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Titus Livius: Historiarum libriAbbildungDeskriptionAnmerkung

Titus Livius: Historiarum, 1634

„... daß wir nämlich die lehrreichen Beispiele aller Art, wie auf einem beleuchteten Denkmale ausgestellt, betrachten können“

Titus Livius:

Gestochener Titel in I: Hiſtoriarvm Libri ex recenſione Heinſiana.
Typographischer Titel in II & III: Hiſtoriarvm ab vrbe condita.

Leiden: Ex Officinâ Elzeviriana [i. e. Bonaventura & Abraham Elzevier], 1634.

Duodecimo. 121 × 65 mm. I: [24], 726, [16] Ss. – Lagenkollation: *12, A-Z12, Aa-HH12. — II: 848, [15], [1]w. Ss. – Lagenkollation: a-z12, aa-nn12. — III: 796, [13], [7]w. Ss. – Lagenkollation: aa-zz12, aaa-lll12. Band I mit gestochenem Titel von Cornelius Claudius Duysendt und Kupfer vor dem Textbeginn. Bände II und III mit der Holzschnittdruckermarke Rahir M10 auf dem Titeln. Alle mit Holzschnittinitialen und -zierstücken.

In drei uniformen hellbraunen, französischen Kalblederbänden des 18. Jh. mit reicher Rückenvergoldung, die die Rücken durch Doppellinien in sechs etwa gleichgroße Felder unterteilt, Titelschilder aus rotem Maroquin jeweils auf zweitem und drittem Feld mit dem Titel und der Bandzahl; die anderen Rückenfelder mit kleinen fleuralen Eckstempeln sowie je einem größeren Mittelstempel; unten eine Filete. Die Deckel mit goldgeprägten Randrahmen aus drei Linien; Stehkantenvergoldung aus einer Linie, zierliche Innenkantenvergoldung. Handgestochene zweifarbige Kapitale, Schnitte marmoriert, Vorsätze aus Kammarmor mit Schnecken, grüne Seidenlesebändchen.

Komplette Reihe der ersten Livius-Ausgabe der Elzevier in diesem Format, und die am schönsten gedruckte: „L’édition de 1634 est celle que les amateurs préfèrent, parce qu’elle est la mieux imprimée.“ (Willems) Zu Cornelius Claudius Duysendt cf. Thieme/B. X,256. – Livius (59 v. – 17 n. Chr.) aus Patavium (Padua) wurde durch sein großes Geschichtswerk bekannt, das in 142 Büchern die Historie Roms von den Anfängen bis zum Tode des Drusus behandelt, wobei mehr als die Hälfte der Darstellung der Revolutionszeit gewidmet ist. Erhalten sind die Bücher 1-10, 21-45 und Fragmente; über den Inhalt der verlorenen Teile informieren die wohl im 4. Jh. entstandenen ‚Periochae’, die ergänzt werden durch eine in Oxyrhynchos wiedergefundene Epitome des 3. oder 4. Jh. mit Resten von Inhaltsangaben verschiedener Bücher. Livius wurde schon zu seinen Lebzeiten anerkannt und galt seitdem als einer der großen Historiker; vornehmlich war er es, der das Bild einer großen Vergangenheit Roms für alle Nachwelt festhielt.

Einbände an den Gelenken teils minimal berieben, Ecken teils leicht bestoßen. I ohne das letzte weiße Blatt HH12; II anfangs mit schwachem Wasserand unten. Sonst ein fast fleckenfreies, frisches Exemplar auf feinerem Papier.

Willems 405 – Rahir 392 – Copinger 2876 – Schweiger 533 – Bibliographien.

 

Ab urbe condita, praefatio

 

Facturusne operae pretium sim si a primordio urbis res populi Romani perscripserim nec satis scio nec, si sciam, dicere ausim, quippe qui cum veterem tum volgatam esse rem videam, dum novi semper scriptores aut in rebus certius aliquid allaturos se aut scribendi arte rudem vetustatem superaturos credunt. Utcumque erit, iuvabit tamen rerum gestarum memoriae principis terrarum populi pro virili parte et ipsum consuluisse; et si in tanta scriptorum turba mea fama in obscuro sit, nobilitate ac magnitudine eorum me qui nomini officient meo consoler. Res est praeterea et immensi operis, ut quae supra septingentesimum annum repetatur et quae ab exiguis profecta initiis eo creverit ut iam magnitudine laboret sua; et legentium plerisque haud dubito quin primae origines proximaque originibus minus praebitura voluptatis sint, festinantibus ad haec nova quibus iam pridem praevalentis populi vires se ipsae conficiunt: ego contra hoc quoque laboris praemium petam, ut me a conspectu malorum quae nostra tot per annos vidit aetas, tantisper certe dum prisca [tota] illa mente repeto, auertam, omnis expers curae quae scribentis animum, etsi non flectere a uero, sollicitum tamen efficere posset.

Quae ante conditam condendamve urbem poeticis magis decora fabulis quam incorruptis rerum gestarum monumentis traduntur, ea nec adfirmare nec refellere in animo est. Datur haec venia antiquitati ut miscendo humana divinis primordia urbium augustiora faciat; et si cui populo licere oportet consecrare origines suas et ad deos referre auctores, ea belli gloria est populo Romano ut cum suum conditorisque sui parentem Martem potissimum ferat, tam et hoc gentes humanae patiantur aequo animo quam imperium patiuntur. Sed haec et his similia utcumque animaduersa aut existimata erunt haud in magno equidem ponam discrimine: ad illa mihi pro se quisque acriter intendat animum, quae vita, qui mores fuerint, per quos uiros quibusque artibus domi militiaeque et partum et auctum imperium sit; labente deinde paulatim disciplina velut desidentes primo mores sequatur animo, deinde ut magis magisque lapsi sint, tum ire coeperint praecipites, donec ad haec tempora quibus nec uitia nostra nec remedia pati possumus perventum est. Hoc illud est praecipue in cognitione rerum salubre ac frugiferum, omnis te exempli documenta in inlustri posita monumento intueri; inde tibi tuaeque rei publicae quod imitere capias, inde foedum inceptu foedum exitu quod vites.

Ceterum aut me amor negotii suscepti fallit, aut nulla unquam res publica nec maior nec sanctior nec bonis exemplis ditior fuit, nec in quam [civitatem] tam serae avaritia luxuriaque immigraverint, nec ubi tantus ac tam diu paupertati ac parsimoniae honos fuerit. Adeo quanto rerum minus, tanto minus cupiditatis erat: nuper diuitiae auaritiam et abundantes voluptates desiderium per luxum atque libidinem pereundi perdendique omnia invexere.

Sed querellae, ne tum quidem gratae futurae cum forsitan necessariae erunt, ab initio certe tantae ordiendae rei absint: cum bonis potius ominibus votisque et precationibus deorum dearumque, si, ut poetis, nobis quoque mos esset, libentius inciperemus, ut orsis tantum operis successus prosperos darent.

Ob ich mir einst, wenn ich die Darstellung der Begebenheiten des Römischen Stats vom Ursprunge Roms an vollenden sollte, von meiner Arbeit Dank versprechen darf, weiß ich theils nicht gewiß, theils möchte ich dies, wenn ich es wüßte, nicht behaupten. Man hat das, wie ich sehe, schon längst, ja schon oft gethan; weil jedesmal die späteren Geschichtschreiber entweder in den Sachen selbst manches zu berichtigen, oder in der Kunst des Vortrags das ungeübte Alterthum zu übertreffen glauben. Es falle aus, wie es wolle, so bleibt mir doch die Freude, daß auch ich zur Erhaltung des Andenkens an die Begebenheiten des ersten Volks der Erde nach meinen Kräften beigetragen habe: und sollte in dem so großen Gedränge von Schriftstellern mein Name im Dunkel bleiben, so will ich mit dem Range und der Größe derer mich trösten, die meinem Ruhme Eintrag thun. Außerdem habe ich nicht nur einen Stoff von ungeheurem Umfange vor mir: denn er führt mich über siebenhundert Jahre zurück, und wuchs, von so kleinem Anfange er ausging, zu dieser Größe, unter der er beinahe erliegt: sondern es wird auch gewiß für die meisten meiner Leser die Urgeschichte Roms mit ihren nächsten Zeiträumen so unterhaltend nicht sein; weil sie zu unserer neueren Zeit eilen, in welcher die Kräfte eines Stats, dem Übermacht so lange schon eigen war, sich selbst verzehren. Ich hingegen will einen Lohn meiner Arbeit auch darin finden, daß ich mich von dem Anblicke der Übel, die unser Zeitalter seit so vielen Jahren sah, wenigstens so lange wegwende, als ich mich mit ganzer Seele in jene Vorwelt versetze, und noch von allen den Rücksichten unangefochten bin, die den Geschichtschreiber, falls sie ihn auch von der Wahrheit nicht ablenken, doch verlegen machen können.

Jene, mehr im Schmucke der dichterischen Erzählung, als durch unverfälschte Denkmale der Geschichte auf uns gekommenen Angaben von Umständen, die sich länger oder zunächst vor Erbauung der Stadt ereignet haben sollen, denke ich eben so wenig zu erhärten, als zu widerlegen. Man hält es der alten Welt zu Gute, wenn sie durch die in die Begebenheiten der Menschen eingemischten Erzählungen von Göttern die Urgeschichte der Staten ehrwürdiger zu machen sucht. Und soll irgend ein Volk auf die Erlaubniß, Heiligkeit in seinen Ursprung zu tragen und göttlicher Einwirkung ihn zuzuschreiben, ein Recht haben; so hat das Römische Volk des kriegerischen Ruhmes so viel, daß die Völker der Erde es eben so willig sich gefallen lassen können, wenn es nun gerade den Mars für seinen und seines Stifters Vater erklärt, als sie sich es gefallen lassen, daß es sie beherrscht. Wie man diese und ähnliche Erzählungen beachten oder beurtheilen werde, kann mir ziemlich gleichgültig sein. Aber darauf, wünschte ich, möge Jeder seine ganze Aufmerksamkeit richten, wie die Lebensart, wie die Sitten waren; durch was für Männer und was für Mittel im Kriege und Frieden Rom seine Oberherrschaft erwarb und erweiterte. Kommt dann die Zeit, wo die alte Zucht allmälig in Verfall gerieth; so verfolge man mit seiner Aufmerksamkeit die anfangs sich gleichsam aus ihren Fugen lösende Sittlichkeit, wie sie nachher immer tiefer sank, dann unaufhaltsam zusammenstürzte; bis wir endlich diese Zeiten erlebt haben, in denen uns unser Verderbniß und seine Heilmittel gleich unerträglich sind. Und gerade dies ist es, was uns die Geschichte zu einer so heilsamen und fruchtbringenden Kenntniß macht; daß wir nämlich die lehrreichen Beispiele aller Art, wie auf einem beleuchteten Denkmale ausgestellt, betrachten können; aus ihnen dann zu unserm und des States Besten das Nachahmungswürdige; aus ihnen die abscheuliche That von gleich abscheulichem Ausgange, um sie zu meiden, uns ausheben.

Übrigens täuscht mich entweder die Liebe zu meinem übernommenen Geschäfte, oder es war wirklich nie ein Stat größer, ehrwürdiger, an guten Beispielen reicher; es war nie eine Stadt, in welche sich Habsucht und Verschwendung so spät eingeschlichen hätten; nie eine, in welcher Armuth und Sparsamkeit so hoch und so lange geachtet waren, So unleugbar ist es, daß die Menschen um so viel weniger begehrten, als sie weniger besaßen. Es ist ja so lange noch nicht, daß der Reichthum den Geiz, und der Überfluß an Befriedigungen der Sinnlichkeit die Sucht in Rom eingeführt haben, durch Üppigkeit und Ausschweifung sich selbst und Alles neben sich zu Grunde zu richten.

Doch Klagen, selbst dann nicht einmal angenehm, wenn sie sich mir sogar aufdringen möchten, sollen bei einem so wichtigen Vorhaben sich wenigstens nicht in den Anfang mischen. Weit lieber würde ich, wenn es bei uns, wie bei den Dichtern, Brauch wäre, unter vorbedeutenden Segenssprüchen beginnen, Göttern und Göttinnen Opfer verheißen und sie anrufen, der Unternehmung eines so großen Werks. einen gesegneten Fortgang angedeihen zu lassen. — Übersetzt von Konrad Heusinger, Braunschweig: Vieweg, 1821.

 

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