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Quintus Horatius Flaccus

 

Quintus Horatius Flaccus: Opera, 1564

 

Quintus Horatius Flaccus:

HORATIVS. || In quo quidem, præter M. Antonij Mureti ſcholia, | Io. Michalis Bruti animaduerſiones ha-|bentur, quibus obſcuriores ple-|rique loci illuſtrantur. || Aldi Manutij de metris Horatianis libellus. | Eiuſdem in eundem annotationes. | Odarum, Epiſtolarum, & Satyrarum Index. || Signet || VENETIIS, M. D. LXIIII.

Venedig: Paulus Manutius, 1564.

Octavo. 150 × 95 mm. [16] Bll.; 183 Bll. (o.d.l.w.Bl.). – Lagenkollation: A8, a8; b-z8, aa7 (statt 8).

Hellbraunes Kalbleder des beginnenden 19. Jh. mit fünf erhabenen Bünden auf dem Rücken, die von in Goldlinien eingefaßten schwarzen Streifen abgegrenzt werden, in den Feldern ein stilisiertes, Lotos-ähnliches Ornament, im zweiten Verfasser und Titel. Die Deckel mit einer goldgeprägten Rahmenlinie, auf den Schnittpunkten kleine Kreise. Stehkantenvergoldung aus einer Wellenlinie, Innenkantenvergoldung aus einer Rolle mit zwei verschiedenen Blattmotiven. Doppelstöckige handgestochene Kapitale in rosé/weißer Seide; rosa Lesebändchen. Goldschnitt. Vorsätze aus sehr fein strukturiertem Stormont Marmor. Der Einband wurde Bozerian zugeschrieben.

Quintus Horatius Flaccus (8. Dezember 65 v. u. Z. – 27. November 8 v. u. Z.) ist neben Vergil der bedeutendste Dichter der Zeit Augusti. Sein Stil zeichnet sich durch Reichtum der Diktion, sicheren Wortgebrauch und vollkommene Formulierung aus. Während in späteren Ausgaben anderer Drucker der Text vom Kommentar bisweilen erschlagen wird, kommt hier in der feinen aldinischen Typographie das Original zu seiner Geltung.
Provenienz: 1. Laut Notiz eines Vorbesitzers stammt das Buch aus der Bibliothek Eugène Beauharnais (1781-1824). - 2. Es tauchte dann bei einer Auktion seines Urenkels Georgij Nikolajewits Knjäz Romanowskij 1872- ) im Jahre 1929 auf, wo es unter der Nummer 745 des Kataloges im Abschnitt Aldinen für 36,- RM versteigert wurde. Dort auch die Zuschreibung des Einbandes an Bozerian. - 3. Ein gestochenes Exlibris auf dem vorderen fliegenden Blatt verso oben: „EX LIBRIS / DR. REINHOLD / REGENSBURGER 72, COLERIDGE RD / CAMBRIDGE“.

Einband leicht fleckig und an der vorderen Stehkante etwas berieben, an den Gelenken und Ecken leicht berieben. Buchblock recht weiß und breitrandig, Témoins unten, nur vereinzelt etwas Abklatsch der Schrift. Einige wenige Korrekturen einer späteren Hand in Bleistift.

Renouard 195,16 – Ebert 10158 – Adams H 908 – BM STC ital 333 – Bibliographien.
Die Abbildung stammt aus meinem Katalog № 7, wurde bearbeitet und gibt nicht den originalen Zustand wieder.

 

„avidos vicinum funus ut aegros
exanimat mortisque metu sibi parcere cogit,
sic teneros animos aliena opprobria saepe
absterrent vitiis. ex hoc ego sanus ab illis
perniciem quaecumque ferunt, mediocribus et quis
ignoscas vitiis teneor. fortassis et istinc
largiter abstulerit longa aetas, liber amicus,
consilium proprium; neque enim, cum lectulus aut me
porticus excepit, desum mihi. ‚rectius hoc est;
hoc faciens vivam melius; sic dulcis amicis
occurram; hoc quidam non belle: numquid ego illi
inprudens olim faciam simile?‘ haec ego mecum
conpressis agito labris; ubi quid datur oti,
inludo chartis. hoc est mediocribus illis
ex vitiis unum; cui si concedere nolis,
multa poetarum veniat manus, auxilio quae
sit mihi — nam multo plures sumus —, ac veluti te
Iudaei cogemus in hanc concedere turbam.“
Sermones I,iv,126-143.Wie den, er an Eßgier krankt, ein Begräbnis
Bei Nachbarn erschreckt, daß aus Angst vor dem Tod er sich mäßigt,
So schreckt auch zarte Gemüter die Schmach oft, die andere ernten,
Von den Lastern zurück. Drum blieb ich verschont von all denen,
Die ins Verderben nur führen, und habe bloß mäßige Fehler,
Die man vielleicht mir verzeiht, auch von denen wird ja das Leben
Mehr und mehr mich befrein, wenn es währt, auch ein Freund voller Freimut
Und mein eigner Entschluß, denn ob ich nun ruh auf dem Lager,
Ob in der Halle spazier, ich schaffe an mir: ‚Das ist besser!
Tue ich das, so werd ich richtiger leben‘, und ‚Der dort handelt nicht edel
Sollte ich töricht sein und es ebenso machen?‘ So rede
Ich mit verschlossenen Lippen bei mir, und habe ich Muße,
Werf ich es auch aufs Papier. Dies ist von den mäßigen Fehlern,
Die ich erwähnt, nur einer. Und willst Du mir den nicht gestatten,
Kommen zahlreich die Dichter gewiß mir zu Hilfe —
Unser sind ja weit mehr —, und wir werben, grad wie die Juden,
Um Anhang und werden Dich zwingen, Dich zu unsrer Schar zu gesellen.