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Zweispaltiger Satz in Text und Kommentar

Biblia latina:

Biblia cum postillis Nicolai de Lyra et expositionibus Guillelmi Britonis in omnes prologos p. Hieronymi et additionibus Pauli Burgensis replisque Matthiae Doering.
Davon Teil drei: Incipit p(ro)logus in Esaiam p(ro)phetam.

Nürnberg: Anton Koberger, III. Non. Dec. [= 3.12.] 1487.

Folio. 301 × 208 mm. [348] Bll. – Lagenkollation: AA-GG10, HH12, II-MM10, NN12, OO8, PP-TT10, UU-XX6, YY-ZZ10, AAA-FFF10, GGG-HHH8, III-MMM10, NNN8.

Wenig späterer Schweinslederband auf vier Doppelbünden mit Blindprägung und dem Supralibros des Klosters Göttweig. Handgestochene Kapitale, rotgefärbter Schnitt, zwei Schließen. Die Rolle „Ivsticia/Cognicio/Prvdencia/Caritas“ (162 × 18 mm, eher 164 × 17-18 mm) bei Haebler II, 221 unter Melk 1, auch auf einer Inkunabel, was eine Werkstatt in dieser Gegend annehmen läßt, die für beide Klöster gebunden haben mag, oder für das Wandern der Rollen spricht.

Zu Nikolaus von Lyra (um 1270 bis 1349) siehe LThK2 7, 992 sq.; dieser berühmte Exeget und Doctor planus oder utilis kommentierte fast die ganze Heilige Schrift, wobei er den Unterschied zwischen Literal- und mystischem Sinn richtig erkannte. Um jeweils den Literalsinn zu finden, bezog er auch die Werke jüdischer Exegeten in seine Textarbeit ein; dies und die Knappheit im Vergleich zu den mittelalterlichen Schriftauslegern lassen ihn zum Bindeglied zur Moderne werden. Die oftmals gedruckte Postille wurde von Paulus von Burgos in seinen 1100 Additiones kritisiert, gegen die wiederum Matthias Doering seine 400 Repliken Defensorium Postillae schrieb, die hier beide zum Großteil mit abgedruckt sind.
¶ Zweispaltiger Satz, der in Text und herumgeführten Kommentar gegliedert ist, mit Kolumnentiteln und 56 bzw. 72-73 Zeilen pro Seite; Typen: 7:83G mit 8:84G gemischt, 9:165G, 12:64G. Eine goldgehöhte Initiale auf Blatt AA1r; die Initialspatien mit rot und blau eingezeichneten Initialen versehen, sowie durchgehend rot rubriziert, all dies von zeitgenössischer Hand. Mit sechzehn teils ganzseitigen Holzschnitten. Diese sind verkleinerte Neuschnitte der in Nicolaus von Lyra: Postilla litteralis in vetus et novum testamentum. Nürnberg: Koberger, 1481 abgedruckten, zum Vergleich siehe oben Abbildung vier.
¶ Bei den verschiedenen Bibelausgaben Kobergers von 1485, 1487, 1493 und 1497 mit diesem Kommentar handelt es sich, wie am Schriftbild ersichtlich, jeweils um vollständigen Neusatz; cf. Dr. Hans Volz: Bibel und Bibeldruck in Deutschland im 15. und 16. Jahrhundert. Mainz, 1960. pp. 14-15, mit Abbildung, cf. p. 10.

Einband stellenweise etwas berieben und minimal fleckig, sonst sehr gut erhalten; das Leder von ausgezeichneter Qualität, sehr weich und glatt. Das Gold der Initiale auf AA1r in der Mitte etwas berieben, erstes Blatt etwas fleckig, vorn bisweilen leichter Wasserrand im Innenfalz. Manchmal vom Rand her kommend minimal stockfleckig; wenige Blatt aufgrund der Papierqualität besonders im Text etwas gebräunt, von TT3 - BBB2 ein kleiner hellbrauner Fleck in der oberen Ecke des weißen Randes; YY3 mit einer v. a. H. ausgebesserten Stelle fast ganz im weißen Rand; letzte Blatt etwas fleckig und wurmstichig. Ein schönes, überwiegend weißes und sauberes Exemplar in seinem ersten Einband, in der Größe dem der British Library vergleichbar.
Provenance: 1. Kloster Göttweig, Supralibros und handschriftlicher Eintrag auf AA1r. Cf. Kirchenlexikon. Freiburg: Herder, 1888 und LThK2 IV, 1145 sq. — 2. Leo Ritter, Berlin, mit Sammlerstempel auf dem vorderen fliegenden Blatt recto oben. Insgesamt ein sehr frisches und schönes Exemplar in einem hervorragenden Einband.

Nearly contemporary blindstamped pigskin over wooden boards, four raised bands. Part three of the four vols of the Latin Bible with commentaries by Lyra et al. In good condition.

GW 4289 – Hain-C. 3167 – BMC II, 431 (mit der Blattgröße 300 × 210 mm) – Proctor 2060 – Schreiber 3473 – Pellechet 2346 – Census p. 46 und 231 – Voullième: Berlin 1728 – Schramm: Der Bilderschmuck der Frühdrucke. Band XVII, p. 3 sq. – Schramm: Die illustrierten Bibeln der deutschen Inkunabeldrucker. Leipzig, 1922. p. 20 sq. und Abb. 27-30 – Bibliographien.
Die ersten drei Abbildungen stammen aus meinem Katalog Nr. 2 und geben nicht den originalen Zustand wieder!

 

Ezechiel

Abbildungen zwei und vier zeigen den Thronwagen, מֶרְכָּבָה (merkavá), aus יְחֶזְקֵאל, Ezechiel, I:
4Vnd ich sahe / vnd sihe / Es kam ein vngestümer Wind von Mitternacht her mit einer grossen Wolcken vol Fewrs / das allenthalben vmbher glentzet / vnd mitten in dem selben Fewr war es wie liecht helle1. 5Vnd darinnen war es gestalt / wie vier Thiere / vnd vnter jnen eines gestalt / wie ein Mensch / 6vnd ein jglichs hatte vier Angesichte vnd vier Flügel. 7Vnd jre Beine stunden gerade / Aber jre Füsse waren gleich wie runde füsse / vnd glintzeten / wie ein hell glat ertz. 8Vnd hatten Menschen hende / vnter jren Flügeln / an jren vier Orten / Denn sie hatten alle vier jre Angesichte vnd jre Flügel / 9vnd die selbigen flügel / war ja einer an dem andern. Vnd wenn sie giengen / durfften sie sich nicht rumb lencken / Sondern wo sie hin giengen / giengen sie stracks fur sich.

10Jre Angesichte zur rechten seiten der viere /waren gleich einem Menschen vnd Lewen / Aber zur lincken seiten der viere / waren jre Angesichte gleich einem Ochsen vnd Adeler. 11Vnd jre Angesichte vnd Flügel / waren oben her zurteilet / das je zween Flügel zusamen schlugen / vnd mit zween Flügeln jren Leib bedeckten. 12Wo sie hin giengen / da giengen sie stracks fur sich / Sie giengen aber wohin der wind stund / vnd durfften sich nicht rumb lencken / wenn sie giengen. 13Vnd die Thiere waren anzusehen / wie fewrige Kolen / die da brennen / vnd wie Fackeln / die zwischen den Thieren giengen. Das Fewr aber gab einen glantz von sich / vnd aus dem Fewr gieng ein blitz / 14Die Thier aber lieffen hin vnd her wie ein blitz.

15Als ich die Thier so sahe / Sihe / da stund ein Rad auff der erden bey den vier Thieren / vnd war anzusehen / wie vier Reder. 16Vnd dieselbigen Reder waren / wie ein Türckis / vnd waren alle viere / eins wie das ander / vnd sie waren anzusehen / als were ein Rad im andern. 17Wenn sie gehen solten / kondten sie in alle jre vier Orter gehen / vnd durfften sich nicht rumb lencken / wenn sie giengen. 18Jre felgen vnd höhe / waren schrecklich / vnd jre felgen waren voller Augen vmb vnd vmb / an allen vier Redern. 19Vnd wenn die Thier giengen / so giengen die Reder auch neben jnen / Vnd wenn die Thier sich von der erden empor huben / so huben sich die Reder auch empor. 20Wo der Wind hin gieng / da giengen sie auch hin / vnd die Reder huben sich neben jnen empor / Denn es war ein lebendiger Wind in den Redern. 21Wenn sie giengen / so giengen diese auch / wenn sie stunden / so stunden diese auch. Vnd wenn sie sich empor huben von der erden / so huben sich auch die Reder neben jnen empor / Denn es war ein lebendiger Wind in den Redern.

22Oben aber vber den Thieren / war es gleich gestalt / wie der Himel / als ein Christal / schrecklich / gerad oben vber jnen ausgebreitet. 23Das vnter dem Himel jre Flügel / einer stracks gegen dem andern stund / vnd eins jglichen Leib bedeckten zween Flügel. 24Vnd ich höret die Flügel rausschen / wie grosse Wasser / vnd wie ein gedöne des Allmechtigen / wenn sie giengen / vnd wie ein getümel in einem Heer / 25Wenn sie aber still stunden / so liessen sie die Flügel nider / vnd wenn sie still stunden / vnd die Flügel niderliessen / so donnerte es im Himel oben vber jnen.

26Vnd vber dem Himel / so oben vber jnen war /war es gestalt / wie ein Saphir / gleich wie ein Stuel /vnd auff dem selbigen Stuel sas einer / gleich wie ein Mensch gestalt. 27Vnd ich sahe / vnd es war wie liecht helle / Vnd inwendig war es gestalt / wie ein Fewr / vmb vnd vmb / Von seinen Lenden vber sich /vnd vnter sich / sahe ichs / wie Fewr glentzen vmb vnd vmb. 28Gleich wie der Regenbogen sihet in den Wolcken / wenn es geregent hat / Also glentzet es vmb vnd vmb. Dis war das ansehen der Herrligkeit des Herrn / Vnd da ichs gesehen hatte / fiel ich auff mein Angesichte / vnd höret Einen reden.“
Biblia, das ist, die gantze Heilige Schrifft Deudsch. Wittenberg: Hans Lufft, 1545.
 

Mishnah

“One may not expound on forbidden sexual relations in front of three, nor the matter of creation in front of two, nor the Chariot (merkavá) before one, unless one is wise and understanding of one’s knowledge.”
— Chagigah 2,1.
 

Ἀποκάλυψις, Johannes-Apokalypse IV

Darnach sahe ich / vnd sihe / eine Thür ward auffgethan im Himel / vnd die erste stim / die ich gehöret hatte mit mir reden / als eine Posaunen / die sprach / Steig her / Jch wil dir zeigen / was nach diesem geschehen sol.

2Vnd also bald war ich im Geist / vnd sihe / ein Stuel ward gesetzt im Himel / vnd auff dem stuel sass einer. 3Vnd der da sass / war gleich anzusehen / wie der stein Jaspis vnd Sardis / vnd ein Regenbogen war vmb den stuel / gleich anzusehen / wie ein Smaragd. 4Vnd vmb den stuel waren vier vnd zwenzig stüele / vnd auff den stüelen sassen vier vnd zwenzig Eltesten / mit weissen Kleidern angethan / vnd hatten auff jren Heubten güldene Krone. 5Vnd von dem stuel giengen aus / blitz / donner / vnd stimme / vnd sieben fackeln mit fewer brandten fur dem stuel / welchs sind die sieben geister Gottes. 6Vnd fur dem stuel war ein glesern Meer / gleich dem Christal / Vnd mitten im stuel / vnd vmb den stuel vier Thier / vol augen fornen vnd hinden.

7Vnd das erste Thier war gleich einem Lewen / vnd das ander thier war gleich einem Kalbe / vnd das dritte hatte ein andlitz wie ein Mensch / vnd das vierde thier gleich einem fliegenden Adeler. 8Vnd ein jglichs der vier thieren hatte sechs Flügel vmb her /vnd waren inwendig vol Augen / vnd hatten keine ruge tag vnd nacht / vnd sprachen / Heilig / heilig / heilig ist der Gott der Herr / der Allmechtige / der da war / vnd der da ist / vnd der da kompt.

9Vnd da die Thiere gaben preise vnd ehre vnd danck dem / der da auff dem stuel sass / der da lebet von ewigkeit zu ewigkeit / 10Fielen die vier vnd zwenzig Eltesten fur den / der auff dem stuel sass / vnd beteten an den / der da lebet von ewigkeit zu ewigkeit. Vnd worffen jre Kronen fur den stuel / vnd sprachen / 11Herr du bist wirdig zu nemen preis vnd ehre vnd krafft / Denn du hast alle ding geschaffen / vnd durch deinen willen haben sie das wesen / vnd sind geschaffen.
Biblia, das ist, die gantze Heilige Schrifft Deudsch. Wittenberg: Hans Lufft, 1545.
 

Merkabah

The Heavenly Throne; hence “Ma’aseh Merkabah,” the lore concerning the heavenly Throne-Chariot, with especial reference to Ezek. i. and x. The conception of Yhwh riding upon cherubim, or fiery cloud-birds, upon the heavens or the clouds, is certainly genuinely Hebrew (see Ps. xviii. 11 [A. V. 10]; Deut. xxxiii. 26; Ps. lxviii. 5 [A. V. 4]; Isa. xix. 1); hence His “war-chariot” (Hab. iii. 8 and Isa. lxvi. 15, Hebr.) and the name “chariot” for the ark with the cherubim (I Chron. xxviii. 18). Just as the Assyrian sunchariot with its horses is employed in the legend of the ride of Elijah to heaven (II Kings ii. 11; comp. Enoch lxx. 2, lxxii. 5, lxxiii. 2), so did the prophet Ezekiel in his vision, probably suggested by Babylonian sculpture, see Yhwh riding on the Throne-Chariot when leaving the doomed Temple at Jerusalem (see Müller, “Ezechielstudien,” 1895, pp. 8-11; Bertholet, “Das Buch Hezekiel,” 1897, p. 12). To a later age Ezekiel’s picture became a sacred mystery known by the term “Merkabah” as early as the time of Ben Sira (Ecclus. xlix. 8). The ancient Mishnah lays down the rule: “The Ma’aseh Merkabah should not be taught to any one except he be wise and able to deduce knowledge through wisdom (‘gnosis’) of his own” (Ḥag. ii. 1). Job beheld the throne of God, and his daughters sang the doxology of the Ma’aseh Merkabah (according to the Testament of Job, ed. Kohler, vii. 39, xi. 25; see Kohut Memorial Volume, pp. 282, 288). (...)

Such spiritualistic experiences through mystic rites had their origin in Egypt rather than in Persia. Jamblichus (“De Mysteriis,” iii. 4, 5) describes the optic and acoustic illusions under which the Egyptian mystic labored as if they were realities, and at the same time he states that in the ecstatic state brought about by magic songs and proper environment the soul is encompassed by a chariot of light and ether (αἰϑεριωδές ϰαὶ αῦγοειδὲς ὄχημα), on which it beholds the heavenly things in the light reflected from above (iii. 14; see Von Harless, “Das Buch von den Aegyptischen Mysterien,” pp. 53-54, 65-66). Neoplatonic ideas, accordingly, aided in rendering the Mithra worship the center of the mystic belief in which the world of antiquity sought relief during the period when the gods of classical antiquity were losing their authority and divinity; and Jewish wisdom, following the tendency of the age, embodied it, under the name of Enoch Meṭaṭron, as secret lore in its system (see Meṭaṭron).
— Kaufmann Kohler, in: The Jewish Encyclopedia, VIII, 1906. pp. 498-500.
 

Josef F. Blumrich

His report begins without any introduction. He hurls the events of the first encounter at the reader with the same poignancy with which he himself had been confronted. The roar of the rocket engine ignited at that very moment explodes in the stillness and makes him look up. The flames of the engine are shooting from the center of a white cloud. Blinding light and a mighty roar come from there. The sky seems to burst open. The cloud allows a glimpse of four elongated shapes above which something as yet undefined is moving. At their lower end one can perceive straight legs and their round feet. For a moment Ezekiel has the impression that these shapes look like human beings. But then the clouds are dispelled, the blazing fire of the rocket engine suddenly vanishes: there can now be no doubt that those shapes have wings which are moving. Below these wings, arms are hanging downward alongside the body; above them Ezekiel discerns forms and shadows resembling faces. Similarity with human forms is certainly not complete but there is some approximation, and whatever Ezekiel sees must be living beings which now, quite close to him, are nearing the ground.

At all times we must remember that Ezekiel does not interpret what he sees, because he cannot interpret it. What he does is describe to the best of his ability the optical and acoustical impression, and in so doing he uses means which are available to him in view of this phenomenon. (...)

The spacecraft consists of three major systems: The central main body. The four helicopters that support the main body. The capsule for the crew, which is located on the upper side of the main body. (...)

Moreover, in those ancient times, the total absence of technical knowledge must have prompted men more strongly to lose what they saw in what they believed; the mighty unknown would turn into the psychologically familiar, into a deity or a demon. Accordingly, the cover under which reality lies concealed will vary from epoch to epoch, and from people to people.
— Josef F. Blumrich: The Spaceships of Ezekiel. London: Corgi, 1974. pp. 13, 22 & 146.
 

Traité des trois imposteurs

«Quoiqu’il importe à tous les hommes de connaître la vérité, il y en a très peu cependant qui jouissent de cet avantage. Les uns sont incapables de la rechercher par eux-mêmes, les autres ne veulent pas s’en donner la peine. Il ne faut donc pas s’étonner si le monde est rempli d’opinions vaines et ridicules ; rien n’est plus capable de leur donner cours que l’ignorance ; c’est là l’unique source des fausses idées que l’on a de la Divinité, de l’Ame, des Esprits et de presque tous les autres objets qui composent la Religion. L’usage a prévalu, l’on se contente des préjugés de la naissance et l’on s’en rapporte sur les choses les plus essentielles à des personnes intéressées qui se font une loi de soutenir opiniâtrement les opinions reçues et qui n’osent les détruire de peur de se détruire eux-mêmes. »
Traité des trois imposteurs. Chapitre I, De Dieu, § 1. A Yverdon: De l’Imprimerie du Professeur de Felice, 1768.

« Moïse, Jésus et Mahomet étant tels que nous venons de les peindre, il est évident que ce n’est point dans leurs écrits qu’il faut chercher une véritable idée de la Divinité. Les apparitions et les conférences de Moïse et de Mahomet, de même que l’origine divine de jésus, sont les plus grandes impostures qu’on ait pu mettre au jour et que vous devez fuir si vous aimez la vérité. »
Chapitre IV, Vérités sensibles et évidentes, § 1.
Traité des trois imposteurs

Eine deutsche Übersetzung des 18. Jh.: Spinoza II. oder Subiroth Sopim. Rom: bey der Witwe Bona Spes, 5770, i. e. Berlin: Vieweg, 1787.

Die lateinische Version mit deutscher Übersetzung: De tribus impostoribus · Die drei Betrüger.


Flavius Claudius Iulianus: Against the Galilaeans.

 

Atheismus

„Es gibt keinen Gott, denn: Entweder hat Gott die Welt geschaffen oder nicht. Hat er sie nicht geschaffen so hat die Welt ihren Grund in sich und es gibt keinen Gott, da Gott nur dadurch Gott wird, daß er den Grund alles Seins enthält. – Nun kann aber Gott die Welt nicht geschaffen haben, denn entweder ist die Schöpfung ewig wie Gott, oder sie hat einen Anfang. Ist Letzteres der Fall so muß Gott sie zu einem bestimmten Zeitpunkt geschaffen haben, Gott muß also nach dem er eine Ewigkeit geruht einmal tätig geworden sein, muß also einmal eine Veränderung in sich erlitten haben, die den Begriff Zeit auf ihn anwenden läßt, was Beides gegen das Wesen Gottes streitet. Gott kann also die Welt nicht geschaffen haben. Da wir nun aber sehr deutlich wissen, daß die Welt oder daß unser Ich wenigstens vorhanden ist und daß sie dem Vorhergehenden nach also auch ihren Grund in sich oder in etwas haben muß, das nicht Gott ist, so kann es keinen Gott geben – quod erat demonstrandum.“

„Schafft das Unvollkommne weg, dann allein könnt ihr Gott demonstrieren, Spinoza hat es versucht. Man kann das Böse leugnen, aber nicht den Schmerz; nur der Verstand kann Gott beweisen, das Gefühl empört sich dagegen. Merke dir es, Anaxagoras, warum leide ich? Das ist der Fels des Atheismus. Das leiseste Zucken des Schmerzes und rege es sich nur in einem Atom, macht einen Riß in der Schöpfung von oben bis unten.“
Georg Büchner: Dantons Tod, III,1.
 

«Cependant, reprit-il, l’Univers ne sera jamais heureux, à moins qu’il ne soit Athée. Voici quelles étoient les raisons de cet abominable Homme. Si l’Athéïsme, disoit-il, étoit généralement répandu, toutes les branches de la Religion seroient alors détruites et coupées par la racine. Plus de guerres théologiques; plus de soldats de Religion; soldats terribles! la Nature infectée d’un poison sacré, reprendroit ses droits et sa pureté. Sourds à toute autre voix, les Mortels tranquilles ne suivroient que les conseils spontanés de leur propre individu; les seuls qu’on ne méprise point impunément, et qui peuvent seuls nous conduire au bonheur par les agréables sentiers de la vertu. »

« L’Ame n’est donc qu’un vain terme dont on n’a point d’idée, et dont un bon Esprit ne doit se servir que pour nommer la partie qui pense en nous. Posé le moindre principe de mouvement, les corps animés auront tout ce qu’il leur faut pour se mouvoir, sentir, penser, se repentir, et se conduire en un mot dans le Physique, et dans le Moral qui en dépend. »
Julien Offray de La Mettrie: L’Homme Machine.

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