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Ioannes Henricus Meibomius:
De l’utilité de la flagellation

 

Ioannes Henricus Meibomius: De l'utilité de la flagellation, 1795

 

Ioannes Henricus Meibomius: De l'utilité de la flagellation, 1795

 

Ioannes Henricus Meibomius: De l'utilité de la flagellation, 1795

 

Ioannes Henricus Meibomius:

DE L’UTILITÉ | DE LA FLAGELLATION | DANS LA MÉDECINE | ET DANS LES PLAISIRS DU MARIAGE, | ET DES FONCTIONS | DES LOMBES ET DES REINS; | OUVRAGE SINGULIER, | Traduit de latin de J. H. Meibomius, | Et enrichi de notes historiques , critiques et | littéraires , d’une introduction et d’un index. | NOUVELLE ÉDITION.

Paris: Claude-François-Xavier Mercier, 1795.

Duodecimo. 133 x 79 mm. Frontispiz, 151 Seiten, auf p. 95 der Titel zum lateinischen Text, pp. 152-156 mit Anzeigen. Das gestochene Frontispiz zeigt eine Flagellationsszene, darunter eine zweizeilige Legende, s. u.

Rotes, etwas geglättetes Maroquin der Zeit mit glattem, leicht gerundetem Rücken. Dieser durch vergoldete Doppellinien in sechs Felder gegliedert, am Fuß eine Filete; auf den Feldern je ein stilisiertes Blütenornament; der Titel im zweiten. Die Deckel mit Randrahmen aus von durchgezogenen Linien umgebenen sich überschneidenden, gepunkteten Wellen. Stehkantenvergoldung aus Zick-Zacklinie mit kleinen Kreisen; breite Innenkantenvergoldung. Goldschnitt; handgestochene doppelstöckige Kapitale in rosé/weißer Seide. Vorsätze aus fein schattiertem blauem Kleisterpapier, hellblaues Lesebändchen. Dieser Meistereinband wurde Bisiaux zugeschrieben und steht in der Tradition der schlichten Bindungen Deromes. Pierre Joseph Bisiaux wurde 1777 Meister und arbeitete unter verschiedenen Adressen in Paris, band u. a. für Mme Du Barry, Voltaire und Beaumarchais; er signierte mit Etikett, um dessen Spur es sich möglicherweise bei dem Leimschatten auf dem vorderen fliegenden Vorsatz verso handelt. – Devauchelle II,220 – Thoinan, p. 207 – Ramsden 33 – Fléty 25 – Einbandkunde. Ein vergleichbarer Einband mit ähnlichen Stempeln in Rahir VI,1632.

Sehr seltener Druck auf Vélinpapier. Im Katalog der Bibliothèque Roger Peyrefitte (II, n° 147) wurde nur ein Exemplar auf normalem Papier und „Rel. de l’époque“: „Rare en semblable condition de reliure“ angeboten. „Jean Henri Meibom ou Meibomius, fils d’un philologue et historien de mérite, s’adonna à la médecine. Il naquit à Helmstedt en 1590, il étudia la médecine dans plusieurs Universités d’Allemagne et d’Italie, et enseigna cette science dans sa ville natale. Il s’établit à Lubeck en 1626, et fut nommé, trois ans après, médecin de cette ville.“ (Jouin/Descreux, p. 195). Diese, erstmals 1792 erschienene, französische Übersetzung rührt von vom Verleger des Werkes, Claude-François-Xavier Mercier de Compiègne (1763-1800).
Provenienz: 1. Chardon de la Rochette (1753-1814) mit seinem handschriftlichen Eintrag auf dem vorderen fliegenden Blatt verso oben. Er war „philologue et bibliographe distingué“ et il „parait (...) avoir eu le gôut le plus prononcé pour les détails obscènes, comme on s’en aperçoit à la lecture d’un assez grand nombre de ses dissertations.“ Michaud: Biographie universelle VII,508-10. „Célèbre bibliographe et collectionneur.“ Cf. Ebert 10840 Anm. & 4005. 2. Fürstlich Starhembergsche Familien Bibliothek Schloß Eferding mit dem kopfstehenden Stempel auf dem hinteren zweiten fliegenden Vorsatz verso. Das Geschlecht ist in Oberösterreich beheimatet, seit 1643 Reichsgrafen, seit 1765 Reichsfürsten.

Einband minimal fleckig, innen bis auf wenige Fleckchen frisch und breitrandig. Sehr schönes, meisterlich gebundenes Exemplar; in diesem Zustand von größter Seltenheit.

Contemporary red morocco, gilt. A fine copy.

Brunet I,676-7 & III,1576 – Hayn/Gotendorf II,299 – Gay/L. I,807 – Bibl. Arcana 237 – Kearney 1139 – Cohen/Ricci 696 – Cat. Peyrefitte II,147 – Jouin/Descreux 617 – nicht bei Pia – cf. Ashbee: Catena Librorum Tacendorum, pp. 530-531 – Bibliographien.
Die Abbildungen stammen aus meinem Katalog Nr. 15 und dessen Beilagen, sind bearbeitet und geben nicht den originalen Zustand wieder.

 

Der obige, nur eingefärbte Scan der Abbildung in Katalog 15 wird trotz mehrfacher Bearbeitung der schlichten Ästhetik dieses Einbandes nicht gerecht, die nur wenig geglättete Struktur des Maroquins ging durch den Raster des Offsetdruckes und dessen anschließende Beseitigung verloren, dafür entstanden die beim Original nicht verhandenen Schattierungen auf dem Deckel. Für mich einer der schönsten Einbände, die ich je anbot. Er wurde ins Ausland verkauft, ich bin geneigt zu bemerken: typisch.

Der 1639 von Ioannes Henricus Meibomius (1590-1655) veröffentlichte Tractus de usu flagrorum en re Medica et Venaria war die erste gedruckte Abhandlung zu diesem Thema. Sie wurde lange Zeit als pornographisch eingestuft.
 

“Even at a later period the same opinion obtained as to the efficacy of flagellation, it being supposed by many physicians to reanimate the torpid circulation of the capillary and cutaneous vessels, to increase muscular energy, to promote absorption, and to favour the necessary secretions of our nature. As an erotic stimulant, more particularly it may be observed that, considering the many intimate and sympathetic relations existing between the nervous branches of the extremity of the spinal marrow, it is impossible to doubt that flagellation exercised upon the buttocks and the adjacent parts, has a powerful effect upon the organs of generation.
Meibomius, the great advocate for the use of this remedy, remarks, that stripes inflicted upon the back and loins are of great utility in exciting the venereal appetite, because they create warmth in those parts whose office it is to elaborate the semen and to convey it to the generative organs. He, therefore, considered it by no means wonderful that the miserable victims of debauchery and lasciviousness, as well as those whose powers have been exhausted by age or excess, should have recourse to flagellation as a remedy. He observes that its effect is very likely to be that of renewing warmth in the now frigid parts, and of furnishing heat to the semen, an effect in producing which the pain itself materially contributes by the blood and heat which is thereby drawn down to the part until they are communicated to the reproductive organs, the erotic passion being thus raised, even in spite of nature herself, beyond her powers.” — John Davenport: Aphrodisiacs and Anti-Aphrodisiacs. London, 1869. pp. 113-114.

Meibom: Johann Heinrich M., Mediciner, Sohn des älteren Heinrich, geb. 1590 zu Helmstedt, † 1655 zu Lübeck. Nach größeren Studienreisen wurde er 1619 zu Basel Doctor der Medicin, 1620 Professor der Semiotik zu Helmstedt. Der dreißigjährige Krieg veranlaßte ihn, 1625 Helmstedt mit Urlaub zu verlassen und von Lübeck aus, wo er sich als Arzt niederließ, 1629 seine Professur niederzulegen. Neben der Praxis beschäftigten ihn humanistische Studien und namentlich die Geschichte der Medicin. Ein vierbändiges Werk, welches dieselbe bis zum 15. Jahrhundert behandelte, war bei seinem Tode der Vollendung nahe; den Abschluß verhinderten die Schwierigkeiten, welche ihm die arabische Medicin verursachte. Die im Druck erschienenen theils medicinischen, theils historisch-philologischen Schriften (Mäcenas, Eid des Hippokrates) sind am vollständigsten bei Moller, Cimbria lit. II, 543 verzeichnet. Seine Correspondenz, namentlich mit seinem vertrauten Freunde G. Calixt, befindet sich in den Bibliotheken zu Wolfenbüttel und Hannover, sein medicinischer Nachlaß in der Bibliothek zu Göttingen.“ — Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig: Duncker & Humblot, 1885. Band XXI, p. 188.

Claude-François-Xavier Mercier de Compiègne (1763-1800) war Drucker, Verleger sowie Autor und Herausgeber erotischer Erzählungen und Gedichte, zuvor bis 1779 Sekretär des Chevalier de Jaucourt, dann Marineangestellter und Verleger. Auf seinen Drucken taucht nur sein Name Mercier auf, als Schriftsteller ist er unter dem Namen Mercier de Compiègne bekannt. Es mangelte ihm weder an Talent noch an Leichtigkeit und angenehm gebauten Versen, von denen er einige im Almanach des Muses und Étrennes d’Apollon veröffentlichte. Als Autor und Herausgeber ist sein Name mit erotischen Erzählungen und Gedichten wie Les Veillées du couvent, ou le noviciat d’amour oder Le Bréviaire des jolies femmes für ein libertines Publikum verbunden geblieben. Mercier de Compiegne häufte jedoch kein Vermögen an: Der Konvent setzte ihn auf die Liste der Bürger, denen man Unterstützung gewährte. Ehe er im Alter von 37 Jahren starb, gründete er 1800 eine Monatszeitschrift, Le Furet littéraire, von der nur eine Nummer erschien.

„Delicias pariunt Veneri crudelia flagra,
Dum nocet, illa juvat, dum juvat, ecce nocet.“
„Lo! cruel stripes the sweets of love ensure,
And painful pleasures pleasing pains procure.“
Übersetzt von John Davenport.