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Johann Gottfried von Herder u. a.:
Von Deutscher Art und Kunst.

 

Johann Gottfried von Herder u. a.: Von Deutscher Art und Kunst. Einige fliegende Blätter.

 

Johann Gottfried von Herder u. a.:

Von Deutscher Art und Kunst. Einige fliegende Blätter.

Hamburg: Johann Joachim Christoph Bode, 1773.

Octavo. 163 x 95 mm. [2], 182 Seiten. Mit einer kleinen Titelvignette.

Handgebundener moderner, schlichter weinroter Maroquinband mit goldgeprägtem Rückentitel, goldgeprägten Fileten an den beiden Rückenenden, die Deckel mit Randrahmen aus einer blindgeprägten Linie, ebenso die Steh- und Innenkanten mit einer blindgeprägten Linie versehen, feste Vorsätze aus braunem, feingemustertem Kleisterpapier, jeweils zwei fliegende Vorsätze aus handgeschöpftem Bütten; der ursprüngliche Rotschnitt des 18. Jahrhunderts ist erhalten.

Die programmatische Schrift der Sturm-und-Drang-Bewegung. Enthält neben den beiden als erste gedruckten Aufsätzen von Johann Gottfried von Herder (1744-1803): „Shakespear“, worin er sich u. a. auch mit Goethes „Götz“ beschäftigt, dessen Manuskript er bereits kannte; sowie „Auszug aus einem Briefwechsel über Ossian und die Lieder alter Völker“, der Goethes „kindisches Fabelliedchen“ mit abweichender Schlußstrophe im Erstdruck enthält; Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832): „Von Deutscher Baukunst“, der berühmte Aufsatz über das Straßburger Münster; Paolo Frisi (1728-1784): „Versuch über die Gothische Baukunst“ [„Saggio sopra l’architettura gotica“, übersetzt, erstmals erschienen 1766 zu Livorno]; Justus Möser (1720-1794): „Deutsche Geschichte“, i. e. ein Auszug aus dessen allgemeiner Einleitung zur „Osnabrückischen Geschichte“.
¶ Die Schrift beabsichtigt in Abgrenzung von der lateinisch-romanischen Tradition des Barock und der Aufklärung einen künstlerisch-kulturellen Neuansatz; in der Auseinandersetzung mit diesem Überkommenen liegt hier die Betonung auf der „unmittelbare(n) Begeisterung der Sinne“, „Sprünge und kühne Würfe“ (Herder) sollen die Poesie wie das Drama auszeichnen. Dieser Unmittelbarkeit der Rezeption entspricht die des Künstlers selbst, der als Genie verstanden wird, das die Volksindividualität zum Ausdruck zu bringen vermag. Dem schließt sich der Organismusgedanke Mösers als Maxime historischen Verständnisses an. Es „heben sich heraus: die beispielhafte Ausbildung eines komplexen Geschichtsbewußtseins, der produktive Ansatz einer umfassenden Kulturanthopologie und vor allem eine neue Qualität des ästhetischen Empfindens und der poetologischen Grundsätze — der regelfreien individuellen Ausdrucksdichtung der Goethezeit und noch der Moderne wird hier die Bahn freigemacht“ (KLL).
¶ In diesem Sinne steter künstlerischer Reflexion des Eigenen, der Grenzen und Gefährdungen des Genies, die uns gleich ob in Goethes „Werther“ oder den Gemälden Francis Bacons zeitlos-menschlich entgegentreten, ist „Von Deutscher Art und Kunst“ immer noch ebenso modern wie wegweisend.

Einband mit minimalen Druckspuren auf dem Hinterdeckel; Titel und Seite 3 mit kleinem Stempel, papierbedingt minimal gebräunt. Ein sehr schönes, breitrandiges Exemplar. Selten.

First edition, scarce. Modern red morocco, spine gilt with title. A fine copy.

Erste Ausgabe. Günther/Volgina/Seifert 755 - Goedeke IV,289,31 - Goedeke3 IV,i,725,35 - Hirschberg/Goedeke 211 - Borst 257 - Holzmann/Bohatta IV,10883 - Goethe: Hagen 37 - Möser: Kosch X,1226 – Bibliographien.
 
Abbildung zu Von Deutscher Art und Kunst. Einige fliegende Blätter. Einband