Startseite

Peter Friedrich Arpe:
De prodigiosis naturae et artis operibus talismanes et amuleta dictis

 

Peter Friedrich Arpe: De prodigiosis naturae et artis operibus talismanes et amuleta dictis

 

„Arpe is an interesting transition figure“

Peter Friedrich Arpe:

De prodigiosis naturæ et artis operibus talismanes et amuleta dictis cum recensione scriptorum huius argumenti liber singularis.

Hamburg: Christian Liebezeit, 1717.

Octavo. ca. 180 x 110 mm. Gestochenes Frontispiz, [6], 184, [16] (Index) Seiten. ❦ Werden nach den Formatangaben Maße in Millimetern genannt, beziehen sich diese auf die Blattgrößen, Höhe vor Breite, i. A. gemessen in den Buchblockmitten. Titel in rot und schwarz, mit gestochener Verlegervignette auf Titel sowie Holzschnittvignetten.

Handgefertigte schlichte Pappbroschur der Zeit aus hellgraublauer Pappe mit handschriftlichem Rückenschild. Unbeschnitten.

Erste Ausgabe, erst 1792 erschien eine deutsche Übersetzung (= Jouin/Descreux 855). „Contient des remarques sur environ 530 auteurs et ouvrages occultes“ (Caillet I, p. 64). Beschreibt die Werke antiker, mittelalterlicher und Renaissance-Autoren, bis solche ins 18. Jh. hinein, darunter auch Schriften arabischer Verfasser. Arpe, „ein sehr gelehrter, fleißiger und vernünftiger Jurist“ (Zedler, Suppl. II,1751), verfaßte diesen „Epilog der Talismanologie aus einer Zeit, in der die Blütezeit dieser Kunst längst vorüber war“ (Biedermann: Handlexikon der magischen Künste, 3. Auflage, I,62).
¶ Peter Friedrich Arpe (1682-1740), Sohn eines Kieler Bürgermeisters, Jurist und Historiker, studierte in Kiel und Kopenhagen die Rechte. 1712 hielt er in Kiel zunächst als Privatdozent Vorlesungen und trat 1721 eine Professur für Öffentliches und Vaterländisches Recht an. Meinungsverschiedenheiten mit Kollegen führten drei Jahre später zu seiner Entlassung; um 1726 ließ er sich als Jurist und Schriftsteller in Hamburg nieder und war zwischen den Jahren 1729 und 1731 braunschweigisch-wolfenbüttelscher Legationsrat. 1733 folgte Arpe einem Ruf des Herzogs Christian Ludwig von Mecklenburg an die Regierungskanzlei in Schwerin, wo er bis zu seinem Tod tätig war. Daneben trieb er historische und bibliographische Studien.

Einband fleckig und wasserrandig; Bibliothekstempel auf Titel, erste zwei Lagen etwas wasserrandig, sonst hell stockfleckig, eine Lage papierbedingt gebräunt, gegen Ende gebräunt. Sehr selten.

First edition. Contemporary wrappers. Waterstained, some foxing. „An interesting transition work reflecting the contradictory tendencies of a period which stands between (true or pretended) piety and belief in magic on the one hand, and the freethinking of the Enlightenment on the other. Here under the mask of Christian piety we find observations, really damaging to religious belief, on the astrological and fetishistic superstitions of great theologians such as Thomas Aquinas, who are here closed together with superstitious natural scientists like Paracelsus“ (Faber du Faur, p. 404). „Arpe is an interesting transition figure, and in his writings there is a reflection of the last remnants of 17th-century thinking colored with negromantic superstition. At the same time one finds in him the first rather veiled but recognizable stirrings of the Age of Enlightenment“ (Faber du Faur, p. 403).

Faber du Faur 1576 - Graesse: Magica 39 - Caillet I,446 - Rosenthal 1814 - Ebert 1227 - Georgi I,69 - Biedermann: Handlexikon der magischen Künste, 3. Auflage, I,62. Nicht bei Petzholdt

 

Interessant ist die Herkunft beider Wörter. Talisman, das erst Mitte des 17. Jahrhunderts von französisch und englisch talisman, cf. Jacques Gaffarel: Curiositez inouyes, sur la Sculpture talismanique des Persans, horoscope des Patriarches, et lecture des Estoilles. Paris: Hervé du Mesnil, 1629, oder vom spanischen Talismán ins Deutsche übernommen wurde. Dies könnte auf den arabischen Dual ṭilasmān zum Singular ṭilsam, klassisch ṭilasm, ‚Zauberbild‘, zurückgehen und dieses auf griechisch τέλεσμα, geweihter Gegenstand, τελετή, Einweihung, &c.

Amulett stammt von lateinisch amuletum und bereicherte ab Mitte des 16. Jahrhunderts die deutsche sowie die französische Sprache, cf. Pontus de Tyard, Übersetzer der „Dialoghi di amore“: Mantice, ou discours de la vérité de Divination par l’Astrologie. Lyon: de Tournes et Gazeau, 1558. Doch bleibt der Ursprung des lateinischen Wortes unklar, cf. amolimentum, Schutzmittel, Amulett, von amolior, oder amylum, Stärke, Haferschleim, ἄμυλον.

Durch ein umfangreiches Register auf 32 Seiten erschlossenes, auch im modernen Sinne recht wissenschaftliches Werk mit zahlreichen Verweisen und Fußnoten. Auf der letzten Seite dieser Hinweis:
Arpe Register