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Relatio des Colloquii zu Herzberg
Anno Christi 1578.

 

Relatio des Colloquii zu Herzberg Anno Christi 1578

 

Relatio des Colloquii zu Herzberg Anno Christi 1578

 

Relatio des Colloquii zu Herzberg Anno Christi 1578

 

Herzberg - Reformation - Konkordienformel:

Relatio des Colloqvii | zu Hertzberk Anno Christi | 1578. Mense Augusto. | Kahmen die Chur und | fürstlichen abgesanten Theo|logen, | Churfürstliche Sächsische: | Jacobus Andreas D. | Nicolaus Selneccerus D. | Churfürstliche Branden|burgige. | Andreas Musculus D. | Christophorus Cornerus D. | Fürstliche Braunschwei|gische. | Martinus Chemnitius D. | Notarius N N.

Herzberg, 1578.

Octavo. 154 x 96 mm. [121], [3 weiße] Blätter. (fol. 1 weiß, fol. 2 verso und fol. 3 recto weiß; fol. 124 als fester Vorsatz); Oktavlagen, die letzte eine Quartlage. Deutsche und lateinische Handschrift in schwarzbrauner Tinte auf Papier, einspaltig zu 21-26 Zeilen. Mit einer kleinen Skizze auf fol. 78r.

Handgefertigter, rotbraun eingefärbter, flexibler Pergamenteinband der Zeit auf zwei durchgezogenen Bünden aus weißem Leder, Vorderkanten umgeschlagen, Bindebänder entfernt, vorn ein kleiner Beiband entnommen.

Gut lesbare Mitschrift des Colloquiums zu Herzberg. Die Teilnehmerliste wird auf fol. 3v fortgeführt: „Fürstliche Anhaldische. | M. Wolfgangus Amling. | M. Petrus Haringus. | Fürstliche Anhaldische politische. | Christoph von Haim | Johan Bruckenrad | Notarius M. Johan Triller.“ Das Colloquium begann am Nachmittag des 20. August 1578, endete am 24. August und behandelte nach einleitenden Diskussionen u. a. die folgenden Punkte protestantischer Lehre: fol. 31r: De justificatione; fol. 34v: De definitione evangelii; fol. 40v: De coena domini; fol. 48v: Locvs de persona christi.
¶ Die Konkordienformel, das letzte Religionsdokument der lutherischen Kirche des 16. Jahrhunderts und den Bemühungen um Einheitlichkeit der Lehre in den Territorialkirchen zu verdanken, entstand auf Veranlassung des Kurfürsten August von Sachsen und sollte die Entzweiungen beilegen, die nach Luthers Tod dadurch entstanden waren, daß Kursachsen der liberalen Melanchthonschen Richtung folgte, während Niedersachsen und Württemberg streng lutherisch verblieben.
¶ 1576 wurde dazu ein Konvent in Torgau, dem damaligen sächsischen Regierungssitz, gehalten, an dem Jakob Andreae (Jacob Andreä, 1528-1590, cf. ADB I,436-441) aus Tübingen, Martin Chemnitz (1522-1586, cf. ADB IV,116-118) aus Braunschweig, David Chyträus (Kochhafe, 1531-1600, cf. RGG3 I,1823) aus Rostock, Andreas Musculus (1514-1581, cf. ADB XXIII,93-94) und Christoph Körner (Cornerus, 1518-1594) aus Frankfurt / Oder teilnahmen. Das Ergebnis wurde von diesen Theologen, zu denen noch Nikolaus Selneccer (Selnecker, 1530-1592, cf. ADB XXXIII,687-692) aus Leipzig stieß, 1577 im Kloster Bergen umgearbeitet und das Bergische Buch bzw. die Konkordienformel genannt, die nach einer umfangreichen Werbekampagne im lutherischen Deutschland, zu der wohl auch dieses Colloquium zu rechnen ist, durch Kursachsen, Kurbrandenburg, Kurpfalz, 20 Herzogtümer, 24 Grafschaften und 35 Reichsstädte anerkannt wurde - verworfen jedoch von Hessen, Zweibrücken, Anhalt (dazu zahlreiche Stellen in dieser Handschrift!), Pommern, Holstein, Bremen, Kurpfalz, Nürnberg, Straßburg und Magdeburg sowie Dänemark und Schweden. Nach weiteren Verhandlungen, Hinzufügungen und Änderungen wurde die Konkordienformel 1580 im Konkordienbuch veröffentlicht.
¶ Durch die genaue Mitschrift aller Diskussionen, der dargelegten Standpunkte und Einwände äußerst lebendige Schilderung der protestantischen, nach-lutherischen Reformation während der Durchsetzung der Konkordienformel.

Einband verzogen, teils etwas berieben, bestoßen, kleine Fehlstellen. Innen leicht gebräunt, Teile der ersten Lage etwas gelockert, sonst wohlerhalten. Von größter Seltenheit.

Contemporary limp vellum, painted brownish red. Extremely scarce German and Latin manuscript concerning the Konkordienformel. Records of the discussions between the deputies of Anhalt and the Lutheran theologians.

Eine vergleichbare, jedoch flüchtiger geschriebene Handschrift befindet sich in der Staatsbibliothek Berlin: MS. boruss. fol. 35.

 

Angesichts der Seltenheit und Wichtigkeit dieser Handschrift hoffte ich auf ihren Verbleib in Deutschland, aber sie wanderte über den großen Teich aus. Deutsches Desinteresse erstaunte, ja verblüffte mich immer wieder.