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Cicero: Epistolae familiares

 

Marcus Tullius Cicero: Epistolae familiares, 1543

 

Marcus Tullius Cicero:

M. TVLLII CICERONIS EPISTO-|LAE FAMILIARES, DILIGEN-|TIVS, QVAM QVAE HA-|CTENVS EXIERVNT, | EMENDATAE. || PAVLI MANVTII SCHOLIA, | quibus & loci familiarium epistolarum ob-|scuriores explanantur, et castigationû, | quæ in ijsdem epistolis factæ | sunt, ratio redditur. || Quæ omnia recenti hac editione perpolita sunt, | epistularû aliquot locis correctione adhi-|bita, et Scholijs accessione facta. || Signet || PAVLVS MANVTIVS ALDI F. | VENETIIS, M. D. XLIII.
Kolophon fol. MM7r: APVD ALDI FILIOS. || VENETIIS, M. D. XLIII. | MENSE MAIO. Fol. MM8v Signet
[ANGEBUNDEN:] PAVLI MANVTII SCHOLIA, QVI-|BVS ET LOCI FAMILIARIVM | EPISTOLARVM DIFFICILIO-|RES EXPLICANTVR, ET CA|STIGATIONVM, QVAE IN | IISDEM EPISTOLIS | FACTAE SVNT, | RATIO RED|DITVR. || Signet || PAVLVS MANVTIVS ALDI F. || Nequis uspiam imprimat, aut uendat, Pau-|lus III. Pontifex Maximus, itemq; | Senatus Venetus decreto cauit. || VENETIIS, M. D. XLIII.

Venedig: Paulus Manutius, 1543.

Octavo. 151 x 87 mm. CCLXVII Bll.; [10] Bll.; [41] Bll. (Scholien, statt 42) - Lagenkollation: A5, B-Z8, AA-MM8; AAA-DDD8, EEE9 (statt 10).

Kalbleder des 18. Jh. auf fünf Bünden mit vergoldetem Pergamentrückenschildchen auf dem zweiten Feld; Rotschnitt, Kapitale mit grüner Seide handgestochen. Vorsätze aus rot/gelb/grau bedrucktem Kattunpapier.

Die erste Lage ist so vollständig, es sind wie üblich die drei weißen Blatt A1-3 entfernt. Die Cicero-Briefe von Joh. Keylnigius kurz nach 1660 in margine durchnumeriert, auf den 2½ freien Seiten nach dem gedruckten Index ist von ihm ein Verzeichnis nach Topoi wie „Consolatoriæ“, „Disputatoriæ“, etc. angelegt. „Der Text ist hier verbessert. Auch die Scholl. sind vermehrt“ (Schweiger). « Toutes les éditions des Epîtres familières donnés par les Alde, se trouvent biens moins fréquemment que celles des Lettres à Atticus. Ont-elles été beaucoup plus lues, ...? » (Renouard).
¶ „Wohl das wertvollste unter Ciceros erhaltenen Büchern sind seine Briefe, ein Kommentar zu den letzten Jahren der römischen Republik von einer Lebendigkeit, wie wir ihn aus keiner anderen Zeitspanne der Antike besitzen. Hier allein wird, aller Förmlichkeit entkleidet, der Charakter Ciceros und seiner Zeitgenossen enthüllt, und ein Bild wird sichtbar vom Leben vor zweitausend Jahren - was für Menschen dies waren, wie sie reisten, wie ihre Häuser aussahen, welchen Ärger sie mit ihren Dienstboten hatten -, alle häuslichen Einzelheiten, die anderwärts fehlen. Ihre Unmittelbarkeit fördert überdies historische Tatsachen zutage, die sonst verlorengegangen oder vorsätzlich verschleiert worden wären“ (Carter/Muir, p. 145).
Provenienz: 1. Zwei Besitzeinträge auf dem Titelblatt, von denen der untere, ältere leider beschnitten ist, so daß die letzten Buchstaben fehlen. Der andere, datiert auf den 12. Juni 1660, von „Johannes Keylnigius, Königsbruccâ, Lusatus“, der das Buch für 16 Gl. erwarb. 2. Comes de Solms mit ihrem Wappenexlibris auf dem vorderen Spiegel.

Einband minimal fleckig, Rücken mit leichten Knickspuren, innen einige Blatt wenig fleckig. Die Briefe sind von alter Hand durchnumeriert, von derselben Hand auf den freien Seiten nach dem gedruckten Index ein Verzeichnis nach Topoi. Einige Unterstreichungen, auf fol. B1r unten eine kleine Krakelei. Es fehlt das letzte Blatt mit dem Register zu den Scholien, Datum und verso dem Signet. Die erste Lage ist textlich so vollständig, es sind nur die drei weißen Blätter A1-3 entfernt.

German 18th-century calf. Few pages sligthly spotted, some underlining. With an index of the letters written in the 18th century on the leaves following the printed index. „Perhaps the most valuable of Cicero’s surviving works are the letters, such a vivid commentary on the last years of the Roman Republic as we have of no other period of ancient times. Here alone, devoid of formality, the character of Cicero and his contemporaries can be seen; and a picture appears of life two thousand years ago, what sort of people these were, how they travelled, what their houses were like, their troubles with servants - all the domestic detail which is elsewhere lacking. Its immediacy, too reveals historical facts that would otherwise have been lost or deliberately concealed.“ PMM 64.

Renouard 127,3 - Fock 1921,132 - Ebert 4421 - Adams C 1948 - nicht in BM STC ital.
Die Abbildung stammt aus meinem Katalog Nr. 7 und gibt nicht den originalen Zustand wieder!

 

Meine erste Aldine, am 15. Juni 1978 von einem erzählfesten Antiquar in der Potsdamer Straße erworben, der nach anderen Tätigkeiten wie Tierarzt, Jockey oder Imbißinhaber zu seiner wahren und letzten Bestimmung fand, obwohl er vorzugsweise über andere als bibliophile Themen sprach: Lokalpolitik, Berliner Geschichte oder SPD, welche er 1983 mit 60 weiteren Sozialdemokraten ihres „Linkskurses“ wegen verließ, um am 18. August 1984 mit 200 Mitstreitern die „Soziale Volkspartei Deutschlands“ zu gründen, die mit 0,1% bei der Abgeordnetenhauswahl 1985 in Erfolglosigkeit versank, aber immerhin bereits ein Jahr zuvor in den Akten (BStU, MfS, Sekr. Neiber Nr. 1026) des Stellvertreters des DDR-Ministers für Staatssicherheit, Generalleutnant Gerhard Neiber, landete. Er starb 2012.

Einige Zeit später erwarb ich bei ihm noch eine fünfbändige Großfolio-Ausgabe des Kirchenvaters Hieronymus aus dem 18. Jahrhundert, die recht hübsche gestochene Karten enthielt, sich dezent ohne viel Vergoldung in naturbraunes Kalbleder hüllte und Versandschwierigkeiten verursachte.

Dieser Cicero erwies sich sozusagen als mein erstes richtiges Buch.

Epistulae ad Familiares, Briefe an Freunde, ist eine Sammlung von Briefen des römischen Politikers und Redners Marcus Tullius Cicero (* 3. Januar 106 v. u. Z., † 7. Dezember 43 v. u. Z..) sowie verschiedenen öffentlichen und privaten Personen. Die Briefe dieser Sammlung gelten zusammen mit Ciceros anderen als zuverlässige Informationsquelle für die Zeit vor dem Niedergang der Römischen Republik. Die Sammlung enthält Briefe von 62 bis 43 v. u. Z. und wurde wahrscheinlich erst einige Zeit nach Ciceros Tod von seinem Freigelassenem und persönlichem Sekretär Marcus Tullius Tiro veröffentlicht. Der Inhalt der Briefsammlung ist vielfältig, man findet dort rein informative oder vertrauliche Texte, auch Verträge.

Eine Anzahl von Manuskriptkopien dieser Sammlung ist bis in die Neuzeit überliefert, jedoch keine Auflistung aller Inhalte, in den Briefen finden sich Verweise auf fehlende Stücke. Die früheste Überlieferung ist ein Palimpsest auf einem Blatt, geschrieben im fünften oder sechsten Jahrhundert, zwei weitere Fragmente stammen aus Manuskripten des 12. Jahrhunderts. Ein vollständiges von verschiedenen Händen geschriebenes Manuskript aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts wurde 1392 von Coluccio Salutati (1331–1406) kopiert; dies befindet sich nun in der Libreria Laurenziana zu Florenz. Zwei weitere Gruppen mittelalterlicher Manuskripte stellen eigenständige Traditionen dar, deren eine überliefert den Text der Bücher 1–8 (X) ist jedoch nicht völlig unabhängig von der oben genannten, die andere den der Bücher 9–16 (Y).