentes langsamer in der Liebe. Doch befinden sie sich erst einmal im Netz, so zappeln sie der Beständigkeit ihres Temperamentes wegen sehr lange darin.

Folglich wird Eros zu Recht als dürr und fahl beschrieben, da solche Menschen sich mehr als andere der Liebe hingeben. Meiner Meinung nach kommt dies daher, weil die Choleriker durch die Hitze der gelben Galle brennen, während die Melancholiker durch die Schärfe der schwarzen aufgerieben werden, wie es Aristoteles im siebenten Buche seiner Ethik behauptet. Beide quält also unaufhörlich der lästige Saft und zwingt sie, ein Linderungsmittel mit anhaltende Wirkung wider die andauernde Beschwerde ihres Temperamentes zu suchen. Als solches bietet sich hauptsächlich Ergötzung durch Musik und Liebe an, denn wir vermögen uns keinem Vergnügen so ununterbrochen zu widmen wie dem Wohlklang von Musik und der Betrachtung der Schönheit. Das Verlangen der übrigen Sinne ist bald befriedigt, doch Gesicht und Gehör ergötzen sich lange Zeit an Tönen und bloßen Bildern. Dieser beiden Sinne Genüsse sind nicht allein anhaltender, sondern auch der menschlichen Gemütslage angemessener, denn nichts ist für die Lebensgeister des menschlichen Leibes passender, als die Stimmen und Gestalten der Menschen, insbesondere derjenigen, die nicht nur zufolge der Gleichheit ihrer Natur, sondern auch durch den Liebreiz ihrer Schönheit Wohlgefallen erregen. Darum suchen Choleriker und Melancholiker besonders Ergötzung durch Gesang und schöne Form als einziges Heil- und Linderungsmittel wider die Beschwerden ihrer Komplexion, und eben darum sind sie auch den Reizen der Liebe zugänglich. So war Sokrates, den Aristoteles als einen Melancholiker schildert, seinem eigenen Geständnis zufolge überaus zur Liebe veranlagt. Gleiches können von der Poetin Sappho annehmen, die sich selbst als melancholisch und liebebedürftig beschreibt. Auch unser Vergil, den sein Äußeres als Choleriker erscheinen ließ, lebte zwar keusch, war jedoch überaus der Liebe zugeneigt.

 

Michelangelo Buonarroti

I’ sto rinchiuso come la midolla
da la sua scorza, qua pover e solo,
come spirto legato in un’ampolla:
e la mia scura tomba è picciol volo,
dov’è Aragn’ e mill’opre e lavoranti,
e fan di lor filando fusaiuolo.
 D’intorn’a l’uscio ho mete di giganti,
ché chi mangi’uva o ha presa medicina
non vanno altrove a cacar tutti quanti.
 I’ ho ’mparato a conoscer l’orina
e la cannella ond’esce, per quei fessi
che ’nanzi dì mi chiamon la mattina.
 Gatti, carogne, canterelli o cessi,
chi n’ha per masserizi’ o men vïaggio
non vien a vicitarmi mai senz’essi.
 L’anima mia dal corpo ha tal vantaggio,
che se stasat’ allentasse l’odore,
seco non la terre’ ’l pan e ’l formaggio.
 La toss’ e ’l freddo il tien sol che non more;
se la non esce per l’uscio di sotto,
per bocca il fiato a pen’ uscir può fore.
 Dilombato, crepato, infranto e rotto
son già per le fatiche, e l’osteria
è morte, dov’io viv’ e mangio a scotto.
 La mia allegrezz’ è la maninconia,
e ’l mio riposo son questi disagi:
che chi cerca il malanno, Dio gliel dia.
 Chi mi vedess’ a la festa de’ Magi
sarebbe buono; e più, se la mia casa
vedessi qua fra sì ricchi palagi.
 Fiamma d’amor nel cor non m’è rimasa;
se ’l maggior caccia sempre il minor duolo,
di penne l’alma ho ben tarpata e rasa.
 Io tengo un calabron in un orciuolo,
in un sacco di cuoio ossa e capresti,
tre pilole di pece in un bocciuolo.
 Gli occhi di biffa macinati e pesti,
i denti come tasti di stormento
c’al moto lor la voce suoni e resti.
 La faccia mia ha forma di spavento;
i panni da cacciar, senz’altro telo,
dal seme senza pioggia i corbi al vento.
 Mi cova in un orecchio un ragnatelo,
ne l’altro canta un grillo tutta notte;
né dormo e russ’ al catarroso anelo.
 Amor, le muse e le fiorite grotte,
mie scombiccheri, a’ cemboli, a’ cartocci,
agli osti, a’ cessi, a’ chiassi son condotte.
 Che giova voler far tanti bambocci,
se m’han condotto al fin, come colui
che passò ’l mar e poi affogò ne’ mocci?
 L’arte pregiata, ov’alcun tempo fui
di tant’opinïon, mi rec’a questo,
povero, vecchio e servo in forz’altrui,
 ch’i’ son disfatto, s’i’ non muoio presto.
    Deutsch.Ich bin wie Mark in seiner Hülle, abgesperrt, arm, einsam, Weingeist in der Flasche. Die grabähnliche Wohnung hemmt mir den Flug, Spinnen und ihre Schwestern weben hier tausend staubgraue Werke. Wer gegessen hat oder Arznei nahm, scheißt vor meiner Tür. Ich lerne den Geruch der Urinarten in der Abflußrinne unterscheiden, den Gestank von Narren, die nachts umhertreiben, Katzen und Aas, Nachttöpfe und Dungpfannen, wer auch nur Geräte dieser Art zu entleeren hat, kommt ganz sicher zu mir. Meine Seele ist allerdings meinem Körper gegenüber im Vorteil, denn, wenn auch die das alles röche, behielte sie nichts mehr bei sich, weder Brot noch Käse. Husten und Kälte schütteln mich; wenn ich ‚unten‘ atmen könnte, würde aus dem Mund bald wohl kein Hauch mehr dringen. Ausgeleiert bin ich, zerrissen, zerbrochen, durch all die Mühe, und tot sind alle Wirtshäuser, in denen ich einst aß. Meine Freude ist die Melancholie, meine Ruhe die Qualen. Als Narrenfigur wäre ich gut, mit dieser Hütte hier, mitten unter prächtigen Palästen. Die Liebesflamme ist erloschen, die Seele ist kahl. Ich schwätze wie eine Wespe im Krug. Ein Lederbeutel bin ich, voller Knochen und Sehnen, und Steine habe ich im Bauch. Die Augen sind trüb und krank, die Zähne abgegriffen, sie klappern beim Sprechen. Mein Antlitz ‚ha forma di spavento‘, ist ein Bild des Grauens. Im Ohr nistet eine Spinne, im andern eine Grille. Das katarrhalische Gekratze raubt mir den Schlaf. Die Liebe, die Musen, die blühenden Grotten, alles ist in Unrat erstickt. Was hilft’s, soviel Puppen gemacht zu haben, wenn man so endet wie der, welcher den Ozean überqueren wollte und im Sumpf absackt! Die wohlgelobte Kunst, von der ich soviel wußte, brachte mich hierher. Arm, alt, andern untertan. Ich löse mich auf, wenn ich nicht bald sterbe! — Nach der freien Übersetzung von Gustav René Hocke.

 

Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim
De occulta philosophia libri tres
De furore & diuinationibus, quæ in uigilia fiunt, de melancholici humoris potentia, quo etiam dæmones nonnunquam in humana corpora illiciuntur. — Lib I, cap. lx.

Contigit etiam, non modo dormientes, sed & uigilantes nonnumquam soluto animo, suisque stimulis impulso diuinare, quam diuinationem Aristoteles furorem uocat, & ab humore melancholico procedere docet in tractatu de diuinatione inquiens: Melancholici propter uehementiam longe bene coniectant, & cito habitum imaginantur facillimeque cœlestium recipiunt impressionem. Et in Problematibus ait: Sibyllas, & Bacchides, & Niceratum Syracusanum, & Amonem à naturali melancholica complexione fuisse diuinatores atque poëtas. Causa itaque furoris, si qua intra humanum corpus est, humor est melancholicus: non quidem ille, qui atra bilis uocatur, qui adeo praua horribilisque res est, ut impetus eius à physicis ac medicis ultra maniam, quam inducit, etiam malos dæmones ad obsidenda humana corpora illicere perhibeatur. Humorem igitur hic intelligimus melancholicum, que naturalis & candida bilis uocatur: Hæc enim quando accenditur, atque ardet, furorem concitat, ad scientiam nobis ac diuinationem conducentem, maxime aurem si iuuetur influxu aliquo cœlesti præcipue Saturni, qui cum ipse frigidus sit atque siccus, qualis est humor melancholicus, illum quotidie influit auget atque conseruat. Præterea cum sit ipse arcanæ contemplationis autor, ab omni publico negotio alienus ac planetarum altissimus, animam ipsam cum ab externis officiis ad intima semper reuocat, tum ab inferioribus ascendere facit, trahendo ad altissima, scientiasque ac futurorum, præsagia largitur: & hoc est quod intendit, Aristoteles in lib. Problematum: Ex melancholia, inquiens, quidam facti sunt sicut diuini prædicentes futura & quidam facti sunt poëtæ. Ait præterea omnes uiros in quauis scientia præstantes, ut plurimum extitisse melancholicos: quibus etiam Democritus & Plato attestantur asserentes melancholicos nonnullos intantum præstare ingenio, ut diuini potius quàm humani uideantur. Sic melancholicos perplures primum rudes, ineptos, insanos, quales extitisse aiunt Hesiodum, Ionem, Tynnichum, Calcinensem, Homerum & Lucretium, sæpe furore subito corripi, ac in poëtas euadere, & miranda quædam diuinaque canere, etiam quæ ipsimet uix intelligant. Vnde diuus Plato in Ione, plerique inquit, uates postquam furoris remissus est impetus, quæ scripserunt non satis intelligunt, cum tamem recte de singulis artibus in furore tractauerint, quod singuli harum artifices legendo diiudicant. Tantum præterea tradunt melancholici humoris imperium esse, ut suo impetu etiam cœlestes dæmones in humana corpora nonnunque rapiant, quorum præsentia, & instinctu, homines debacchari, & mirabilia multa effari omnis testatur antiquitas: idemque sub triplici differentia, iuxta triplicé animæ apprehensionem, uidelicet imaginatiuam, rationalem & mentalem contingere putant. Dicunt itaque, quando anima melancholico humore impulsa, nullo cohibente, habenas corporis, membrorumque uincula transgresa, tota in imaginationem transfertur, subito efficitur inferiorum dæmonum habitaculum, à quibus manualium artium sæpe miras accipit rationes. Sic uidemus rudissimum aliquem hominem subito in pictorem egregium aut architectum, uel alterius cuiusque artis euadere magistrum. Quando uero eiusmodi dæmones futura nobis portendunt, tunc ostendunt quæ ad elementorum turbationes, temporumque uicissitudines attinent, ut futuram pluuiam, tempestatem, inundationem, terræmotum, mortalitatem, famem, stragem & eiusmodi: quemadmodum apud Aulum Gellium legimus, Cornelium, sacerdotem, quo tempore Cæsar & Pompeius in Thessalia confligebant, Pataui furore correptum, & tempus & ordinem, & exitum pugnæ prænarrasse. Quando uero anima tota in rationem conuertitur, mediorum dæmonum efficitur domicilium: hinc rerum naturalium humanarumque nanciscitur scientiam atque prudentiam. Sic uidemus hominem aliquem subito in philosophum, uel medicum uel oratorerem egregium euadere, ex futuris autem prædicere quæ ad regnorum mutationes & seculorum restitutiones pertinent, quemadmodum Sibylla Romanis. Dum uero anima tota in mentem assurrexerit, tunc sublimium dæmonum receptaculum effecta, ab illis arcana ediscit diuinorum, puta dei legem, ordines angelorum, & quæ ad æternarum rerum cognitionem animarumque salutem pertinent. De futuris uero præuidet, quæ diuinæ prouidentiæ adiacent, ut futura prodigia seu miracula, futurum prophetam uel legis mutationem. (…) Sunt etiam quædam prognostica, quæ inter confinia naturalis & transnaturalis diuinationis media sunt, ut in hisqui morti proximi, & senecta debilitati, nonnunquam futura præuident, quia ut inquit Plato, in repub. qui sensibus minus præpediti sunt, eo acutius intelligunt, & quia loco quo sunt migraturi uiciniores sunt, & quasi iam paululum relaxatis uinculis, non omnino corpori amplius obnoxii sunt, diuinæ reuelationis lumina facile percipiunt. — Zitiert nach Ausg. Köln, 1533.

Of Madness, and Divinations which are made when men are awake, and of the Power of a Melancholy Humor, by which Spirits are sometimes induced into Men’s Bodies.

It happens also, sometimes, that not only they that are asleep, but also they that are watchful, do, with a kind of instigation of mind, divine; which divination Aristotle calls ravishment, or a kind of madness, and teacheth that it proceeds from a melancholy humor, saying- in his treatise of divination: Melancholy men, by reason of their earnestness, do far better conjecture, and quickly conceive a habit, and most easily receive an impression of the celestials. And he, in his Problems, saith that the Sibyls, and the Bacchides, and Niceratus the Syracusan, and Ammon, were, by their natural melancholy complexion, prophets and poets. The cause, therefore, of this madness, if it be anything within the body, is a melancholy humor; not that which they call black choler, which is so obstinate and terrible a thing, that the violence of it is said, by physicians and natural philosophers (besides madness, which it doth induce), to draw or entice evil spirits to seize upon men’s bodies. Therefore, we understand a melancholy humor here, to be a natural and white choler. For this, when it is stirred up, burns, and stirs up a madness conducing to knowledge and divination, especially if it be helped by any celestial influx, especially of Saturn, who (seeing he is cold and dry, as is a melancholy humor, hath his influence upon it) increaseth and preserveth it. Besides, seeing he is the author of secret contemplation, and estranged from all public affairs, and the highest of all the planets, he doth, as he withcalls his mind from outward business, so also make it ascend higher, and bestows upon men the knowledge and presages of future things. And this is Aristotle’s meaning in his book of Problems. By melancholy, saith he, some men are made, as it were, divine, foretelling things to come; and some men are made poets. He saith, also, that all men that were excellent in any science, were, for the most part, melancholy. Democritus and Plato attest the same, saying that there were some melancholy men that had such excellent wits that they were thought and seemed to be more divine than human. So also there have been many melancholy men at first rude, ignorant and untractable, as they say Tynnichus, Hesiod, Ion, Calcinenses, Homer, and Lucretius were, who on a sudden were taken with a madness and became poets, and prophesied wonderful and divine things, which they themselves scarce understood. Whence Plato, in Ion, saith that many prophets, after the violence of their madness was abated, do not well understand what they wrote, yet treated accurately of each art in their madness; as all artists, by reading of them, judge. So great also, they say, the power of melancholy is of, that, by its force, celestial spirits also are sometimes drawn into men’s bodies, by whose presence and instinct, antiquity testifies, men have been made drunk and spake most wonderful things. And this thing, they think, happens under a three-fold difference, according to a three-fold apprehension of the soul, viz., imaginative, rational, and mental; they say, therefore, that when the mind is forced with a melancholy humor, nothing moderating the power of the body, and, passing beyond the bounds of the members, is wholly carried into imagination, it doth suddenly become a seat for inferior spirits, by which the mind oftentimes receives wonderful ways and forms of manual arts. So we see that any most ignorant man doth presently become an excellent painter, or contriver of building, and to become a master in any such art. But when these kinds of spirits portend to us future things they show those things which belong to the disturbing of the Elements and changes of times, as rain, tempests, inundations, earthquakes, slaughter, great mortality, famine, and the like. As we read in Aulus Gelius that his priest, Cornelius Patarus, did, at the time when Caesar and Pompey were to fight in Thessalia, being taken with a madness, foretell the time, order and issue of the battle. But when the mind is turned wholly into reason it becomes a receptacle for middle world spirits. Hence it obtains the knowledge and understanding of natural and human things. So we see that a man sometimes doth on a sudden become a philosopher, physician, or an orator, and foretells mutations of kingdoms, and restitutions of ages, and such things as belong to them, as did the Sibyl to the Romans. But when the mind is wholly elevated into the understanding, then it becomes a receptacle of sublime spirits and learns of them the secrets of divine things, such as the Law of God, and the Orders of Angels, and such things as belong to the knowledge of things eternal and the ascent of souls. It foresees things which are appointed by predestination, such as future prodigies or miracles, the prophet to come, and the changing of the law. (...) There are also some prognostics which are in the middle, betwixt natural and supernatural divination, as in those who are near to death, and, being weakened with old age, do sometimes foresee things to come, because, as saith Plato, by how much the more men are less hindered by their sense, so much the more accurately they understand, and because they are nearer to the place whither they must go (and their bonds being, as it were, a little loosed, seeing they are no more subject to the body) easily perceive the light of divine revelation. — Translated by Willis F. Whitehead. Chicago: Hahn & Whitehead, 1898.

 

Albrecht Dürer: Melencolia I

Melancholie

 

Teresa de Ávila
Libro de las fundaciones, Capítulo 7
De cómo se han de haber con las que tienen melancolía.

Yo he miedo que el demonio, debajo de color de este humor como he dicho quiere ganar muchas almas. Porque ahora se usa más que suele, y es que toda la propia voluntad y libertad llaman ya melancolía. — English.I am afraid that the devil masked behind the features of this humour - as I said - wants to win many souls; because now this melancholic attitude occurs more frequently than ever, and all manifestations like personal will and freedom are called melancholy. — Translated by Jorge Aladro.

 

Andreas Gryphius
Leo Armenius, Der Vierdte Eingang

Reyen der HoffeJunckern.
Satz.

  Fallen wir der meynung bey
Daß die verhängnis vnß vor vnserm zufall schrecke!
Daß ein Gespänst’ / ein traum / ein zeichen offt entdecke
  Was zu erwartten sey?
Oder ists nur Phantasey / die den müden Geist betrübet
Welcher / weil er in dem Cörper: seinen eignen kummer liebet?

Gegensatz.

  Sol die Seel auch selber sehn
Alßbald der süsse schlaff den Leib hat vberwunden:
(In welchem wie man lehrt sie gleichfalls als gebunden)
  Was zu hoffen / was geschehn?
Die der seuchen Pest außzehrt! die der nahe tod vmbfasset
Haben freylich offt verkündet / was sich fand wenn sie erblasset.

Zusatz.

 Wir / die alles vns zu wissen /
 Von der ersten zeit / beflissen:
 Können gleichwol nicht ergründen:
 Was wir täglich vor vns finden.
 Die der Himmel warn’t durch zeichen:
 Können kaum / ja nicht / entweichen
Auch viel / in dem sie sich den tod bemüht zufliehen
 Siht man dem tod’ entgegen ziehen.

 

Robert Burton
The Anatomy of Melancholy

“MELANCHOLY, the subject of our present discourse, is either in disposition or habit. In disposition, is that transitory melancholy which goes and comes upon every small occasion of sorrow, need, sickness, trouble, fear, grief; passion, or perturbation of the mind, any manner of care, discontent, or thought, which causeth anguish, dulness, heaviness and vexation of spirit, any ways opposite to pleasure, mirth, joy, delight, causing frowardness in us, or a dislike. In which equivocal and improper sense, we call him melancholy that is dull, sad, sour, lumpish, ill-disposed, solitary, any way moved, or displeased. And from these mclancholy dispositions, no man living is free, no stoic, none so wise, none so happy, none so patient, so generous, so godly, so divine, that can vindicate himself; so well composed, but more or less, some time or other he feels the smart of it. Melancholy in this sense is the character of mortality. (...) This melancholy of which, we are to treat, is a habit, morbus sonticus, or chronicus, a chronic or continuate disease, a settled humour, as Aurelianus and others call it, not errant, but fixed; and as it was long increasing, so now being (pleasant, or painful) grown to an habit, it will hardly be removed.” — Part 1. Introduction and Partition 1, The Causes of Melancholy, Subsect. V, Melancholy in Disposition, improperly so called, Equivocations. Sixth edition, 1652.

Deutsche Ausgabe: Anatomie der Melancholie. Über die Allgegenwart der Schwermut, ihre Ursachen und Symptome sowie die Kunst, es mit ihr auszuhalten. Aus dem Englischen übertragen und mit einem Nachwort versehen von Ulrich Horstmann. Zürich und München: Artemis, 1988.

“By this art you may contemplate the variation of the twenty-three letters, which may be so infinitely varied, that the words complicated and deduced thence will not be contained within the compass of the firmament; ten words may be varied 40,320 several ways.” — Part 2, Sect. II, Memb. IV, Exercise rectified of Body and Mind.

 

John Fletcher: Melancholy

Hence, all you vain delights,
  As short as are the nights
  Wherein you spend your folly!
There ’s naught in this life sweet,
If men were wise to see’t,
  But only melancholy —
  O sweetest melancholy!
Welcome, folded arms and fixed eyes,
A sight that piercing mortifies,
A look that ’s fasten’d to the ground,
A tongue chain’d up without a sound!
 
Fountain-heads and pathless groves,
Places which pale passion loves!
Moonlight walks, when all the fowls
Are warmly housed, save bats and owls!
  A midnight bell, a parting groan —
  These are the sounds we feed upon:
Then stretch our bones in a still gloomy valley,
Nothing ’s so dainty sweet as lovely melancholy.

 

John Ford
The Lover’s Melancholy, III,iii

Rhetias. Bow, how! wow, wow! The moon’s eclipsed; I’ll to the church-yard and sup. Since I turn’d wolf I bark, and howl and dig up graves; I will never have the sun shine again: ’tis midnight, deep dark midnight, — get a prey, and fall to—I have catch’d thee now. — Arre! — (...)

Pelias. I will hang ’em all, and hum my wife. Was I not an emperor? my hand was kiss’d, and ladies lay down before me. In triumph did I ride with my nobles about me, till the mad dog bit me; I fell, and I fell, and Ifell. It shall be treason by statute for any man to name water, or wash his hands, throughout all my dominions. (...)

Philosopher. Philosophers dwell in the moon. Speculation and theory girdle the world about, like a wall. Ignorance, like an atheist, must be damn’d in the pit. I am very, very poor, and poverty is the physic for the soul; my opinions are pure and perfect. Envy is a monster, and I defy the beast. (...)

Cuculus. They that will learn to drink a health in hell,
Must learn on earth to take tobacco well,
To take tobacco well, to take tobacco well;
For in hell they drink nor wine, nor ale, nor beer,
But fire, and smoke, and stench, as we do here.(...)
Hark, did you not hear a rumbling!
The goblins are now a tumbling!
I’ll tear ’em. I’ll sear ’em,
I’ll roar ’em, I’ll gore ’em!
Now, now, now! my brains are jumbling. —

 

Friedrich von Schiller
Melancholie an Laura

  Laura — Sonnenaufgangsgluth
Brennt in deinen goldnen Blicken,
  In den Wangen springt purpurisch Blut,
  Deiner Thränen Perlenfluth
Nennt noch Mutter das Entzücken —
  Dem der schöne Tropfe thaut,
  Der darin Vergöttrung schaut,
Ach, dem Jüngling, der belohnet wimmert,
Sonnen sind ihm aufgedämmert!
 
Deine Seele, gleich der Spiegelwelle
Silberklar und Sonnenhelle,
  Maiet noch den trüben Herbst um dich;
  Wüsten, öd’ und schauerlich,
Lichten sich in deiner Strahlenquelle;
Düstrer Zukunft Nebelferne
Goldet sich in deinem Sterne;
  Lächelst du der Reize Harmonie?
  Und ich weine über sie. —
 
Untergrub denn nicht der Erde Feste
  Lange schon das Reich der Nacht?
Unsre stolz aufthürmenden Paläste,
  Unsrer Städte majestät’sche Pracht
Ruhen all’ auf modernden Gebeinen;
  Deine Nelken saugen süßen Duft
Aus Verwesung; deine Quellen weinen
  Aus dem Becken einer — Menschengruft.
 
Blick’ empor — die schwimmenden Planeten
Laß dir, Laura, seine Welten reden!
  Unter ihrem Zirkel flohn
  Tausend bunte Lenze schon,
Thürmten tausend Throne sich,
Heulten tausend Schlachten fürchterlich.
  In den eisernen Fluren
  Suche ihre Spuren!
Früher, später reif zum Grab,
Laufen, ach, die Räder ab
  An Planetenuhren.
 
  Blinze dreimal — und der Sonnen Pracht
  Löscht im Meer der Todtennacht!
Frage mich, von wannen deine Strahlen lodern!
  Prahlst du mit des Auges Gluth?
  Mit der Wangen frischem Purpurblut,
Abgeborgt von mürben Modern?
  Wuchernd fürs geliehne Roth,
  Wuchernd, Mädchen, wird der Tod
Schwere Zinsen fodern!
 
Rede, Mädchen, nicht dem Starken Hohn!
  Eine schönre Wangenröthe
Ist doch nur des Todes schönrer Thron;
  Hinter dieser blumigten Tapete
Spannt den Bogen der Verderber schon —
Glaub’ es — glaub’ es, Laura, deinem Schwärmer:
  Nur der Tod ist’s, dem dein schmachtend Auge winkt;
  Jeder deiner Strahlenblicke trinkt
Deines Lebens karges Lämpchen ärmer;
  Meine Pulse, prahlest du,
Hüpfen noch so jugendlich von dannen —
Ach! die Kreaturen des Tyrannen
  Schlagen tückisch der Verwesung zu.
 
  Auseinander bläst der Tod geschwind
  Dieses Lächeln, wie der Wind
Regenbogenfarbigtes Geschäume.
  Ewig fruchtlos suchst du seine Spur,
  Aus dem Frühling der Natur,
Aus dem Leben, wie aus seinem Keime,
  Wächst der ew’ge Würger nur.
 
Weh! entblättert seh’ ich deine Rosen liegen,
  Bleich erstorben deinen süßen Mund,
  Deiner Wangen wallendes Rund
Werden rauhe Winterstürme pflügen,
  Düstrer Jahre Nebelschein
Wir der Jugend Silberquelle trüben,
Dann wird Laura — Laura nicht mehr lieben,
  Laura nicht mehr liebenswürdig sein.
 
Mädchen — stark wie Eiche stehet noch dein Dichter;
  Stumpf an meiner Jugend Felsenkraft
  Niederfällt des Todtenspeeres Schaft;
Meine Blicke — brennend wie die Lichter
  Seines Himmels — feuriger mein Geist
Denn die Lichter seines ew’gen Himmels,
Der im Meere eignen Weltgewimmels
  Felsen thürmt und niederreißt;
Kühn durchs Weltall steuern die Gedanken,
Fürchten nichts — als seine Schranken.
 
Glühst du, Laura? Schwillt die stolze Brust?
Lern’ es, Mädchen, dieser Traum der Lust,
  Dieser Kelch, woraus mir Gottheit düftet —
  Laura — ist vergiftet!
Unglückselig! unglückselig! die es wagen,
Götterfunken aus dem Staub zu schlagen.
  Ach! die kühnste Harmonie
Wirft das Saitenspiel zu Trümmer,
  Und der lohe Ätherstrahl Genie
Nährt sich nur vom Lebenslampenschimmer —
  Wegbetrogen von des Lebens Thron,
  Frohnt ihm jeder Wächter schon!
Ach! schon schwören sich, mißbraucht zu frechen Flammen,
Meine Geister wider mich zusammen!
Laß — ich fühl’s — laß, Laura, noch zween kurze
  Lenze fliegen — und dies Moderhaus
Wiegt sich schwankend über mir zum Sturze,
  Und in eignem Strahle lösch’ ich aus. — —
 
Weinst du, Laura? — Thräne, sei verneinet,
Die des Alters Strafloos mir erweinet!
  Weg! versiege, Thräne, Sünderin!
Laura will, daß meine Kraft entweiche,
Daß ich zitternd unter dieser Sonne schleiche,
  Die des Jünglings Adlergang gesehn? —
Daß des Busens lichte Himmelsflamme
Mit erfrornem Herzen ich verdamme,
Daß die Augen meines Geists verblinden,
Daß ich fluche meinen schönsten Sünden?
  Nein! versiege, Thräne, Sünderin! —
Brich die Blume in der schönsten Schöne,
Lösch’, o Jüngling mit der Trauermiene,
  Meine Fackel weinend aus;
Wie der Vorhang an der Trauerbühne
Niederrauschet bei der schönsten Scene,
  Fliehn die Schatten — und noch schweigend horcht das Haus. —

 

John Keats
Ode on Melancholy

Though you should build a bark of dead men’s bones,
 And rear a phantom gibbet for a mast,
Stitch shrouds together for a sail, with groans
 To fill it out, blood-stained and aghast;
Although your rudder be a dragon’s tail
 Long sever’d, yet still hard with agony,
  Your cordage large uprootings from the skull
Of bald Medusa, certes you would fail
 To find the Melancholy—whether she
  Dreameth in any isle of Lethe dull.
 
No, no, go not to Lethe, neither twist
 Wolf’s-bane, tight-rooted, for its poisonous wine;
Nor suffer thy pale forehead to be kiss’d
 By nightshade, ruby grape of Proserpine;
Make not your rosary of yew-berries,
 Nor let the beetle, nor the death-moth be
  Your mournful Psyche, nor the downy owl
A partner in your sorrow’s mysteries;
 For shade to shade will come too drowsily,
  And drown the wakeful anguish of the soul.
 
But when the melancholy fit shall fall
 Sudden from heaven like a weeping cloud,
That fosters the droop-headed flowers all,
 And hides the green hill in an April shroud;
Then glut thy sorrow on a morning rose,
 Or on the rainbow of the salt sand-wave,
  Or on the wealth of globed peonies;
Or if thy mistress some rich anger shows,
 Emprison her soft hand, and let her rave,
  And feed deep, deep upon her peerless eyes.
 
She dwells with Beauty—Beauty that must die;
 And Joy, whose hand is ever at his lips
Bidding adieu; and aching Pleasure nigh,
 Turning to poison while the bee-mouth sips:
Ay, in the very temple of Delight
 Veil’d Melancholy has her sovran shrine,
  Though seen of none save him whose strenuous tongue
 Can burst Joy’s grape against his palate fine;
His soul shalt taste the sadness of her might,
  And be among her cloudy trophies hung.

 

Georg Büchner

Danton, er kleidet sich an: Aber die Zeit verliert uns. Das ist sehr langweilig immer das Hemd zuerst und dann die Hosen drüber zu ziehen und des Abends in’s Bett und Morgens wieder heraus zu kriechen und einen Fuß immer so vor den andern zu setzen, da ist gar kein Absehens wie es anders werden soll. Das ist sehr traurig und daß Millionen es schon so gemacht haben und daß Millionen es wieder so machen werden und, daß wir noch obendrein aus zwei Hälften bestehen, die beide das Nämliche tun, so daß Alles doppelt geschieht. Das ist sehr traurig. — Dantons Tod, II,1.
 

Zeremonienmeister. Es ist ein Jammer. Alles geht zu Grund. Die Braten schnurren ein. Alle Glückwünsche stehen ab. Alle Vatermörder legen sich um, wie melancholische Schweinsohren. Den Bauern wachsen die Nägel und der Bart wieder. Den Soldaten gehen die Locken auf. Von den zwölf Unschuldigen ist Keine, die nicht das horizontale Verhalten dem senkrechten vorzöge. Sie sehen in ihren weißen Kleidchen aus, wie erschöpfte Seidenhasen, und der Hofpoet grunzt um sie herum wie ein bekümmertes Meerschweinchen. Die Herren Offiziere kommen um all ihre Haltung. (...)
Die Hofdamen stehen da wie Gradierbäue. Das Salz krystallisiert an ihren Halsketten. — Leonce und Lena, III,3.

 

Charles Baudelaire
La mort des artistes

Combien faut-il de fois secouer mes grelots
Et baiser ton front bas, morne caricature ?
Pour piquer dans le but, mystique quadrature,
Combien, ô mon carquois, perdre de javelots ?
 
Nous userons notre âme en de subtils complots,
Et nous démolirons mainte lourde armature,
Avant de contempler la grande Créature
Dont l’infernal désir nous remplit de sanglots !
 
Il en est qui jamais n’ont connu leur Idole,
Et ces sculpteurs damnés et marqués d’un affront,
Qui vont se martelant la poitrine et le front,
 
N’ont qu’un espoir, étrange et sombre Capitole !
C’est que la Mort, planant comme un Soleil nouveau,
Fera s’épanouir les fleurs de leur cerveau !

Charles Baudelaire
Journaux intimes. Fusées. Mon cœur mis à nu

J’ai trouvé la définition du Beau, — de mon Beau.

C’est quelque chose d’ardent et de triste, quelque chose d’un peu vague, laissant carrière à la conjecture. Je vais, si l’on veut, appliquer mes idées à un objet sensible, à l’objet, par exemple, le plus intéressant dans la société, à un visage de femme. Une tête séduisante et belle, une tête de femme, veux-je dire, c’est une tête qui fait rêver à la fois, — mais d’une manière confuse, — de volupté et de tristesse; qui comporte une idée de mélancolie, de lassitude, même de satiété, — soit une idée contraire, c’est-à-dire une ardeur, un désir de vivre, associé avec une amertume refluante, comme venant de privation ou de désespérance. Le mystère, le regret, sont aussi des caractères du Beau.

Une belle tête d’homme n’a pas besoin de comporter, excepté peut- être aux yeux d’une femme, — cette idée de volupté, qui dans un visage de femme est une provocation d’autant plus attirante que le visage est généralement plus mélancolique. Mais cette tête contiendra aussi quelque chose d’ardent et de triste, — des besoins spirituels, des ambitions ténébreusement refoulées, — l’idée d’une puissance grondante, et sans emploi, — quelquefois l’idée d’une insensibilité vengeresse, (car le type idéal du Dandy n’est pas à négliger dans ce sujet), — quelquefois aussi, — et c’est l’un des caractères de beauté les plus intéressants, — le mystère, et enfin (pour que j’aie le courage d’avouer jusqu’à quel point je me sens moderne en esthétique), le malheur. Je ne prétends pas que la Joie ne puisse pas s’associer avec la Beauté, mais je dis que la Joie est un des ornements les plus vulgaires; — tandis que la Mélancolie en est pour ainsi dire l’illustre compagne, à ce point que je ne conçois guère (mon cerveau serait- il un miroir ensorcelé?) un type de Beauté où il n’y ait pas du Malheur. Appuyé sur, — d’autres diraient: obsédé par — ces idées, on conçoit qu’il me serait difficile de ne pas conclure que le plus parfait type de Beauté virile est Satan, — à la manière de Milton.

 

Gottfried Keller: Melancholie

Sei mir gegrüßt, Melancholie,
Die mit dem leisen Feenschritt
Im Garten meiner Phantasie
Zu rechter Zeit ans Herz mir tritt!
Die mir den Mut wie eine junge Weide
Tief an den Rand des Lebens biegt,
Doch dann in meinem bittern Leide
Voll Treue mir zur Seite liegt!
 
Die mir der Wahrheit Spiegelschild,
Den unbezwungnen, hält empor,
Daß der Erkenntnis Träne schwillt
Und bricht aus dunklem Aug hervor;
Wie hebst das Haupt du streng und strenger immer,
Wenn ich dich mehr und mehr vergaß
Ob lärmendem Geräusch und Flimmer,
Die doch an meiner Wiege saß!!
 
Wie hängt mein Herz an eitler Lust
Und an der Torheit dieser Welt!
Oft mehr als eines Weibes Brust
Ist es von Außenwerk umstellt,
Und selbst den Trost, daß ich aus eignem Streben,
Was leer und nichtig ist, erkannt,
Nimmst du und hast mein stolz Erheben
Zu Boden allsobald gewandt,!
 
Wenn du mir lächelnd zeigst das Buch
Des Königs, den ich oft verhöhnt,
Aus dem es, wie von Erz ein Fluch,
Daß alles eitel sei! ertönt.
Und nah und ferne hör ich dann erklingen
Gleich Narrenschellen ein Getön –
O Göttin, laß mich dich umschlingen,
Nur du, nur du bist wahr und schön! –!
 
Noch fühl ich dich so edel nicht,
Wie Albrecht Dürer dich geschaut:
Ein sinnend Weib, von innerm Licht
Erhellt, des Fleißes schönste Braut,
Umgeben reich von aller Werke Zeichen,
Mit milder Trauer angetan;
Sie sinnt – der Dämon muß entweichen
Vor des Vollbringens reifem Plan.

 

Friedrich Nietzsche
An die Melancholie, Juli 1871

Verarge mir es nicht, Melancholie,
Daß ich die Feder, dich zu preisen, spitze,
Und daß ich nicht, den Kopf gebeugt zum Knie,
Einsiedlerisch auf einem Baumstumpf sitze.
So sahst du oft mich, gestern noch zumal,
In heißer Sonne morgendlichem Strahle:
Begehrlich schrie der Geyer in das Thal,
Er träumt vom todten Aas auf todtem Pfahle.
 
Du irrtest, wüster Vogel, ob ich gleich
So mumienhaft auf meinem Klotze ruhte!
Du sahst das Auge nicht, das wonnenreich
Noch hin und her rollt, stolz und hochgemuthe.
Und wenn es nicht zu deinen Höhen schlich,
Erstorben für die fernsten Wolkenwellen,
So sank es um so tiefer, um in sich
Des Daseins Abgrund blitzend aufzuhellen.
 
So saß ich oft, in tiefer Wüstenei
Unschön gekrümmt, gleich opfernden Barbaren,
Und Deiner eingedenk, Melancholei,
Ein Büßer, ob in jugendlichen Jahren!
So sitzend freut’ ich mich des Geyer-Flugs,
Des Donnerlaufs der rollenden Lawinen,
Du sprachst zu mir, unfähig Menschentrugs,
Wahrhaftig, doch mit schrecklich strengen Mienen.
 
Du herbe Göttin wilder Felsnatur,
Du Freundin liebst es nah mir zu erscheinen;
Du zeigst mir drohend dann des Geyer’s Spur
Und der Lawine Lust, mich zu verneinen.
Rings athmet zähnefletschend Mordgelüst:
Qualvolle Gier, sich Leben zu erzwingen!
Verführerisch auf starrem Felsgerüst
Sehnt sich die Blume dort nach Schmetterlingen.
 
Dies Alles bin ich — schaudernd fühl’ ich’s nach —
Verführter Schmetterling, einsame Blume,
Der Geyer und der jähe Eisesbach,
Des Sturmes Stöhnen — alles dir zum Ruhme,
Du grimme Göttin, der ich tief gebückt,
Den Kopf am Knie, ein schaurig Loblied ächze,
Nur dir zum Ruhme, daß ich unverrückt
Nach Leben, Leben, Leben lechze!
 
Verarge mir es, böse Gottheit, nicht,
Daß ich mit Reimen zierlich dich umflechte.
Der zittert, dem du nahst, ein Schreckgesicht,
Der zuckt, dem du sie reichst, die böse Rechte.
Und zitternd stammle ich hier Lied auf Lied,
Und zucke auf in rhythmischem Gestalten:
Die Tinte fleußt, die spitze Feder sprüht —
Nun Göttin, Göttin laß mich — laß mich schalten!

 

Joachim Ringelnatz: Melancholie

Von weit her Hundebellen
Klingt durch die nächtliche Ruh.
Es spülen die schwarzen Wellen
Mein Boot dem Ufer zu.
 
Die blauen Berge der Ferne
Winken am Himmelssaum.
Auf in den Lichtbann der Sterne
Trägt mich ein Traum.
 
Stumm ziehen wilde Schwäne
Über das Wasser hin.
Mir kommt eine müde Träne.
Ich weiß nicht, warum ich so bin.

 

Georg Trakl: Melancholie

Bläuliche Schatten. O ihr dunklen Augen,
Die lang mich anschaun im Vorübergleiten.
Guitarrenklänge sanft den Herbst begleiten
Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen.
Des Todes ernste Düsternis bereiten
Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen
Verfallne Lippen und in schwarzen Laugen
Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten.

 

Sigmund Freud
Trauer und Melancholie

Die Zusammenstellung von Melancholie und Trauer erscheint durch das Gesamtbild der beiden Zustände gerechtfertigt. Auch die Anlässe zu beiden aus den Lebenseinwirkungen fallen dort, wo sie überhaupt durchsichtig sind, zusammen. (...) Die Melancholie ist seelisch ausgezeichnet durch eine tief schmerzliche Verstimmung, eine Aufhebung des Interesses für die Außenwelt, durch den Verlust der Liebesfähigkeit, durch die Hemmung jeder Leistung und die Herabsetzung des Selbstgefühls, die sich in Selbstvorwürfen und Selbst­beschimpfungen äußert und bis zur wahnhaften Erwartung von Strafe steigert. Dies Bild wird unserem Verständnis nähergerückt, wenn wir erwägen, daß die Trauer dieselben Züge aufweist, bis auf einen einzigen; die Störung des Selbstgefühls fällt bei ihr weg. Sonst aber ist es dasselbe. (...) Wenden wir nun auf die Melancholie an, was wir von der Trauer erfahren haben. In einer Reihe von Fällen ist es offenbar, daß auch sie Reaktion auf den Verlust eines geliebten Objekts sein kann; bei anderen Veranlassungen kann man erkennen, daß der Verlust von mehr ideeller Natur ist. Das Objekt ist nicht etwa real gestorben, aber es ist als Liebesobjekt verlorengegangen (z.B. der Fall einer verlassenen Braut). In noch anderen Fällen glaubt man an der Annahme eines solchen Verlustes festhalten zu sollen, aber man kann nicht deutlich erkennen, was verloren wurde, und darf um so eher annehmen, daß auch der Kranke nicht bewußt erfassen kann, was er verloren hat. Ja, dieser Fall könnte auch dann noch vorliegen, wenn der die Melancholie veranlassende Verlust dem Kranken bekannt ist, indem er zwar weiß wen, aber nicht, was er an ihm verloren hat. So würde uns nahegelegt, die Melancholie irgendwie auf einen dem Bewußtsein entzogenen Objektverlust zu beziehen, zum Unterschied von der Trauer, bei welcher nichts an dem Verluste unbewußt ist. (...) Der Melancholiker zeigt uns noch eines, was bei der Trauer entfällt, eine außer­ordentliche Herabsetzung seines Ichgefühls, eine großartige Ichverarmung. Bei der Trauer ist die Welt arm und leer geworden, bei der Melancholie ist es das Ich selbst. (...) Unsere Erwartung, die ökonomische Bedingung für das Zustandekommen der Manie nach abgelaufener Melancholie aus der Ambivalenz abzuleiten, welche diese Affektion beherrscht, könnte sich auf Analogien aus verschiedenen anderen Gebieten stützen; aber es gibt eine Tatsache, vor welcher sie sich beugen muß. Von den drei Voraussetzungen der Melancholie: Verlust des Objekts, Ambivalenz und Regression der Libido ins Ich, finden wir die beiden ersten bei den Zwangsvorwürfen nach Todesfällen wieder. Dort ist es die Ambivalenz, die unzweifelhaft die Triebfeder des Konflikts darstellt, und die Beobachtung zeigt, daß nach Ablauf desselben nichts von einem Triumph einer manischen Verfassung erübrigt. Wir werden so auf das dritte Moment als das einzig wirksame hingewiesen. Jene Anhäufung von zunächst gebundener Besetzung, welche nach Beendigung der melancholischen Arbeit frei wird und die Manie ermöglicht, muß mit der Regression der Libido auf den Narzißmus zusammenhängen. Der Konflikt im Ich, den die Melancholie für den Kampf um das Objekt eintauscht, muß ähnlich wie eine schmerzhafte Wunde wirken, die eine außerordentlich hohe Gegenbesetzung in Anspruch nimmt. Aber hier wird es wiederum zweckmäßig sein, haltzumachen und die weitere Aufklärung der Manie zu verschieben, bis wir Einsicht in die ökonomische Natur zunächst des körperlichen und dann des ihm analogen seelischen Schmerzes gewonnen haben.

 

Georg Groddeck
Das Buch vom Es

Und damit doch endlich zum Vorschein kommt, daß ich Arzt bin, der verdrängte Wunsch erscheint in der Erkrankung, in jeder Art der Erkrankung, mag sie organisch oder funktionell sein, mag sie Lungenentzündung oder Melancholie benannt werden. — 12. Brief.

 

Walter Benjamin
Ursprung des deutschen Trauerspiels

Die Kodifikation dieses Symptomkomplexes geht ins hohe Mittelalter zurück, und die Form, welche im zwölften Jahrhundert die Ärzteschule von Salerno in ihrem Haupte Constantinus Africanus der Temperamentenlehre gegeben hat, ist bis zur Renaissance in Kraft geblieben. Ihr zufolge gilt der Melancholische als „neidisch, traurig, habgierig, geizig, treulos, furchtsam und lehmfarben“, der humor melancholicus als die „unedelst complex“. Die Ursache dieser Erscheinungen fand die Humoralpathologie im Überfluß des trockenen und kalten Elements im Menschen. Als dieses Element galt die schwarze Galle — bilis innaturalis oder atra im Gegensatz zur bilis naturalis oder Candida —, wie das feuchte und warme — sanguinische — Temperament im Blute, das feuchte und kalte — phlegmatische — im Wasser und das trockene und warme — cholerische — in der gelben Galle gegründet gedacht wurde. Des weitern war nach dieser Theorie die Milz von ausschlaggebender Bedeutung für die Bildung der unheilvollen schwarzen Galle. Das in sie hinabfließende und in ihr überhandnehmende „dicke und dürre“ Blut mindert das Lachen des Menschen und ruft die Hypochondrie hervor. Die physiologische Herleitung der Melancholie — „Oder ists nur phantasey, die den müden geist betrübet, Welcher, weil er in dem cörper, seinen eignen kummer liebet?“ heißt es bei Gryphius — mußte für das Barock, dem das Elend des Menschentums in seinem kreatürlichen Stande so genau vor Augen stand, höchst eindrucksvoll sein. Wenn aus den Tiefen des kreatürlichen Bereiches, an das die Spekulation des Zeitalters mit den Banden der Kirche selber sich gefesselt sah, die Melancholie aufsteigt, so war ihre Allmacht erklärt. In der Tat ist sie unter den kontemplativen Intentionen die eigentlich kreatürliche und von jeher hat man bemerkt, daß ihre Kraft im Blick des Hundes nicht geringer sein muß als in der Haltung des grübelnden Genius. „Gnädiger Herr, die Traurigkeit ist zwar nicht für Tiere, sondern für Menschen gemacht; allein wenn die Menschen ihr über alles Maß nachhängen, so werden sie zu Tieren“, mit diesen Worten wendet sich Sancho an Don Quichote. Theologisch gewendet, findet sich — und schwerlich als Ergebnis eigner Deduktionen — der gleiche Gedanke bei Paracelsus. „Die Fröligkeit vnn die Traurigkeit/ ist auch geboren von Adam vnn Eua. Die Fröligkeit ist in Eua gelegen/ vnn die Traurigkeit in Adam ... So ein frölichs Mensch/ als Eua gewesen ist/ wirdt nimmermehr geboren: Deßgleichen als traurig als Adam gewesen ist/ wirdt weiter kein Mensch geboren. Dann die zwo Materien Adae vnd Euae haben sich vermischt/ daß die Traurigkeit temperiert ist worden vonn der Fröligkeit/ vnnd die Fröligkeit deßgleichen von der Traurigkeit ... Der Zorn/ Tyranney/ vnnd die Wuetend Eigenschaflt/ deßgleichen die Mildte/ Tugentreiche/ vnnd Bescheidenheit/ ist auch von ihn beyden hie: daß Erste von Eua, das Ander von Adamo, und durch Vermischung eingetheilt inn alle Proles.“ Adam, als Erstgeborner reines Geschöpf, hat die kreatürliche Traurigkeit, Eva, geschaffen ihn zu erheitern, hat die Fröhlichkeit. Die konventionelle Verbindung von Melancholie und Raserei ist nicht beobachtet; Eva mußte als Anstifterin des Sündenfalles bezeichnet werden. Ursprünglich ist freilich diese trübe Auffassung der Melancholie nicht. Vielmehr ist sie in der Antike dialektisch gesehen worden. Unter dem Begriffe der Melancholie bindet eine kanonische Aristotelesstelle die Genialität an den Wahnsinn. Mehr als zwei Jahrtausende lang hat die Symptomenlehre der Melancholie, wie sie im dreißigsten Kapitel der ‚Problemata‘ entwickelt ist, gewirkt. Hercules Aegyptiacus ist der Prototyp des vor seinem Zusammenbruch im Wahnsinn zu den höchsten Taten beflügelten Ingeniums. „Die Gegensätze der intensivsten, geistigen Tätigkeit und ihres tiefsten Verfalles“ werden in solcher Nachbarschaft mit immer gleichstarkem Grauen den Betrachter an sich reißen. Es kommt hinzu, daß melancholische Genialität besonders im Divinatorischen sich zu bekunden pflegt. Antik — der aristotelischen Abhandlung ‚De divinatione somnium‘ entlehnt — ist die Anschauung, daß Melancholie das seherische Vermögen begünstige. Und dieser unverdrängte Rest antiker Theoreme kommt in der mittelalterlichen Überlieferung von den just Melancholischen beschiedenen Seherträumen an den Tag. Auch im siebzehnten Jahrhundert begegnen solche, freilich immer wieder ins Düstere gewandten Charakteristiken: „Allgemeine Traurigkeit ist eine Wahrsagerin alles zukünftigen Unheils.“ Sowie mit größtem Nachdruck Tschernings schönes Gedicht ‚Melancholey Redet selber‘:

Ich Mutter schweren bluts/ ich faule Last der Erden
Wil sagen/ was ich bin/ und was durch mich kan werden.
Ich bin die schwartze Gall/ ’nechst im Latein gehört/
Im Deutschen aber nun/ und keines doch gelehrt.
Ich kan durch wahnwitz fast so gute Verse schreiben/
Als einer der sich last den weisen Föbus treiben/
Den Vater aller Kunst. Ich furchte nur allein
Es möchte bey der Welt der Argwohn von mir seyn/
Als ob vom Höllengeist ich etwas wolt’ ergründen/
Sonst könt’ ich vor der Zeit/ was noch nicht ist/ verkünden/
Indessen bleib ich doch stets eine Poetinn/
Besinge meinen fall/ und was ich selber bin.
Und diesen Ruhm hat mir mein edles Blut geleget
Und Himmelischer Geist/ wann der sich in mir reget/
Entzünd ich als ein Gott die Hertzen schleunig an/
Da gehn sie ausser sich/ und suchen eine Bahn
Die mehr als Weltlich ist. Hat jemand was gesehen/
Von der Sibyllen Hand so ists durch mich geschehen.

 

Die Langlebigkeit dieses gewiß nicht verächtlichen Schemas tieferer anthropologischer Analysen ist erstaunlich. Noch Kant malte das Bild des Melancholikers mit den Farben, in denen es bei älteren Theoretikern erscheint. „Rachbegierde ... Eingebungen, Erscheinungen, Anfechtungen ... bedeutende Träume, Ahndungen und Wunderzeichen“ sprechen die Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen ihm zu. — Trauerspiel und Tragödie. Melancholie, körperlich und seelisch.

 

Jorge Luis Borges
La biblioteca de Babel

Antes, por cada tres hexágonos había un hombre. El suicidio y las enfermedades pulmonares han destruido esa proporción. Memoria de indecible melancolía: A veces he viajado muchas noches por corredores y escaleras pulidas sin hallar un solo bibliotecario. — English. Before, there was a man for every three hexagons. Suicide and pulmonary diseases have destroyed that proportion. A memory of unspeakable melancholy: at times I have traveled for many nights through corridors and along polished stairways without finding a single librarian.
 

 

Burton Melancholy 1628

The Argument of the Frontispiece

Ten distinct Squares here seen apart,
Are joined in one by Cutter’s art.
 
I.
Old Democritus under a tree,
Sits on a stone with book on knee;
About him hang there many features,
Of Cats, Dogs and such like creatures,
Of which he makes anatomy,
The seat of black choler to see.
Over his head appears the sky,
And Saturn Lord of melancholy.
 
II.
To the left a landscape of Jealousy,
Presents itself unto thine eye.
A Kingfisher, a Swan, an Hern,
Two fighting-cocks you may discern,
Two roaring Bulls each other hie,
To assault concerning venery.
Symbols are these; I say no more,
Conceive the rest by that’s afore.
 
III.
The next of solitariness,
A portraiture doth well express,
By sleeping dog, cat: Buck and Doe,
Hares, Conies in the desert go:
Bats, Owls the shady bowers over,
In melancholy darkness hover.
Mark well: If’t be not as’t should be,
Blame the bad Cutter, and not me.
 
IV.
I’th’ under column there doth stand
Inamorato with folded hand;
Down hangs his head, terse and polite,
Some ditty sure he doth indite.
His lute and books about him lie,
As symptoms of his vanity.
If this do not enough disclose,
To paint him, take thyself by th’ nose.
 
V.
Hypocondriacus leans on his arm,
Wind in his side doth him much harm,
And troubles him full sore, God knows,
Much pain he hath and many woes.
About him pots and glasses lie,
Newly brought from’s Apothecary.
This Saturn’s aspects signify,
You see them portray’d in the sky.
 
VI.
Beneath them kneeling on his knee,
A superstitious man you see:
He fasts, prays, on his Idol fixt,
Tormented hope and fear betwixt:
For Hell perhaps he takes more pain,
Than thou dost Heaven itself to gain.
Alas poor soul, I pity thee,
What stars incline thee so to be?
 
VII.
But see the madman rage downright
With furious looks, a ghastly sight.
Naked in chains bound doth he lie,
And roars amain he knows not why!
Observe him; for as in a glass,
Thine angry portraiture it was.
His picture keeps still in thy presence;
’Twixt him and thee, there’s no difference.
 
VIII, IX.
Borage and Hellebor fill two scenes,
Sovereign plants to purge the veins
Of melancholy, and cheer the heart,
Of those black fumes which make it smart;
To clear the brain of misty fogs,
Which dull our senses, and Soul clogs.
The best medicine that e’er God made
For this malady, if well assay’d.
 
X.
Now last of all to fill a place,
Presented is the Author’s face;
And in that habit which he wears,
His image to the world appears.
His mind no art can well express,
That by his writings you may guess.
It was not pride, nor yet vainglory,
(Though others do it commonly)
Made him do this: if you must know,
The Printer would needs have it so.
Then do not frown or scoff at it,
Deride not, or detract a whit.
For surely as thou dost by him,
He will do the same again.
Then look upon’t, behold and see,
As thou lik’st it, so it likes thee.
And I for it will stand in view,
Thine to command, Reader, adieu.