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Katalog sieben: Bibliotheca Aldina

Ein schöner Rücken kann auch entzücken ...

Σπεῦδε βραδέως

Aldus Manutius, Bild aus Renouard

Aldus Pius Manutius wurde um 1449 1 Harry G. Fletcher III:
New Aldine Studies.
Documentary Essays on the Life and Work of Aldus Manutius.
San Francisco: B. M. Rosenthal, 1988, p. 27
erörtert das Geburtsdatum:
Die Angaben schwanken zwischen 1447 und 1452.
zu Bassiano bei Sermoneta im Kirchenstaat nahe Rom als Sohn von Antonius Mandutius geboren, weshalb er sich meist Romanus nannte. Er hörte in Rom Vorträge von Domizio Calderini und studierte Latein bei Gaspare da Verona sowie in Ferrara Griechisch bei Battista Guarino. Später wurde er Tutor der Neffen Pico della Mirandolas, Alberto und Lionello Pio, Prinzen von Carpi; zu dieser Zeit nahm er auch den Beinamen Pius an und faßte, unterstützt durch finanzielle Hilfe von Alberto Pio, den Entschluß, zu Venedig eine Druckerei für die Verbreitung der antiken Schriften, vornehmlich die der Griechen aufzubauen.

So verbrachte er wohl zwei Jahre, um Kontakte zu Verlegern zu knüpfen, die finanzielle Sicherheit des Unternehmens zu besorgen, Herausgeber und Gelehrte zu finden sowie die Grundlagen des Druckens und der Typographie zu erlernen. Dabei kreuzte sein Pfad sich bald mit Andrea Torresani, der um 1480 Teile der Jensonschen Druckerei von dessen Witwe gekauft hatte. 1493 erschien bei Torresani die Editio princeps von Aldus’ lateinischer Grammatik.

Das erste Buch dieser Presse nahe 2 Für die Adressen der Offizin cf.
Harry G. Fletcher:
New Aldine Studies.
San Francisco: Rosenthal, 1988,
pp. 62-71, mit Abbildungen.
der Via San Agostino waren die Erotemata von Constantin Laskaris. Ein weiteres wichtiges Ereignis war die Gründung der Neakademia, in der Gelehrte und Herausgeber die Transkription alter Handschriften erörtern konnten.

Von den 38 griechischen Veröffentlichungen zwischen 1495 und 1515 entstammen 27 den Aldinischen Pressen, und 24 von diesen wurden von Aldus selbst oder in Kooperation mit einem oder mehreren Herausgebern gestaltet. Seine Haltung drückt sich am besten im Vorwort zum Thesaurus Cornupopiae aus:

In our day it is indeed a difficult task for the friend of good literature to print Latin books correctly, it is even harder to print Greek books, and the hardest of all tasks is to print in both languages without mistakes. (...) To me, however, this striving for perfection and the eagerness to be of service to you, to supply you with the best books, has developed into an instrument of torture. 3 In:
Aldus Manutius and His Thesaurus Cornucopiae of 1496.
Syracuse UP, 1958. p. 11.
Übersetzung von Antje Lemke.

Wichtig für die Gestaltung seiner griechischen Typen war die Idee, den Korpus des Buchstabens horizontal anzuschrägen, wodurch sich ein weiteres separat gegossenes Zeichen oberhalb der Mittellänge 4 Bei einer Vierlinienschrift z.B. die Höhe der Buchstaben 'a', 'c', 'e', 'u', 'm' u. s. w. in einer eigenen schmalen Zeile einfügen ließ — dies kerning wird von Barker ausführlich behandelt. 5 Nicolas Barker:
Aldus Manutius and the Development of
Greek Script and Type in the Fifteenth Century.
Sandy Hook: Chiswick Book Shop, 1985.
p. 76 sqq. und Abb. 34-35.

Jenen flüssigen Handschriften, wie sie damals üblich waren, nicht den harten, voneinander abgegrenzten Zeichen, meist nur Majuskeln, der Überschriften oder religiösen Manuskripte, sind die griechischen Typen Aldi nachgeahmt. Hinzutritt, daß die griechische Schrift dem Schreiber mehr Raum für individuelle Gestaltung gab: Die Buchstabenform konnte verzerrt, versetzt, sogar zu einer Linie abgewandelt, mehrere Lettern mochten zu einem einzigen Zeichen zusammengeführt werden, wie z. B. ϗ für ϰαι. Nicht die Gleichförmigkeit, sondern die Lebendigkeit der Kalligraphie war erwünscht. 6 Ein Schriftbeispiel unten:
Ἀριστοφάνης · Βάτραχοι,
Ms. von 1362.

Seine lateinische Kursiv hatte ebenfalls die zeitgenössische, italienisch humanistische Hand zum Vorbild 7 Cf.
Luigi Balsamo & Alberto Tinto: Origini del corsivo nella tipografia Italiana del Cinquecento.
Mailand: Il Polifilo, 1967. pp. 25-41.

Nicolas Barker: Aldus Manutius and the Development of Greek Script and Type in the Fifteenth Century.
Sandy Hook: Chiswick Book Shop, 1985. pp. 59-63. Abb. 26,27 and specimen leave 3.

Nicolas Barker: The Aldine Italic. In:
David S. Zeidberg: Aldus Manutius and Renaissance Culture.
Florenz: Olschki, 1998. pp. 95-107.
, und indem sie ähnliche Gestaltungsprinzipien wie eben für die griechische Type aufgezeigt befolgte, bestärkte Aldus den ebenso zwanglosen wie populären Charakter der Oktavausgaben, die vom Reisenden leicht mitgeführt, vom Wartenden aus der Tasche gezogen werden konnten, um zu studieren, bis die Zeit der Muße vorüber war. Ausgaben, die der Gelehrte ebenso wie der Gebildete stets mit sich führen mochte, statt der mit Kommentar überladenen oder sogar an Pulte geketteten Folianten früherer Zeit.

Jene handlichen Oktavausgaben, die durch ihre Größe und Stärke so gut in der Hand lagen — Aldus benutzte den Ausdruck ἐγχείριδιον 8 Enchiridion, ein Manual oder eine kleine Handwaffe. —, der griechischen und lateinischen Klassiker wurden ab 1501 veröffentlicht. Ihre Texte folgten den besten den Herausgebern zugänglichen Handschriften, so daß Standardeditionen geschaffen wurden, die einige Zeit überdauerten.

Parmi tous ceux qui jusqu’à ce jour ont exercé l’art de la Typographie, cet art dans lequel les demi-succès sont aussi faciles que la véritable supériorité est rare, Alde l’ancien et son fils Paul Manuce méritent à tous égards d’occuper la première place. 9 Antoine Augustin Renouard: Annales de l’imprimerie des Alde ou histoire des trois Manuce et de leurs éditions. Troisième édition. Paris: Jules Renouard, 1834. p. iv.

Zweifellos verbanden sich für den Humanisten Aldus ideelle Anstöße mit praktischen Erwägungen. Er kam mit den erschwinglicheren Preisen der handlichen Bände noch unausgesprochenen Bedürfnissen entgegen und erschloß sich damit, wie sich sogleich herausstellte, einen europaweiten Absatzmarkt. Den ideellen Absichten ist die Wahl der Kursiv zuzurechnen, denn damit bürdete er der Schriftherstellung und der Setzerei beträchtliche zusätzliche Lasten auf. Die charakteristischen Buchstabenverbindungen der zeitgenössischen Kursive erforderten nämlich die Anfertigung zahlreicher Ligaturen (man zählt bis zu 65). Außerdem machte die zwar verhältnismäßig geringe Schräglage den Guß überhängender Buchstaben notwendig. Aldus’ Schriftschneider und Schriftgießer hatten diese Schwierigkeiten allerdings schon bei den vorausgegangenen gleichfalls geneigten griechischen Typen seiner Druckerei zu überwinden gewußt. Wie in den Handschriften üblich, wurden zu den kursiven Kleinbuchstaben geradestehende Versalien geschnitten, diese aber besonders klein gehalten, wodurch sie angenehm zurücktraten. 9a Gustav Stresow:
Die Kursiv.
In: Aus dem Antiquariat. 1993,
Heft 2, p. 42.

Francesco Griffo da Bologna schnitt diese feinen Typen, von denen die Überlieferung will, daß sie die Schriftzüge Petrarcas nachahmten — doch ein Vergleich straft diese Tradition Lügen. Jene frühe Kursiv, wie sie im Dante und Vergil verwandt wurde, gab dem Zeitgeschmack Raum, indem sie wie erwähnt ca. 65 Ligaturen verwandte; verschiedene Formen einzelner Buchstaben und gestalterische Kunstgriffe wie das Herausrücken von Zeilenanfängen bei Versen unterstützten den Eindruck, daß der Druck dem Manuskript gleichkäme.

Es entstanden die Editiones principes wichtiger griechischer Philosophen und Schriftsteller wie Aristoteles, Musaios, Theocrit, Aristophanes, Theodoros Gaza, Hesiod, Theognis, Pythagoras u. a.; und nebenher fast unscheinbare Drucke wie 1502 der erste handliche von Le terze rime di Dante.

Mit diesen Ausgaben wurde jenes Signet berühmt, dessen Motiv auf eine unter dem Kaiser Vespasian geprägte Silbermünze zurückgeht, die Aldus von Pietro Bembo geschenkt worden war. Es wurde ab Juni 1502 in verschiedenen Ausführungen benutzt. 10 Cf. Harry G. Fletcher: New Aldine Studies.
San Francisco: Rosenthal, 1988,
pp. 43-59.
1 bis 9 bezeichnen die kleinen Druckermarken,
11 bis 17 die Foliosignete,
mit Abbildungen auf pp. 45-57.

Die zum Emblem passenden antiken Zitate lassen sich bei Sueton: Augustus 25,4 11 „Nihil autem minus perfecto duci quam festinationem temeritatemque convenire arbitrabatur. Crebro itaque illa iactabat: σπεῦδε βραδέως; ἀσφαλὴς γάρ ἐστ᾽ ἀμείνων ἢ θρασὺς στρατηλάτης; et: ‚sat celeriter fieri quidquid fiat satis bene.‘“
„Sunst pflag er auch zůsagen: Es gezimme eym Hauptman nit zů vast eilen vnd zů viel frecheyt, ‚sonder das geschicht baldt gnůg, was wol genůg‘“ (Jakob Vielfeld, 1536)
und den Attischen Nächten des Aulus Gellius 10,11,5 12 „Illud vero Nigidianum rei atque verbi temperamentum divos Augustus duobus Graecis verbis elegantissime exprimebat. Nam et dicere in sermonibus et scribere in epistulis solitum esse aiunt: σπεῦδε βραδέως, per quod monebat, ut ad rem agendam simul adhiberetur et industriae celeritas et diligentiae tarditas, ex quibus duobus contrariis fit maturitas.“
“That limitation of the word, and of the action itself, which was made by Nigidius was very elegantly expressed by the deified Augustus with two Greek words; for we are told that he used to say in conversation, and write in his letters, σπεῦδε βραδέως, that is, ‘make haste slowly,’ by which he recommended that to accomplish a result we should use at once the promptness of energy and the delay of carefulness, and it is from these two opposite qualities that maturitas springs.” (J. C. Rolfe, 1927)
finden. In seiner griechischen Form Σπεῦδε βραδέως erschien das Motto erstmals 1498 im Vorwort zu Angelus Politianus: Opera, fol. a1v. Die lateinische Version taucht im zweiten Widmungsvorwort der Astronomi veteres vom Juni/November 1499 an Alberto Pio von Carpi auf. Im Dezember jenes Jahres erschien dann die Hypnerotomachia Poliphili, ein erotisch-mystischer Roman voller Architekturmodelle und -ruinen — und wohl das schönste Buch, das je die Aldinischen Werkstätten verließ, geschmückt mit Holzschnitten, von denen eine Vielzahl Emblemata zeigt, darunter den Prototyp der Druckermarke (fol. d7r, vide Abbildung unten) und etwa achtzig weitere bildliche Variationen des Themas. 13 Edgar Wind: Pagan Mysteries in the Renaissance.
London: Faber & Faber, 1968.
p. 98 sqq.
“The woodcuts of the Hypnerotomachia alone show more than eighty variations of festina lente, each one of them giving a new twist to the theme” (p. 103).

Eine englische Übersetzung:
Francesco Colonna Hypnerotomachia Poliphili. The Strife of Love in a Dream. The entire text translated for the first time into English with an introduction by Jocelyn Godwin. With the original woodcut illustrations.
London: Thames & Hudson, 1999.

Denn das Zeichen, das einst auf Kaiser Titus Eindruck machte, ist jetzt als seine berühmte Druckermarke überall in der Welt bekannt und beliebt, wo immer es Menschen gibt, die die klassische Literatur kennen und schätzen. (...) für deren Wiedererweckung dieser Mann geradezu geschaffen und, wenn ich so sagen darf, vom Schicksal gesandt und geprägt ist. Denn er hat nur einen glühenden Wunsch, ein Ziel, das er mit nie erlahmendem Eifer verfolgt, einen Plan, für dessen Verwirklichung er keine Mühe scheut: geistig interessierten Menschen die Textgrundlagen vollständig, rein und unverfälscht wieder zugänglich zu machen. 14 Erasmus: Adagia. II,1,1.
In: Ausgewählte Schriften. VII.
Übersetzt von Th. Payr.
Darmstadt: WB, 1972.
pp. 485-7.

Aldus’ Leistung war sowohl in Bezug auf Qualität wie Quantität des Unternehmens großartig. Im Vorwort zur Euripides-Ausgabe von 1503 schreibt er, daß die Presse jeden Monat „tausend oder mehr Exemplare eines guten Autors“ drucke. 15 M. J. C. Lowry: “The ‘New Academy’ of Aldus Manutius. A Renaissance Dream”, Bulletin of the John Rylands Library. 1976;58(2), p. 399. Doch wie der Verlagskatalog des Jahres 1513 zeigt, konnten wohl tausend Exemplare gedruckt worden sein, aber nicht verkauft. Dies traf insbesondere auf die griechischen Ausgaben zu, bei denen der potenzielle Markt wesentlich kleiner war als jener der lateinischen. Dieser Katalog beweist, daß zahlreiche der frühesten griechischen, ab anno 1490 gedruckten Ausgaben mehr als zwanzig Jahre später noch zu günstigen Preisen erhältlich waren.

Die Veröffentlichungen der Aldus-Presse haben wohl bisweilen die realen finanziellen Wechselfälle verschleiert. Obwohl Aldus die Unterstützung von Andrea Torricelli und Pierfrancesco Barbarigo besaß und gelegentlich für bestimmte Projekte solche von Alberto Pio erhielt, war die Presse weder wider die Anforderungen des Marktes noch gegen die Realitäten Italiens des frühen 16. Jahrhunderts immun. Einige wie der Niedergang anderer Druckereien erwiesen sich für Aldus als positiv, andere wie die Wirtschaftskrise des Jahres 1499 als schädlich für den Handel. So gab es nach dem Höhepunkt von 1502-3 zwischen Dezember 1505 und Dezember 1507, April 1509 und Oktober 1512 mehr als vier Jahre der Inaktivität. Die Erklärung für das Schweigen der Presse während der letzten Periode ist klar: die Liga von Cambrai, als sich eine Vielzahl von Kräften gegen Venedig aufstellte, erforderte die Flucht, aber es ist nicht offensichtlich, warum die Aldus-Presse in den Jahren 1506 und 1507 ruhte.

Posset ubi tandem concepta Academia condi
  Nullus in hoc Aldo cum locus orbe foret,
„Seclum“, ait, „insipiens, tellusque indigna, valete!“
  Atque opus ad Campos transtulit Elysios. 16 Bilibald Pirckheimer: „epitaphium Aldi“ in: Opera. Frankfurt, 1610. fol. C2r.

Cf.: Ambroise Firmin-Didot: Alde-Manuce et l’Hellénisme à Venise. Paris: A. Firmin-Didot, 1875. p. 279:
« Dans les Opera politica de Bilibald Pirckheymer, qui fut en correspondance avec Alde et qui lui témoigna toujours beaucoup d’intérêt, on lit une sorte d’épitaphe sur le sort de cette académie qu’Alde aurait voulu rendre universelle. »

Aldus starb am 6. Februar 1515 (1514 nach venezianischer Zeitrechnung), und die Herausgeber- und Druckertätigkeit wurde von seinem Kompagnon und dessen Söhnen fortgesetzt, bis die Offizin nach einer kurzen Phase der Stillegung 1533 von Paulus Manutius (1512-1574) und den Torressani-Söhnen wiedereröffnet wurde; diese Zusammenarbeit reichte bis in Jahr 1540, dann firmierte die Presse nur noch unter seinem Namen: „Aldi filii“. Paulus wird kein leichtes Leben gehabt haben. Es begann mit einer vaterlosen Kindheit und verlief begleitet von den Streitigkeiten um die Firma. Sein Spezialgebiet war die Herausgabe und Kommentierung lateinischer Texte; nebenher fungierte er als Drucker für die Academia Veneta und richtete in Rom für kurze Zeit eine Zweigstelle ein.

Pauli Manutii Nachfolger wurde sein Sohn Aldus II, der die Firma bis zum eigenen Tod 1597 fortführte, womit sich das Jahrhundert jener Presse rundete.

Für diesen Sohn und Enkel mußte es zwangsläufig schwierig sein sich zu profilieren — bei einem so berühmten Vater, der die lateinischen Klassiker für seine Zeit grundlegend bearbeitet, kommentiert und ediert hatte und bei einem noch berühmteren Großvater, der dies für die griechischen Autoren getan hatte. Daß er als Wunderknabe dargestellt wurde, muß sowohl an der Zeit gelegen haben wie an den Wünschen seines Vaters, doch hatte er schwer an der dadurch geschaffenen Hypothek zu tragen: In seinem neunten Lebensjahr wurde von seinem Vater eine Sammlung stilistischer Beispiele unter seinem Namen veröffentlicht, zwölfjährig soll er die Vertrautenbriefe Ciceros übersetzt und durchgesehen haben.

Für lange Zeit waren Aldinen die schönsten Stücke einer Sammlung. Jean Grolier, dieser Urvater der Bibliophilen, ließ sie sich gleich mehrfach liefern, um Freunde zu beschenken. Sie wurden mit feinen Einbänden in ehrwürdigen Materialien bekleidet, leider meist des häufigeren umgebunden, da die Sammlermode mancher Zeit die Uniformität des Bücherschranks forderte.

Doch mit dem Verfall klassischer Bildung, die sich auf die Kenntnis der Antike berief und von dort immer neu ihre Aktualität schöpfte, sanken nicht nur die barocken Editionen mit den vielfältigen, gelehrten Annotationen und Kommentaren im Kurs, sondern auch die Aldinen. Es bleibt uns hingegen die noch immer vorbildliche Ästhetik ihres Drucks, Papiers, ihrer Typen wie ihrer Gestaltung. Es mag ein beinah esoterisches Erlebnis sein, doch ein unvergleichliches: Nehmen Sie eines dieser Bücher in die Hand, fühlen sie, wie es in ihr liegt, schlagen Sie es auf, wie sich das handgeschöpfte Papier anfühlt, wie sich die Schrift klar abhebt, die Färbung von Papier und Druckerschwärze ...


Der Text stammt aus meinem Vorwort zu Katalog 7 und wurde für diese Neuveröffentlichung überarbeitet.
Aldus Signet

 

Sekundärliteratur zu den Aldinen

Antoine Augustin Renouard:
Annales de l’imprimerie des Alde ou histoire des trois Manuce et de leurs éditions. Troisième édition.
Paris, 1834.
Octavo. XVI, 584, [4], [16], LXXII Seiten. Mit zahlreichen Faksimiles, Signeten, Typenbeispielen.
Leinwand der Zeit.

Standardwerk zu den Aldinen und immer noch eine sehr gute Bibliographie. Nach den 584 Ss. befinden sich beigefügt zwei Auszüge der Annales de l’imprimerie des Estienne: ein vierseitiges Supplément aux Annales aldines sowie Alde l’Ancien, Aldus Pius Romanus et Henri Estienne, Henricus Stephanus secundus. Die anschließenden LXVIII Ss. enthalten eine Notice sur la famille des Junte et liste sommaire de leurs éditions jusqu’en 1550 sowie Annales juntines und Table des éditions juntines de Venise et de Florence.
Besterman III,5153 – elektronisches Faksimile / PDF.

Ambroise Firmin Didot:
Alde Manuce et l’Hellénisme à Venise. Orné de quatre portraits et d’un fac-simile. Hellénisme dans l’Occident. Isabelle d’Este, Marquise de Mantoue. Correspondance inédite des réfugiés grecs en Italie. Zacharias Calliergi et les calligraphes crétois. Premières impressions greques, etc.
Paris: Ambroise Firmin-Didot, 1875.
Octavo. 219 × 132 mm. Portraitfrontispiz, [4], LXVIII, 646, [1], [1 weiße] Seiten, incl. Index. Sowie drei Tafeln und ein doppelblattgroßes Schriftfaksimile.
Handgefertigter Halbledereinband des frühen 20. Jahrhunderts mit mittelblauem Maroquinrücken und -ecken, mit fünf erhabenen Bünden auf dem Rücken und Rückenvergoldung unter Verwendung eines ornamentalen Stempels im Stil des 16. Jh. auf den Feldern, goldgeprägter Rückentitel auf zweitem Feld, unten das Jahr. Originalumschläge beigebunden. Signiert Anker Kyster.

„A monograph of Aldus Manutius, the great Italian printer of the sixteenth century, to whom the world of literature owes some of the best editions of the Greek classics, and the world of art some of the noblest examples of typography (...) It gives a bibliographical and technical account of the products of the Aldine press from 1494 to 1515“ (Bigmore/Wyman).
Bigmore/Wyman I,173 – Brunet, Suppl. I,395 – Vicaire III,259 – Wagner 728 – Besterman 5153.

Nicolas Barker:
Aldus Manutius and the Development of Greek Script & Type in the Fifteenth Century. With original leaves from the first Aldine editions of Aristotle, 1497; Crastonus’ Dictionarium Graecum, 1497; Euripides, 1503; and the Septuagint, 1518.
Sandy Hook, Connecticut: Chiswick Book Shop, 1985.
Gr.Quarto. 329 × 226 mm. xiv, 115, [8], [3]w. Ss. Mit 50 teils ganzseitigen Faksimileabbildungen von Manuskript- und Druckseiten sowie den vier im Titel erwähnten Original-Blättern.
Goldgeprägte Original-Leinwand mit Original-Leinwandschuber.

¶ Eins von nur 200 Exemplaren. Behandelt die griechischen Typen der Inkunabelzeit vor Aldus, die vier aldinischen Typen sowie deren Nachfolger. Allgemeine technische Erläuterungen zum Typenguß und speziell zum komplexen Satz der aldinischen griechischen Typen werfen Licht auf die handwerkliche Seite des Frühdrucks.

Nicolas Barker:
Aldus Manutius and the Development of Greek Script & Type in the Fifteenth Century. Second Edition.
New York: Fordham University, 1992.
Gr.Quarto. xiii, [1], 138 Seiten. Mit 49 Abbildungen, sowie vier Seiten Faksimiles, fünf Typentabellen.
Original-Leinwand mit goldgeprägtem Titel auf Rücken und Vorderdeckel.

Zweite Ausgabe. Eins von 350 Exemplaren. Unverzichtbares Standardwerk zum Thema in der überarbeiteten und vermehrten zweiten Auflage.

Luciana Bigliazzi et al.:
Aldo Manuzio tipografo 1494-1515. Catalogo a cura di Luciana Bigliazzi, Angela Dillon Bussi, Giancarlo Savino, Piero Scapecchi.
Florenz: Octavo, 1994.
Quarto. 239, [1] Seiten, incl. Index und Bibliographie. Mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen von Textseiten, Illuminationen, Einbänden u. s. w.
Leinwand mit Rückengoldprägung.

Erste Ausgabe. Ausstellungskatalog zum „Convegno internationale Aldo Manuzio e la cultura rinascimentale“ der Bibliotheca Medicea Laurenziana und der Bibliotheca Nazionale Centrale in Florenz, mit einigen abgebildeten Unicaten wunderschön illuminierter Aldinen.

Susy Marcon & Marino Zorzi:
Aldo Manuzio e l’ambiente veneziano 1494-1515.
Venedig: il Cardo, 1994.
Quarto. 268 Seiten, incl. Index. Mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen von Textseiten, Mss., Einbandstempeln, Einbänden u.s.w.
Original-Broschur.

Erste Ausgabe. Ausstellungskatalog der Libreria Sansoviniana. Exponate aus berühmten Bibliotheken, u. a. der Apostolica Vaticana, mit einigen Unicaten.

Martin Lowry:
The World of Aldus Manutius. Business and Scholarship in Renaissance Venice.
Cornell University Press, 1979.
Octavo. [8], 350, [2 weiße] Seiten, incl. Index. Mit acht Tafeln sowie Abbildungen im Text.
Original-Leinwand, Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe. Standardwerk zu Leben und Werk des venezianischen Druckers.
Original cloth, First edition, 8 plates, illustrations. This book provides a fascinating and meticulous examination of the life and work of the scholar-printer, Aldus Manutius, by describing his background, outlook, method of business and effect on the intellectual life of his time.

Florio, Giuseppina & Flavia Onofri:
Le Aldine della Biblioteca Casanatense.
Roma, 2018. — PDF

 

Sekundärliteratur aus Katalog 7

Aldus:
Umschlag: ALDUS | Alphabetum | Hebraicum.
Titel: ZUR | MÜNCHENER TAGUNG | DEN BIBLIOPHILEN ÜBERREICHT | TAEUBER & WEIL | ANTIQUARIAT | MÜNCHEN || OKTOBER | 1925.

München: Taeuber & Weil, 1925.
[6] Bll. - Blattgröße: 158 x 99 mm.
Original-Marmorpapierumschlag mit Titelschildchen auf dem Vorderdeckel.

Die mittleren vier Blatt sind das Faksimile der höchst seltenen Aldus-Ausgabe von ca. 1501. Dem Nachwort zufolge sind außer dem faksimilierten nur noch ein Exemplar des Jewish Theological Seminary of America in New York und ein unvollständiges in Privatbesitz bekannt.

Harry George Fletcher:
NEW | ALDINE STUDIES | DOCUMENTARY ESSAYS | ON THE LIFE AND WORK OF | ALDUS MANUTIUS | By Harry George Fletcher III. || Bernard M. Rosenthal, Inc. | San Francisco | 1988.
San Francisco: Rosenthal, 1988.
Octavo. [1] w.Bl., [3] Bll.; Ss. vii-xiii; 206 Ss.
Goldgeprägte blaue Originalleinwand.

Enthält wichtige biographische und bibliographische Aufsätze sowie Dokumente.

Edmund Goldsmid:
Vortitel, in Rot und Schwarz: Ornament The Aldine Press. Ornament.
Haupttitel:
A BIBLIOGRAPHICAL SKETCH | OF | THE ALDINE PRESS | AT VENICE | FORMING | A CATALOGUE | Of all Works issued by Aldus and his successors, | from 1494 to 1597, and a list of all known | Forgeries or Imitations, | TRANSLATED AND ABRIDGED FROM | Ant. Aug. Renouard’s | “Annales de L’Imprimerie des Aldes,” | AND | REVISED AND CORRECTED | BY | EDMUND GOLDSMID, F.R.H.S., F.S.A.(Scot.) | IN THREE PARTS. | PART I. [PART II.; PART III.] | Edinburgh: | E. & G. GOLDSMID. | 1887.

Edinburgh: Goldsmid, 1887.
Quarto. 223 × 136 mm. [2] Bll.; Ss. (5)-56; [1] Bl.; Ss. (5)-80; [1] Bl.; Ss. (5)-42 [incl. Appendix]; xxiv Ss. (“Index to Authors.”).
Grüne Originalleinwand mit Rückengoldprägung und blindgeprägten Deckeln.

Seltene Bearbeitung der Renouardschen Bibliographie für das damalige englischsprachige Sammler­publikum. Eins von nur 75 Exx. auf großem Papier.
Bestermann 5153.

Antje Lemke:
ALDUS MANUTIUS | AND HIS | THESAURUS CORNUCOPIAE | OF 1496. || (...) || Translated by ANTJE LEMKE, | (...) || Introduction by DONALD P. BEAN. | (...) || SYRACUSE UNIVERSITY PRESS.
Quarto. 317 × 203 mm. [2] Bll., Ss. 5-14, [9] Bll.
Syracuse U.P., 1958.
Bedrucktes Originalleinen.

N° 24 von 360 Exx. – Mit Widmung von Antje Lemke an Margot Schöller, datiert 1959.
Enthält die Übersetzung von Aldus’ Vorwort zum Thesaurus sowie die Faksimile der Blätter 1a+b, 2a-6b, 10b, 280a der Originalausgabe.

Ludwig von der Pahlen
BOOKS PRINTED BY | ALDUS MANUTIUS | AND HIS SUCCESSORS | A. D. 1495-1601 | FROM THE COLLECTION OF | Count Ludwig von der Pahlen | ON EXHIBITION FOR THE | ZAMORANO CLUB | LOS ANGELES | GUSTAV FOCK · LEIPZIG · GERMANY | 1933.
Leipzig: Fock, 1933.
Octavo. [1] Bl. (Umschlag); [1] Bl. (Frontispiz); XXII, 186 Ss. (Mit einem Register von pp. 169-178, sowie dem Supplement, das der deutschen Ausgabe dieses Kataloges fehlt.), [1] w.Bl. (Umschlag). Vier eingeschossene Tafeln nach den Seiten 26, 42, 58 und 138 mit Einbandabbildungen sowie einige Textabbildungen.
Blockgeheftete Broschur mit Leinendeckeln, die Originalumschläge eingebunden.

Präsentiert eine hauptsächlich zwischen den Jahren 1870 und 1880 in England aufgebaute Sammlung von etwa neun Zehntel aller bekannten Aldinen. – Die Pahlen waren eine alte baltische Familie schwedischer Herkunft, die im russischen Zarenreich eine Rolle als Diplomaten und Generale spielten.

Leona Rostenberg:
Catalogue Number XXXIX. Madeleine B. Stern, Partner | THE ALDINE PRESS.
New York, 1968.
Octavo. 216 × 138 mm. [3] Bll.; Ss. 7-94, [1] w.Bl.
Bedruckter Originalumschlag.

Beschreibt nach Gebieten geordnet 228 Aldinen sowie in drei Anhängen “Contemporary books by and about the Aldine family” (11), “Books published by the Giunta Press, Aldine associates and imitators” (14) und “Aldine bibliography” (5). Mit zwei Indices.

Theodore Low De Vinne
THE FIRST EDITOR: | ALDUS PIUS MANUTIUS | By | THEODORE LOW DE VINNE | Woodcuts By | ANTONIO FRASCONI | TARG EDITIONS.
Kolophon p. [41]: THE FIRST EDITOR: | ALDUS PIUS MANUTIUS | by Theodore Low De Vinne | with woodcut illustrations by | Antonio Frasconi | is number seventeen of the Targ Editions | published in New York in March 1983 by | William Targ. The book was designed by | Antonio Frasconi and printed by Leslie Miller | at The Granfell Press N.Y. on Rives mould-|made paper; the type is monotype Bembo; | the binding is by A. Horowitz N.J. | The edition is limited | to 250 copies and signed by | Mr. Frasconi and Miss Miller | handschriftlich: 153 folgen die erwähnten Signaturen.

New York: Targ Editions, 1983.
Octavo. ca. 251 × 164 mm. [3] Bll.; Ss. 9-39, [1] Bl. und [1] mehrfach gefaltetes Blatt zwischen Ss. 14 und 15.
Originalhalbleinwand mit goldgeprägtem Rückentitel und Blindprägung auf dem Vorderdeckel, in büttenbezogenem Originalpappschuber.

Der Text erschien zuerst 1881 in Scribner’s Monthly, Vol. 22.