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Biblia arabica, Evangeliar

 

Abbildung zu Biblia arabica, NT

 

Zweite Abbildung zu Biblia arabica, NT

 

Dritte Abbildung zu Biblia arabica, NT

 

Der erste Druck der Evangelien in arabischen Typen
Mit 149 Holzschnittillustrationen

EVANGELIVM | SANCTVM | Domini nostri lesu Christi | CONSCRIPTVM A QUATVOR | EVANGELISTIS SANCTIS | idest, | MATTHAEO, MARCO, LVCA, | ET IOHANNE | (Ornament) | ROMAE, | ln Typographia Medicea. | M. D. XC. (Davor der arabische Titel, s. u.)

Rom: In typogr. Medicea, 1590. (Kolophon: 1591, s. u.)

Folio. 337 x 233 mm. 368 Seiten. In 46 unbezeichneten Quartlagen. ❦ Werden nach den Formatangaben Maße in Millimetern genannt, beziehen sich diese auf die Blattgrößen, Höhe vor Breite, i. A. gemessen in den Buchblockmitten.

Mittelbraunes Kalbleder des 18. Jhs. mit sechs erhabenen Bünden auf dem Rücken. Reste von einem vergoldeten Randrahmen aus zwei Linien auf den Deckeln. ❦ Werden innerhalb der Einbandbeschreibungen die Einbandgrößen angeführt, so steht Höhe vor Breite vor Dicke.
An dieser Stelle befindliche bibliographische Angaben beziehen sich auf den Buchbinder bzw. den Einband.

Diese Editio princeps der Evangelien in Arabisch in wohl 1500 Exemplaren war das erste Werk der von G. B. Raimondi geleiteten und von Kardinal Ferdinand de Medici gegründeten Mediceischen Presse. Das Buch ist bis auf das Titelblatt und das Kolophon durchweg in arabischen Typen gedruckt, die Pagination ist oben in Arabisch, unten in europäischen Ziffern durchgeführt, Bogensignaturen sind nicht verwandt, jedoch Kustoden. Es existiert unter diesem Datum noch eine arabisch-lateinische Ausgabe, deren Auflage jedoch 3000 Exemplare betrug und die später unter mehreren Datierungen jeweils als Titelauflage neu herausgegeben wurde.
¶ Gedruckt wurde der Text in Robert Granjons großer Type (260 mm, cf. H. D. L. Vervliet: Robert Granjon à Rome. - Updike l, 179), die erstmals im 1584/5 erschienen Kitâb al-bustân fî- 'ajâ'ib al-ard wa al- buldân - jedoch nicht als Brotschrift - verwandt ist; die Kustoden in der kleineren Avicenna, die hier zum ersten Male erscheint. Damit war eine gut lesbare und schön geschwungene arabische Type entwickelt, die auch heute noch durch ihre Eleganz beeindruckt.
¶ lllustriert wurde das Evangeliar mit 149 Holzschnitten im Format 101 x 125 mm, von denen 68 wiederholt sind, so daß die absolute Anzahl 81 beträgt. Sie werden Leonardo Parasole, der mit Raimondi zusammenarbeitete und wohl den Druck des cantus firmus entwickelt hat (cf. Tinto: Tipografia, p. 62-63, 83), oder Lucas Pennís zugeschrieben und sind nach Vorlagen von Antonio Tempesta geschnitten, die einzigen von ihm zu diesem Zweck erstellten. Cf. Tinto: Tipografia, p. 85. - Tempesta (1555-1630) war Schüler des Jan van der Straat und des Santi di Tito und unter Vasari an den Malereien im Palazzo Vecchio tätig. In Rom fand er am Hofe Gregors Xlll. Beschäftigung, wo er auch mit einer kurzen Unterbrechung bis an sein Lebensende verweilte. Er wandte sich dem Kupferstich, insbesondere der Radierung zu, und seine Blätter waren über ganz Europa verbreitet. Für eine Aufstellung seiner Arbeiten und bibliographische Angaben vide Thieme/B. XXXll, 516-17.
¶ Einige der Holzschnitte sind mit LP, AT oder LP signiert und im allgemeinen etwas gröber in der Ausführung; die Mehrzahl jedoch ist unsigniert und sehr kunstvoll sowohl im Stil als auch in der Technik.

Rücken unter Verwendung des alten Materials erneuert, Vorsätze ebenfalls. Einband berieben, an den Kanten und auf dem Rücken kleine Fehlstellen im Bezug. lnnen einige Blatt teils etwas gebräunt bzw. fleckig, sonst meist frisch. Die Holzschnitte in guten Abdrucken.

Eighteenth century calf, six raised bands. Spine repaired. Slightly browned or stained. A good copy.

Adams B 1822 - Schnurrer 318 - Darlow/Moule 1636 - Balagna 36-7 - Duverdier: Impressions 239 - Graesse ll, 531 - Brunet ll, 1122-23. – Die Abbildungen stammen aus der Beilage zu meinem Katalog Nr. 4, sind bearbeitet und geben nicht den originalen Zustand wieder. ❦ Bibliographische Angaben zu diesem Buch: soweit verfügbar werden zuerst Personalbibliographien angeführt, dann Sachbibliographien und allgemeine.

 

Ibn Muqla, ابن مقلة, Abu ’Ali Muhammad Ibn ’Ali ibn Muqla al-Shirazi, 885/6 - 940/1, entwickelte Schriften mittels geometrischer Prinzipien, von denen die Naskh, قلم النسخ‎, qalam an-naskh, besonders wichtig wurde, da sie sich zur meistbenutzten Schreibschrift und Vorlage für Drucktypen entwickelte. « Ibn Muqla est un prophète dans l’art calligraphique. Son don est comparable à l’inspiration des abeilles construisant des alvéoles » — Abdallah Ibn al Zariji, zitiert in: Mohamed Sijelmassi & Abdelkébir Khatibi: L’Art calligraphique de l’islam. Paris: Gallimard, 2001.

Die ersten arabischen Schriftzeichen im europäischen Druckraum tauchten auf Holzschnitten auf, z. B. 1486, Bernhard von Breydenbach: Peregrinatio in terram sanctam. Auch die anderen Schriftbeispiele in diesem Buch erweisen sich als recht eigenwillige Interpretationen:
Sarraceni lingua
Und 1499, Francesco Colonna: Hypnerotomachia Polifili, fol. h8r:
Drei Portale mit arabischen, hebräischen und lateinischen Schriftzeichen

1514 druckte Gregorio de Gregorii (1496–1527) in Venedig oder Fano das „Kitāb Ṣalāt al-Sawā'ī bi-Hasāb Ṭaqs al-Kanīsat al-Iskandariyat“, ein Gebetbuch nach dem Ritus der Alexandrinischen Kirche, in arabischen Typen. Es handelt sich um 118 Blätter mit in rot und schwarz gedrucktem arabischem Text, dessen Typen noch nicht wohlgestaltet sind, die Ligaturen teils fehlerhaft und die Diacritica teils nicht korrekt gesetzt. Es existieren weltweit nur noch etwa zehn Exemplare dieses Buches.

Es folgte 1516 ein zu Genova in fünf Sprachen, Hebräisch, Griechisch, Arabisch, Chaldäisch und Latein, gedruckter Psalter, ψαλτήριον, das Werk von Agostino Giustiniani und Pietro Paolo Porro, gedruckt von Nicolò Giustiniani.

In Rom arbeiteten zuerst die Medicea Orientali und die Stamperia Vaticana mit arabischen Drucktypen, dann Plantin in Antwerpen, wo solche ab Ende des 16. Jahrhunderts verwandt wurden: Franciscus Raphelengius (i. e. Frans van Ravelingen, 1539-1597), schuf 1595 das „Specimen characterum Arabicorum“ mit zwei solchen Drucktypen.

Robert Granjon (1513-1589/1590) systematisierte in den Jahren 1580-86 während seines Romaufenthaltes 1578-1589/1590 die Formen arabischer Typen, die erstmals 1584/85 von ihm und Domenico Basa zum Druck des „Kitab al-bustan fi aga‘ib al-ard wa-l-buldan“ eingesetzt wurden.

Im selben Jahr gründete Giovanni Battista Raimondi auf Betreiben von Gregor XIII. (1502-1585) und Kardinal Ferdinando I. de’ Medici (1549-1609) die „Typographia Medicea“ in Rom. Nach seinem Tod gelangten diese Typenbestände nach Florenz.

Das erste mit beweglichen Drucktypen im mittleren Ostern hergestellte arabische Buch verwendete syrische Schrifttypen, es wurde von Maronitischen Mönchen des Maar Quzhayy Klosters im Libanongebirge hergestellt.

Die 1798 von Alois Senefelder entdeckte Lithographie förderte den arabischen Buchdruck: 1829 erschien das erste lithographisch gedruckte Buch in Persien, 1831/32 in der Türkei.

Der griechisch-orthodoxe Mönch Abd Allah Zakhir eröffnete eine Druckerpresse für bewegliche arabische Typen im Kloster der Stadt Dhour El Shuwayr im Libanongebirge, er entwarf und schnitt die Drucktypen. Sein erstes Buch erschien 1734; die Presse arbeitete bis 1899.

Erst 1924 erschien zu Kairo die erste mit beweglichen Typen gesetzte Koranausgabe der arabischen Welt.
Arabischer Titel der Evangelien
Kolophon der Evangelien