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Friedrich Georg Jünger: Albumblatt mit Gedicht

 

Friedrich Georg Jünger: Albumblatt mit Gedicht

 

Friedrich Georg Jünger:

Albumblatt mit Gedicht, eigenhändig mit voller Signatur, einspaltig, 13 Zeilen.

S. l., s. a. [1958].

Ca. 161 x 105 mm.

Einseitig beschriebenes Blatt cremefarbenen Kartons.

„Auf Leda, die in einem Block | Von reinem Eise | schlafend kauert, || Fällt weißer Flaum herab | Aus grauer Einsamkeit | Ihr Ufer trauert. || Sie und der Baum | Sind Sommers Witwen jetzt, | Entlaubt, entlaubt. || Nach oben sieht sie, | Wo der Schwan | Sich hebt und schraubt. || Friedrich Georg Jünger“
¶ Aus: „Dank im Gedicht“, 1958; Seiten 9-10: „Bewegung eines Schwans, 3.“. Dann nochmals, mit Textveränderung in: „Es pocht an der Tür“, 1968; Seite 36: „Bewegung eines Schwans, 3.“; dort die letzten beiden Zeilen: „Wo ihr Schwan | Ins Nichts sich schraubt.“

Sehr gut erhalten.

Autograph, signed, with poem. Fine.

Autograph. Cf. Fröschle 56.

 

Friedrich Georg Jünger (1898 - 1977), jüngerer Bruder von Ernst Jünger, Lyriker, Erzähler und Essayist.
„Von der Gegenwart wollte hier [in Berlin] niemand etwas wissen; jeder sann auf Veränderungen und richtete sich auf Zukünftiges ein. Das gab der Stadt etwas Chaotisches, wie es an großen Baustellen sichtbar ist.“
„Die Stadt rief Bilder in mir hervor, die ihr nicht angehörten: Gegenbilder waren das. Inmitten ihres Menschengewühls stiegen Landschaften in mir auf, Gebirge, Wälder, Inseln vor allem, leuchtende und spiegelglatte Wasserflächen, Ufer, in die die Zweige hineinhingen [...] Menschenleer waren die Landschaften, unberührt und lautlos, wie Bilder sind. Sie kamen von selbst, am ehesten dort, wo der Verkehr am stärksten war.“ (Zitiert nach Der Spiegel, 1958.)

Und ein Gedicht aus dem Jahre 1940, so aktuell wie damals:

Ultima rerum linea

Wie Vögel sehe ich Grazien ziehen.
Die Musen weichen ängstlich, sie verschwenden
Nichts mehr vom Überflusse ihrer Spenden
Und machen uns zu Bettlern, da sie fliehen.

Sie lassen nur die Notdurft, das Gemeine
Bei uns zurück. Das Niedere wird munter
Und drängt sich vor. Es geht die Sonne unter
Und hellt und wärmt nicht mehr mit ihrem Scheine.

Die Arbeit macht die Dürftigkeit der Tage
Nur immer größer, denn hier kann nichts blühen.
Das Dunkel wächst, das leere, finstre Mühen
Bleibt ohne Frucht für uns. Was hilft die Klage?

Das Feuer wird es enden. Und ich frage:
Wer wird den Brand des Hauses überstehen?
Wer wird in diesen Flammen untergehen?
Und wer ist wert, daß man ihn nicht zerschlage?